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Triathlon
„Frodo“ demonstriert seine Stärke auf der Langdistanz

Der neue Europameister auf der Triathlon-Langdistanz: Jan Frodeno überquert jubelnd die Ziellinie in Frankfurt.
Der neue Europameister auf der Triathlon-Langdistanz: Jan Frodeno überquert jubelnd die Ziellinie in Frankfurt. FOTO: dpa / Arne Dedert
Frankfurt. Triathlet des LAZ Saarbrücken gewinnt die Ironman-EM in Frankfurt und distanziert seinen Rivalen Patrick Lange deutlich. Von Mark Weishaupt und Nicolas Reimer

Jan Frodeno bejubelte seinen „Auswärtssieg“ mit einem gewaltigen Schrei der Erleichterung. Sein zweiter Triumph bei der Ironman-EM in Frankfurt und der klare Erfolg im Duell mit Weltmeister und Lokalmatador Patrick Lange schmeckten dem 36-Jährigen sichtlich. Für die WM auf Hawaii ist der Olympiasieger von 2008 in Peking nun der Top-Favorit. „Ich bin echt happy, dass es geklappt hat. Da ist auch jede Menge Stolz dabei“, sagte Frodeno nach dem Zieleinlauf: „Jetzt bin ich aber auch richtig kaputt.“ Der geschlagene Lange musste zugeben: „Frodo war der beste Athlet. Ich muss mit dem Podium zufrieden sein. Bis zur WM ist noch viel Arbeit zu erledigen.“

Frodeno absolvierte die 3,8 Kilometer Schwimmen, 185 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen in 8:00:58 Stunden. Das reichte auch aufgrund der verlängerten Raddistanz zwar nicht, um seinen Streckenrekord aus dem Jahr 2015 (7:49:48 Stunden) zu pulverisieren, aber allemal, um die Ambitionen auf den Sieg beim Saisonhöhepunkt in gut drei Monaten zu untermauern. Das Rennen in der Bankenmetropole – schon das zweite Duell zwischen Frodeno und Lange in diesem Jahr – war der erste echte, direkte Härtetest der zwei „Eisenmänner“. Im Juni hatte Frodeno im Kraichgau einen Wettkampf gewonnen, der über die halbe Distanz ausgetragen wurde.

Die Entscheidung bei nahezu idealen Bedingungen fiel beim abschließenden Marathonlauf. Lange, der vor dem Rennen selbstbewusst getönt hatte, er könne aufgrund seiner Laufstärke „Minuten aufholen“, wollte Frodeno genau dort überflügeln. Aber der Athlet vom LAZ Saarbrücken bewies Stärke, baute seinen kleinen Vorsprung nach dem Radfahren aus und wehrte die Attacken von Lange bis zum Ziel auf dem Römerberg erfolgreich ab. „Ich weiß, dass ich rennen kann“, sagte Frodeno. Lange meinte hingegen: „Ich habe noch etwas Nachholbedarf.“



Schon um 6.30 Uhr war am Langener Waldsee der Startschuss gefallen. Wie schon bei der zurückliegenden WM auf Hawaii war der Australier Josh Amberger der schnellste Schwimmer. Frodeno und Lange stiegen gemeinsam aus dem Wasser – und das durfte insbesondere Lange als verheißungsvolles Zeichen für den weiteren Verlauf interpretieren. Denn Frodeno gilt als ausgezeichneter Schwimmer, seine größten Stärken besitzt der amtierende Hawaii-Champion Lange hingegen auf der Laufstrecke.

Auf dem Rad harmonierte das Duo, unter anderem unterstützt vom Vorjahresdritten Patrik Nilsson (Schweden), zunächst allerdings nicht wie erhofft. Der Rückstand auf den führenden Amberger wuchs bis zur Hälfte der zweiten Teilstrecke auf mehr als vier Minuten an. Erst dann forcierte vor allem Frodeno das Tempo, bis zum Wechsel schmolz seine Lücke zu Amberger auf mickrige 20 Sekunden. Aber weitaus wichtiger: Weltmeister Lange lag noch immer in Schlagdistanz, nur 21 Sekunden hinter Frodeno. Doch „Frodo“ zog das Tempo vor allem auf der zweiten Hälfte des Marathons an und verpasste Lange knapp achteinhalb Minuten Rückstand – eine kleine Triathlon-Welt. Der Weltmeister musste sogar noch den Schweden Nilsson ziehen lassen und wurde am Ende Dritter.

Bei den Frauen feierte die Schweizer Weltmeisterin Daniela Ryf einen souveränen Erfolg. Die 31-Jährige, die schon 2015 triumphiert hatte, setzte sich mit einem Streckenrekord von 8:38:44 Stunden vor Sarah True (USA/+26:35 Minuten) und Sarah Crowley (Australien/+32:47) durch. Anne Haug vom LAZ Saarbrücke feierte als Vierte ein gelungenes Debüt auf der Langdistanz.