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Auftakt in Europa League
Trauriger Start im leeren Stadion

Im November 2013 reisten 12 000 Fans von Eintracht Frankfurt nach Bordeaux und machten in Orange gekleidet die Partie an der Atlantikküste zu einem halben Heimspiel. Heute in Marseille wird das nicht passieren.
Im November 2013 reisten 12 000 Fans von Eintracht Frankfurt nach Bordeaux und machten in Orange gekleidet die Partie an der Atlantikküste zu einem halben Heimspiel. Heute in Marseille wird das nicht passieren. FOTO: dpa / Caroline Blumberg
Marseille. Vor einer Geisterkulisse in Marseille feiert Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt seine europäische Rückkehr. dpa

) Die große Rückkehr auf die europäische Bühne will sich Eintracht Frankfurt von über 65 000 ausgesperrten Zuschauern und einem Einreiseverbot für die eigenen Fans nicht vermiesen lassen. Beim Geisterspiel wartet heute (18.55 Uhr/DAZN) nicht nur eine merkwürdig einsame Kulisse auf das Team von Trainer Adi Hütter, sondern mit Vorjahresfinalist Olympique Marseille auch einer der härtesten Prüfsteine in der Europa League. „Das ist eine knackige Gruppe“, sagt Hütter: „Aber ich sehe eine Chance, und diese Chance möchten wir beim Schopf packen.“ Hütter weiß: Marseille und Lazio Rom sind echte Europa-Schwergewichte.

Der heiße Auftakt an der Mittelmeerküste ist für den deutschen Pokalsieger aber mehr als ein gewöhnliches Fußballspiel, spätestens seit diesem Dienstag. Nach den Uefa-Sanktionen gegen die Franzosen, die wegen wiederholter Vergehen zu einem Geisterspiel verdonnert wurden, dürfen Eintracht-Fans nicht einmal in die Stadt reisen. Das Aufenthaltsverbot gilt heute zwischen 8 und 24 Uhr. „Im Ergebnis sperrt man uns als völlig unbeteiligte Dritte nicht nur von einem Spiel, sondern aus einer ganzen Stadt aus. So kann das nicht weitergehen“, schimpft Vorstand Axel Hellmann. „Wir fühlen uns um einen großen Europa-Auftritt betrogen.“

Die große Party- und Reiselust, die 12 000 in orange gekleidetete Eintracht-Fans vor knapp fünf Jahren unter anderem in Bordeaux unter Beweis stellten, muss diesmal also bis zum zweiten Auswärtsspiel warten (8. November in Zypern). Sportlich hingegen will die Eintracht wie 2013 sofort da sein und in der kniffligen Gruppe mit Marseille, Lazio und Apollon Limassol für Überraschungen sorgen. „Wir haben eine geile Gruppe. Es ist gut für uns, diese Situation gemeinsam zu erleben“, sagt Mittelfeldspieler Gelson Fer­nandes. Der Schweizer kennt die Gegner bestens, hat sowohl in Italien als auch in Frankreich gespielt.



Die Eintracht um Trainer Hütter und Sport-Vorstand Fredi Bobic sieht die Europa League in erster Linie als riesige Chance und Bühne. Das Wort Dreifachbelastung gibt es in Frankfurt aus zwei Gründen nicht: Zum einen ist der Titelverteidiger im DFB-Pokal früh am SSV Ulm gescheitert, zum anderen wird der Wettbewerb nur positiv wahrgenommen. „Ihr werdet von mir nie hören, wir sind jetzt müde. Wir freuen uns riesig“, sagt Bobic.

Angst, die erhöhte Belastung wie zuletzt Freiburg und Köln mit Abstiegskampf in der Liga zu bezahlen, hat Bobic nicht. „Wir können es auch positiv sehen. Alle drei Tage spielen, das ist doch super“, sagt der ehemalige Bundesliga-Stürmer. Die Anhänger fiebern der Vorrunde entgegen, schon im Juli und damit weit vor der Auslosung wurden über 120 000 Karten für die drei Heimspiele in der Gruppenphase abgesetzt. „Der ganze Verein freut sich. Darauf hat die Mannschaft lange hingearbeitet“, sagt Hütter.

Die Euphorie im Verein überdeckt dabei auch Sorgen, die mit dem mehr als holprigen Saisonstart entstanden sind. Nach den Abgängen von vier Leistungsträgern im Sommer sind mit Timothy Chandler und Carlos Salcedo zwei weitere Stammspieler verletzt, Vize-Weltmeister Ante Rebic ist immer noch nicht einsatzfähig. „Viele sollten sich nicht mehr verletzen, das wäre wichtig“, sagt Hütter. Neben dem Personal macht dem Nachfolger von Niko Kovac auch die stockende Offensive Sorgen. Sein Team rennt und kämpft, erspielt sich aber kaum Chancen. Gegen die starken Franzosen um Stars wie Dimitri Payet, Florian Thauvin und Luiz Gustavo wird das nicht leichter.