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Stimmenkauf für Rio 2016?
Bubka weist Vorwürfe zurück

 Sergei Bubka wehrt sich gegen die Bestechungsvorwürfe aus Brasilien.
Sergei Bubka wehrt sich gegen die Bestechungsvorwürfe aus Brasilien. FOTO: dpa / Pool
Rio de Janeiro. Ex-Gouverneur Cabral bestätigt Stimmenkauf vor der Abstimmung für Rio 2016. sid

Sergej Bubka brachte ganz schnell seine Anwälte in Stellung, für Alexander Popow waren all die Anschuldigungen nichts als Lügen: Die ehemaligen Sportstars haben am Freitag die Schmiergeld-Attacke aus Brasilien rund um die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro wütend zurückgewiesen. Zuvor hatte der Ex-Gouverneur der Metropole, Sergio Cabral, erstmals eingeräumt, für rund zwei Millionen US-Dollar vor der Vergabe Stimmen des IOC gekauft zu haben. Und da fielen eben auch die berühmten Namen Bubka und Popow.

„Ich werde meine Anwälte anweisen, alle zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel einzusetzen“, teilte Stabhochsprung-Legende Bubka via Twitter mit. Popow zeigte sich „extrem überrascht“, dass sein Name gefallen ist. Er habe mit Cabral „nie in Kontakt gestanden“. Zudem könne er „sagen, dass ich nicht mal für Rio gestimmt habe“, meinte Popow: „Jemand belügt hier jemanden, und das ist sehr ernst“.

Cabral, der seit 2016 im Gefängnis sitzt und wegen Korruption, Geldwäsche und Bildung einer kriminellen Vereinigung zu 198 Jahren Haft verurteilt worden war, hatte vor einem Bundesrichter ausgesagt, dass bei der Abstimmung für Rio am 2. Oktober 2009 in Kopenhagen neun der 95 Wahlberechtigten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit knapp 1,8 Millionen Euro bestochen worden sein sollen. Verantwortlich für den Stimmenkauf bei den IOC-Mitgliedern sei Lamine Diack, skandalumwitterter früherer Chef des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, gewesen. Bei der Abstimmung 2009 hatte sich Rio gegen Madrid, Chicago und Tokio durchgesetzt.



Um die Abstimmung für Rio zu beeinflussen, floss laut Cabral unter anderem Geld an Bubka, IOC-Mitglied seit 2008 und heutiger IAAF-Vizepräsident, sowie Popow. Der frühere russische Starschwimmer gehörte dem IOC zwischen 2000 und 2016 an und ist seither Ehrenmitglied. Das Geld sei von dem brasilianischen Unternehmer Arthur Soares an Papa Massata Diack, Lamine Diacks Sohn, überwiesen worden. Der Name Bubka tauchte rund um die Rio-Vergabe schon einmal wegen einer dubiosen Geldzahlung auf, die unabhängige Integritätskommission der IAAF leitete im August 2018 nach eingehender Untersuchung der Vorwürfe aber keine Schritte gegen den Ukrainer ein.

Das IOC teilte nun mit, dass die Ethikkommission den Vorwürfen von Cabral „unverzüglich nachgegangen“ sei und die von ihm genannten IOC-Mitglieder „kontaktiert“ worden seien: „Das IOC ist fest entschlossen, sich mit allen Fragen zu befassen, die vor den weitreichenden Reformen der Olympischen Agenda 2020 aufgetreten sind.“ Das 2014 beschlossene Paket soll unter anderem die Bewerbungskosten für Olympische Spiele senken und die Transparenz der Entscheidung erhöhen.