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Dopingskandal
Russlands Suspendierung gefordert

Moskau . Im Dopingskandal ist ein Ultimatum der Welt-Anti-Doping-Agentur abgelaufen. sid

Das Ultimatum ist abgelaufen, die Dopingjäger zürnen – und Russland muss erneut Sanktionen fürchten: Die Aufarbeitung des Aufsehen erregenden russischen Dopingskandals ist um ein groteskes Kapitel reicher, der Druck auf die in die Kritik geratene Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) steigt.

„Aus unserer Sicht hat der russische Sport die Forderungen der Wada nicht erfüllt“, teilte die deutsche Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) mit. Sie gehe davon aus, dass die Wada nun „konsequent“ handele und die russische Anti-Doping-Agentur Rusada als nicht konform mit dem Wada-Code erkläre: „Zum Schutz der sauberen Athleten weltweit und für einen dopingfreien Sport ist diese klare Positionierung der Wada unerlässlich.“

Denn der Plan der Wada und deren Präsident Craig Reedie ist gescheitert. Die Wada hatte bis zum 31. Dezember 2018 Zugang zum Moskauer Kontrolllabor und dessen sogenanntem Laboratory Information Management Systems (LIMS) gefordert. Darin enthalten sind alle Doping-Testdaten zwischen Januar 2012 und August 2015, in diesem Zeitraum sollen systematisch positive Tests vertuscht worden sein. Dies war eine Auflage für die im September erfolgte Aufhebung der Rusada-Suspendierung.



Geschehen ist bisher aber nichts. Die Frist verstrich, ohne dass das eingesetzte Expertenteam der Wada die Datensammlung bekam. Der offizielle Grund: Die technische Ausrüstung der Wada-Ermittler sei nicht nach russischem Recht zertifiziert. Das Team reiste kurz vor Weihnachten mit leeren Händen aus Russland zurück.

„Die jetzige Entwicklung ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker der Wada. Wenn diese jetzt nicht konsequent handelt, ist ein weiterer Vertrauensverlust unvermeidbar“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Auch Wada-Chef Reedie ist „bitter enttäuscht, dass die Datenübergabe nicht innerhalb der Frist erfolgt ist. Die Wada hat unablässig mit den russischen Behörden daran gearbeitet, dass die Frist eingehalten wird, was im Interesse eines sauberen Sports gewesen wäre.“

Reedie sieht sich seit längerem Kritik ausgesetzt. Die umstrittene Wiederaufnahme hatte der Schotte immer verteidigt und den 31. Dezember als „harte Frist“ bezeichnet. Direkte Folgen hat das Verstreichen des Ultimatums für Russland aber erst einmal nicht. Erst am 14. und 15. Januar soll das zuständige Gremium über mögliche Folgen beraten.

In einer gemeinsamen Stellungnahme betonten insgesamt 16 nationale Anti-Doping-Agenturen, darunter auch die deutsche Nada, die Wada solle nun „ohne Verzögerung“ eine Entscheidung treffen. „Die Wichtigkeit der Situation rechtfertigt nicht, Russland zwei weitere Wochen Zeit zu geben“, hieß es darin.