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Meister will wieder in die Spur
Angeschlagene Bayern wollen Umschwung

Ungewohntes Bild: Bei den Bayern lief es zuletzt in der Bundesliga nicht. Trainer Niko Kovac hofft jetzt im Champions-League-Duell gegen Amsterdam auf eine Reaktion, damit er nicht mehr so viel gestikulieren muss.
Ungewohntes Bild: Bei den Bayern lief es zuletzt in der Bundesliga nicht. Trainer Niko Kovac hofft jetzt im Champions-League-Duell gegen Amsterdam auf eine Reaktion, damit er nicht mehr so viel gestikulieren muss. FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
München. Ajax Amsterdam soll an diesem Dienstag in der Champions League für die Mini-Krise in der Bundesliga büßen. sid

Ein Unentschieden gegen den FC Augsburg, eine Niederlage gegen Hertha BSC – so kann es selbstverständlich nicht weitergehen, wenn man der FC Bayern ist. Und deswegen wollen die leicht angeschlagenen Münchner an diesem Dienstag (21 Uhr/DAZN) in der Champions League beim Heimspiel gegen Ajax Amsterdam sich und der Welt beweisen, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gibt.

„Wir werden nicht anfangen, alles schwarz zu sehen“, betont Trainer Niko Kovac, gesteht aber ein, dass das zweite Gruppenspiel nach dem 2:0 bei Benfica Lissabon ein richtungsweisendes ist. Zumindest in der Königsklasse. „Wir wollen natürlich drei Punkte einfahren, um beruhigter in die nächsten Spiele zu gehen“, sagt Kovac.

Niederlagen reizen den FC Bayern für gewöhnlich – vor gut einem Jahr etwa verloren die Münchner unter Carlo Ancelotti 0:2 bei der TSG Hoffenheim, nur um im folgenden Spiel in der Champions League den RSC Anderlecht zu besiegen (3:0). Thomas Müller hat schon mal angekündigt, dass er und seine Mitspieler nun Ajax büßen lassen und „Gas geben wollen“.



Auch Kovac verbreitet ein bisschen „Mia san mia“-Gefühl. Die Niederlage in Berlin „hat die Mannschaft schon gestört“, sagt er, „wir sind in der Allianz Arena, wir sind der FC Bayern, wir möchten der Partie unseren Stempel aufdrücken.“ Zugleich aber warnt der Pragmatiker vor zu viel Emotion. „In der Aufarbeitung“ der zwei vergangenen Spiele „muss man sachlich, fachlich an die Sache rangehen“.

Obwohl Jérôme Boateng mit seinen ungewohnten Fehlern die Niederlage in Berlin erheblich begünstigte, setzt Kovac weiter auf den Abwehrchef – zumal es mit seiner Rotation zuletzt so gut nun auch wieder nicht geklappt hatte. Clubchef Karl-Heinz Rummenigge sieht dies aber gelassen: „Das hat er (Kovac) in Frankfurt nicht gemusst. Das ist ein bisschen Neuland. Aber ich finde, so wie er das macht, ist das okay.“

Vor Amsterdam hat Kovac erwartungsgemäß Respekt, er sieht „große Qualität“ in der Mannschaft, auch wenn Ajax nichts mehr mit dem großen Ajax des vergangenen Jahrtausends zu tun hat. 2017 gelang unter dem wenige Monate später bei Borussia Dortmund gescheiterten Peter Bosz noch der Einzug in das Finale der Europa League (0:2 gegen Manchester United), doch der letzte (Meister)Titel liegt schon vier Jahre zurück. Im gleichen Jahr, 2014, nahm Ajax letztmals an der Champions League teil.

Unter den ehemaligen Nationalspielern Edwin van der Sar (Generaldirektor) und Marc Overmars (Sportdirektor) haben sie nun zumindest eingesehen, dass sie auch mal Geld in die Hand nehmen müssen, um Talente zu halten oder Qualität zuzukaufen. 40 Millionen Euro gab Ajax vor der Saison aus, unter anderem für die Rückkehr von Daley Blind (28/16 Millionen) oder den Angreifer Dusan Tadic (29/11).

Zwei Protagonisten von Ajax dürften sie in München übrigens sehr gut kennen. Mittelstürmer ist Klaas-Jan Huntelaar, der mit Schalke achtmal gegen den FC Bayern spielte, allerdings nie einen Treffer erzielte. Trainer der Niederländer ist Erik ten Haag, von 2013 bis 2015 zuständig für den FC Bayern II in der Regionalliga. 2014 war er sogar Meister dort.