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Radsport
Froome sieht sich als „Botschafter für einen sauberen Radsport“

Paris. Der Weltradsportverband weist Kritik nach der Entscheidung in der Salbutamol-Affäre zurück. Viermaliger Toursieger Froome bittet um Fairness.

Der Weltradsportverband UCI hat die Kritik an der Einstellung des Doping-Verfahrens gegen den britischen Radprofi Christopher Froome zurückgewiesen. „Wir haben eine Entscheidung getroffen, die völlig logisch ist und im Zusammenhang steht mit der Entscheidung der Welt-Anti-Doping-Agentur“ (Wada), sagte UCI-Präsident David Lappartient der Zeitung „Le Figaro“.

„Alle gehen heute auf die UCI los, aber wenn ich am 28. Juni einen Brief von der Wada erhalte, der mir sagt, dass die Proben von Herrn Froome keine Verletzung der Anti-Doping-Regeln darstellen, sehe ich nicht, wie ich Chris Froome im Licht dessen sanktionieren könnte.“ Froome sei „vor dem Urteil verurteilt“ worden, kritisierte Lappartient. „Ich verstehe die Reaktion der Leute, aber sie wollten Froomes Kopf auf einer Stange, ob er schuldig ist oder nicht.“ Der Weltverband hatte den viermaligen Tour-Sieger am Montag nach einer Prüfung über neun Monate vom Doping-Verdacht freigesprochen.

Froome selbst hat inzwischen vorsichtige Erklärungsversuche unternommen. Tatsächlich habe der am 7. September 2017 in Spanien gemessene Wert des Asthmamittels Salbutamol in seinem Urin weit weniger über dem erlaubten Limit gelegen als bisher publiziert, argumentierte der britische Radprofi. Zudem hätten eine Dehydrierung nach der schweren Etappe auf den Los Machucos und die Einnahme weiterer Medikamente gegen eine Infektion die Messung beeinflusst. Froome kommt zu dem zynischen Schluss: „Ich freue mich, weiter ein Botschafter für einen sauberen Radsport zu sein“. Das sagte er der Londoner Zeitung „Times“. Mit diesem zynisch klingenden Satz sorgte der Radstar weltweit für viel Aufsehen.



Die Wada setzte einen Grenzwert von 1000 Nanogramm pro Milliliter fest. Dazu gebe es allerdings einen Ermessensspielraum bis zu 1200 Nanogramm, erklärte Wada-Wissenschafts-Direktor Oliver Rabin. Froome bezifferte seinen Wert bei der ominösen Kontrolle vor seinem Vuelta-Sieg auf 1429 Nanogramm. Bisher war immer von knapp 2000 und einer nahezu hundertprozentigen Überschreitung die Rede gewesen.

In der proppenvollen Turnhalle der westfranzösischen Kleinstadt Saint-Mars-là-Réorthe drängten sich am Mittwoch beim ersten öffentlichen Auftritt Froomes mehr als 100 Journalisten und 20 Kamerateams. Der Brite betonte nochmals seine Unschuld. „Das war eine große Herausforderung für mich und meine Familie. Eine große Last ist von meinen Schultern gefallen“, sagte Froome.

Der viermalige Toursieger, der am Mittwoch ohne Bodyguard erschien, bat die Fans um Fairness: „Wenn sie Chris Froome nicht mögen, sollen sie das Trikot eines Teams anziehen, das sie unterstützen und nichts Negatives in dieses Rennen tragen“, sagte der Sky-Kapitän. Das Team und der Veranstalter hätten „geeignete Maßnahmen für die Sicherheit ergriffen“, erklärte Sky-Teamchef Dave Brailsford.

Froome zeigte „Verständnis“ für die Skeptiker, wie er sagte. „Der Radsport hat eine schwierige Geschichte, und ein mehrfacher Toursieger muss mit Misstrauen rechnen und sich den Fragen stellen“, erklärte der umstrittene Sky-Kapitän der „Times“. Viele Zuschauer an der Strecke werden es ab dem morgigen Samstag aber womöglich anders sehen – Froome, der 2015 schon einmal bei einer Ekel-Attacke mit Urin überschüttet worden war, droht eine Spießrutenfahrt durch Frankreich.