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Hockey-WM
"Garstige" Oruz will ins WM-Halbfinale

Selin Oruz gilt als knallharte Verteidigerin.
Selin Oruz gilt als knallharte Verteidigerin. FOTO: picture alliance / Frank Uijlenb / Frank Uijlenbroek
London. Selin Oruz gehört mit ihren 21 Jahren bereits zu der Erfahrenen im Team der deutschen Hockey-Frauen.

Selin Oruz ist eine der jüngsten Spielerinnen im Team der deutschen Hockey-Frauen – doch schon jetzt gehört die 21-Jährige mit ihrer Erfahrung zu den abgezocktesten Verteidigern der Mannschaft. Und nicht nur das: Bei der WM in London setzte Oruz auch offensiv schon entscheidende Akzente, die zum erfolgreichen Einzug der „Danas“ ins Viertelfinale am Mittwoch (19 Uhr) führte.

„Der Gruppensieg interessiert jetzt niemanden mehr. Klar, die drei Tage Pause taten gut, aber jetzt starten wir bei Null“, sagte Oruz dem sid. Die Deutschen erspielten sich als Erste der Gruppe C das direkte Ticket für die Runde der letzten Acht, umgingen den Umweg über das Achtelfinale und hatten so mehr Zeit zur Regeneration als ihr nächster Gegner.

Denn die Spanierinnen, auf die die Deutschen nun erneut treffen, mussten noch gestern Abend gegen Belgien (3:2) um das Viertelfinalticket kämpfen. In der Vorrunde hatte Deutschland gegen Spanien mit 3:1 gewonnen. „Wir hatten keine Präferenz, was den Gegner angeht. Wir wissen, dass wir mit einer guten Performance nahezu jeden schlagen können“, sagte Oruz.



Durch ihre „garstige Defensivarbeit“, die man der zierlichen Verteidigerin zunächst gar nicht zutraut, ist das Vorbeikommen für den Gegner ziemlich ungemütlich. „Das ist meine Stärke“, wenn das funktioniere, habe sie den Anspruch auch „offensiv Aktionen einzuleiten“. In den bisherigen Partien gelang der gebürtigen Krefelderin beides.

Die Aufbauspielerin hat ein Auge für die langen Pässe in die Sturmspitze. So bediente sie Torjägerin Charlotte Stapenhorst mit einem Diagonalpass, den die Vollblutstürmerin zum Siegtreffer gegen den Topfavoriten Argentinien im zweiten Gruppenspiel (3:2) verwandelte.

Doch auch Oruz verspürt ab und zu selbst den Drang zum Tor. In der abschließenden Vorrundenpartie gegen Spanien tauchte die Defensivspielerin im gegnerischen Schusskreis auf und versenkte den Ball zum richtungsweisenden 2:1 – und bejubelte ihren ersten Länderspieltreffer.

Mit Anfang 20 gehört sie bereits zum festen Kader der Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB). War sie beim Bronzemedaillen-Triumph bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 noch ein Küken, zählt sie jetzt zu den Etablierten. Damit ist sie keine Seltenheit im deutschen Team, der Altersdurchschnitt liegt bei 25 Jahren.