| 23:11 Uhr

Giro d’Italia
Froome feiert Giro-Sieg mit „reinem Gewissen“

Der unter Dopingverdacht stehende Brite Chris Froome hat doch noch den Giro d’Italia gewonnen. Er jubelt im Rosa Trikot.
Der unter Dopingverdacht stehende Brite Chris Froome hat doch noch den Giro d’Italia gewonnen. Er jubelt im Rosa Trikot. FOTO: dpa / Yuzuru Sunada
Rom. Britischer Radprofi gewinnt die Italien-Rundfahrt. Sein sensationelles Solo über 80 Kilometer vom Freitag wirft Fragen auf.

Das allgemeine Misstrauen verfolgte Christopher Froome bis in die antiken Straßenzüge der Ewigen Stadt. Rom trug rosa am Finaltag des Giro d’Italia, und im Schatten des gewaltigen Kolosseums wurde dem britischen Radstar der Siegerpokal Trofeo Senza Fine überreicht. Für unbeschwerte Freude gab es allerdings nur bedingt Anlass.

Alle Wege führen nach Rom, heißt es. Es gibt nicht wenige, die wünschten, Froome hätte seine Reise niemals angetreten. Froomes erster Gesamtsieg bei der Italien-Rundfahrt ist durch die noch immer ungeklärte Salbutamol-Affäre überschattet und schwer belastet. Noch ist völlig offen, ob der Triumph des Briten Bestand haben oder wegen einer möglichen Doping-Strafe aus den Ergebnislisten gestrichen werden wird. Für Froome ging in Rom zwar ein Karrieretraum in Erfüllung, für den Radsport ist sein Erfolg ein denkbar ungünstiges Szenario.

Der viermalige Tour-de-France-Sieger versuchte, alle Zweifel zu zerstreuen. „Ich habe ein reines Gewissen“, sagte Froome. Wenn die Zeit reif sei, würden alle Informationen geteilt: „Ich bin sicher, dass die Leute meinen Standpunkt übernehmen werden.“ Während der WM 2017 im September war Froome von einem positiven Dopingtest auf das Asthmamittel Salbutamol in Kenntnis gesetzt worden. Der festgeschriebene Grenzwert war bei einer während der Vuelta entnommenen Probe um das Doppelte überschritten worden. Noch immer ist unklar, wann es ein Urteil geben wird. Der Radsport-Weltverband UCI hatte im Vorfeld des Giros aber betont, dass Froome ein Sieg nachträglich aberkannt werden könnte.



Im Angesicht der ungelösten Affäre sorgte die Art und Weise, wie Froome zum Titel fuhr, für Stirnrunzeln. Zwei Wochen hatte Froome nicht nur die gewohnte Dominanz vermissen lassen, mehr noch: Er fuhr lange sogar hinterher. Erst in der Schlusswoche, und nicht zuletzt bei seinem sagenhaften 80-Kilometer-Solo ins Rosa Trikot am Freitag, drehte der 33-Jährige mächtig auf.

„Una fuga d’altri tempi“, kommentierten die Italiener die 19. Etappe, eine Flucht aus einer anderen Zeit. „Er hat einen Landis gemacht“, sagte der völlig perplexe neuseeländische Radprofi George Bennett (Team LottoNL-Jumbo) und lachte süffisant. Floyd Landis hatte bei der Skandal-Tour 2006 nach einem kolossalen Einbruch am Vortag mit einer nicht für möglich gehaltenen Solofahrt – unter Dopingeinfluss – den Grundstein für den Tour-Sieg gelegt. Der Titel wurde dem US-Amerikaner später aberkannt.

Froome jubelte ungeachtet dessen über den sportlichen Erfolg. Der Giro d’Italia war die einzige große Rundfahrt, die er noch nicht gewonnen hatte. Neben vier Siegen bei der Frankreich-Rundfahrt hatte er einmal bei der Vuelta in Spanien triumphiert. Der Giro-Sieg soll der erste Schritt zum seltenen Double aus Giro und Tour sein, das zuletzt Marco Pantani (1998) glückte. Zudem gewann er als dritter Profi nach Eddy Merckx (1972/1973) und Bernard Hinault (1982/1983) drei große Rundfahrten in Serie. Alle drei hatten vor ihm bisher nur sechs Fahrer für sich entschieden.

Aus deutscher Sicht sorgte vor allem Maximilian Schachmann für Furore. Der Berliner gewann die 18. Etappe.