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Gewichtheber-EM
Gewichtheber jubeln über EM-Medaillen

Bukarest/Berlin. Nach Silber und Bronze für Robert Joachim zum Auftakt setzt Nico Müller mit zwei Goldmedaillen noch eins drauf.

() Nico Müller bekam das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht und blickte während der Nationalhymne ungläubig auf seine beiden Goldmedaillen. In den Zuschauerrängen freute sich seine Freundin mit dem neuen Europameister, der zuvor in der Klasse bis 77 Kilogramm überraschend die Titel im Zweikampf und Stoßen geholt hatte. „Das war harte Arbeit. Damit hätte ich wirklich niemals gerechnet“, sagte der 24-jährige Müller überwältigt von seinen Gefühlen bei Eurosport. Am Mittwoch hatte bereits Robert Joachim den deutschen Hebern mit Silber und Bronze einen hervorragenden Start beschert. Dass bei bei den Europameisterschaften in Bukarest mehrere Top-Nationen wegen Dopings gesperrt sind, schmälert die deutschen Erfolge nicht.

Joachim störte nicht, dass er nach dem zweiten Platz im olympischen Zweikampf (311 Kilogramm) und Rang drei im Stoßen (173 Kilogramm) in der Nacht zum Donnerstag geschlagene zwei Stunden bei den Doping-Kontrolleuren verbrachte. Die deutschen Gewichtheber stehen schließlich seit Jahren für einen Knallhart-Kurs im Anti-Doping-Kampf und durften die Erfolge auch als moralischen Sieg verbuchen, denn die EM findet unter besonderen Vorzeichen statt.

Wegen mindestens drei positiven Doping-Nachtests von den Olympischen Spielen 2008 in Peking und 2012 in London fehlen in Rumänien Athleten aus den suspendierten Top-Nationen wie Russland, der Ukraine oder Aserbaidschan. „Die haben bei der EM nichts zu suchen, und das aus gutem Grund!“, sagte Frank Mantek, Sportdirektor beim Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG). Joachims Erfolg, ergänzte Bundestrainer David Kurch, werde durch das Fehlen der Konkurrenz „nicht geschmälert“.



Das Gewichtheben krankt wie kaum ein anderer Sport an einem massiven Dopingproblem. Die Glaubwürdigkeit der Kraftsportler ist beschädigt, selbst IOC-Präsident Thomas Bach bescheinigte dem Sport unlängst ein „massives Doping-Problem“. Mit Blick auf die weitere Zugehörigkeit zum olympischen Programm durfte der Weltverband IWF dies durchaus als Warnung verstehen. Die zwingend notwendigen Reformen sind auf den Weg gebracht, so wurde etwa das Format der Olympia-Qualifikation grundlegend überarbeitet. Künftig werden Olympia-Tickets nicht mehr über ein Teamranking, sondern über eine Einzelqualifikation vergeben. Die Heber sind so gezwungen, bei den sechs Qualifikationswettkämpfen zu starten und sich so regelmäßig Dopingkontrollen zu unterziehen.

Mit der Überarbeitung der Gewichtsklassen und über reduzierte Starterfelder soll zudem die Attraktivität der Sportart gesteigert werden. „Der Weltverband ist auf dem besten Weg, auf dem er bislang gewesen ist“, sagte Mantek: „Ich glaube schon, dass es dazu beitragen wird, dass das Gewichtheben sauberer wird.“ Umso wichtiger sind die Erfolge von Müller im olympischen Zweikampf (346 Kilogramm) und Stoßen (191 Kilogramm) sowie Joachim einzustufen, die dem Sport wichtige Aufmerksamkeit bescheren. Müller ist der erste deutsche Europameister seit Jürgen Spieß, der 2009 in Bukarest in der Klasse bis 94 Kilogramm damals Gold gewonnen hatte.

Die Stimmung bei den deutschen Hebern war gelöst. „Wir sind nicht die Nation, die immer vorne steht. Es ist schön zu sehen, dass wir in Schlagdistanz sind“, sagte Kurch. Auch Mantek war zufrieden: „Es ist immer wichtig, wenn bei internationalen Meisterschaften Erfolge erzielt werden. Wir waren in den letzten Jahren nicht verwöhnt. Das gibt der ganzen Truppe Rückenwind.“

(SID)