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Schwimmen
Entweder Urlaub oder EM-Ticket

Marco Koch will zeigen, was er drauf hat. „Ich fühle mich topfit und kriege meine Kraft endlich ins Wasser", sagt der Brustschwimmer.
Marco Koch will zeigen, was er drauf hat. „Ich fühle mich topfit und kriege meine Kraft endlich ins Wasser", sagt der Brustschwimmer. FOTO: dpa / Jens Dresling
Berlin. Brustschwimmer Marco Koch schwimmt in Berlin um die Fahrkarte zur Europameisterschaft.

Für Marco Koch ist es die letzte EM-Chance, für Philip Heintz, Franziska Hentke und die anderen deutschen Top-Schwimmer eine Standortbestimmung vor dem Saisonhöhepunkt in Glasgow. Bei den deutschen Meisterschaften ab dem heutigen Donnerstag bis Sonntag in Berlin braucht Brustschwimm-Ass Koch eine klare Leistungssteigerung, um doch noch zur EM zu dürfen. Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) hat dem 28-Jährigen, der die Norm verpasst hat, eine Hintertür offen gelassen. Chefbundestrainer Henning Lambertz ist sich sicher: „Er gehört noch lange nicht zum alten Eisen.“

Koch hatte über 200 Meter Brust als Weltmeister von 2015 und Vize-Weltmeister von 2013 größere Erfolge als die restlichen aktuellen deutschen Schwimmer gefeiert. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Darmstädter allerdings die Norm für den Jahreshöhepunkt verpasst, war aber dank einer Ausnahmeregelung dennoch zur WM geflogen. Dort hatte er enttäuscht. Schmetterlingsschwimmerin Hentke holte in Budapest die einzige Medaille für die Beckenschwimmer des DSV. Bei Olympia 2016 war das Team leer ausgegangen.

Damit Koch erneut in den Kader rückt, sollte am Samstag nach seinem Rennen über 200 Meter in etwa eine Zeit von 2:08,5 Minuten auf der Anzeigetafel in der Schwimmhalle im Europasportpark stehen. Koch müsste rund eine Sekunde schneller sein als zuletzt. „Körperlich hat er das dicke drauf, jetzt muss er es mental umsetzen, und das kann er“, sagte Lambertz. „Deswegen bin ich zuversichtlich.“ Koch hatte nach dem siebten Platz bei Olympia 2016 sein Training verändert und seine Ernährung umgestellt. Wenn man Sachen ausprobiert, gehöre es auch dazu, „dass es mal nicht so funktioniert, wie man sich das vorstellt“, sagte Ex-Weltklasse-Schwimmer Paul Biedermann. „Man sollte gerade Marco keinen Vorwurf machen.“ Biedermann hält die Weltrekorde über 200 und 400 Meter Freistil. Nach Olympia in Rio hatte der 31-Jährige seine Karriere beendet.



Während es für Koch also noch um sehr viel geht und auch Brust- und Lagenschwimmer Christian vom Lehn noch die Chance hat, mit einer herausragenden Leistung kurzfristig ins EM-Aufgebot zu rücken, können die anderen Sportlerinnen und Sportler die nationalen Titelkämpfe entspannter angehen. „Die meisten werden jetzt noch nicht in Topform sein“, sagt Lambertz. „Es gibt ja keine Verpflichtung mehr, irgendeine Zeit nachzuweisen oder deutscher Meister zu werden.“

Waren die deutschen Meisterschaften im vergangenen Jahr noch entscheidend für das Ticket zum Saisonhöhepunkt, setzte der DSV diesmal auf einen längeren Qualifikationszeitraum. Die Sportler sollten dadurch mehr Gestaltungsmöglichkeiten haben. „Die Form soll von allen top auf die EM ausgerichtet sein. Die deutschen Meisterschaften sind wirklich in diesem Jahr nur eine Durchgangsstation“, sagt Lambertz. Die EM findet in diesem Jahr im Rahmen der European Championships vom 2. bis 12. August statt. Ob auch Marco Koch dann um Medaillen schwimmt oder Urlaub machen kann, entscheidet sich an diesem Wochenende.

Schwimm-Bundestrainer Henning Lambertz.
Schwimm-Bundestrainer Henning Lambertz. FOTO: dpa / Maurizio Gambarini