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Ringen
Ein Weltmeister im Kuhstall

Ringer-Weltmeister Frank Stäbler (rechts) beim Training.
Ringer-Weltmeister Frank Stäbler (rechts) beim Training. FOTO: dpa / Christoph Schmidt
Musberg. Ringer Stäbler hat Krach mit seinem alten Verein und trainiert zwischen Heuballen.

Es riecht nach frischem Heu. Offene Türen geben den Blick frei auf Wiesen, Bäume und Sonnenschein. Fast alles hier wäre geprägt von ländlicher Idylle – wenn nicht mitten in diesem ehemaligen Kuhstall einer von Deutschlands besten Sportlern trainieren würde. Zwischen Heuballen und Traktoren schleudert Frank Stäbler seinen iranischen Trainingspartner auf die Matte. Hier bereitet sich der Ringer-Weltmeister auf die WM im Oktober vor.

Da, wo jetzt seine blaue Trainingsmatte liegt, hätten früher „ungefähr 110 Kühe“ gestanden, sagt der 28-Jährige. Dass er auf dem Bauernhof seiner Eltern trainiert, ist das Ergebnis eines langen Streits mit seinem Heimatclub TSV Musberg. Musberg? Es gibt in diesem Stadtteil von Leinfelden-Echterdingen viele Felder, Wälder, Wanderwege – und eben Frank Stäbler. Ein außergewöhnlicher Sportler für einen Verein mit 2200 Mitgliedern. Doch anstatt mit dem Doppel-Weltmeister zu werben, kann der seit Mitte April nur noch eingeschränkt in der TSV-Halle trainieren.

„Ich dürfte bis 16 Uhr in der Halle trainieren und dann nur einen Trainingspartner haben“, erzählt Stäbler. „Totaler Schwachsinn“ sei das. Denn zum einen müssten die meisten seiner Trainingspartner bis 19 Uhr arbeiten. Und zweitens brauche er eine Trainingsgruppe, um vernünftig arbeiten zu können. Der Verein widerspricht. „Was er behauptet, ist falsch“, sagt der TSV-Vorsitzende Joachim Beckmann: „Er kann bis auf weiteres auch abends bei uns trainieren mit zwei Trainingspartnern.“



Die Unstimmigkeiten zwischen dem TSV und seinen Ringern gibt es schon lange. Als diese 2015 mit dem KSV Musberg ihren eigenen Verein gründeten, eskalierte er. Die Ringer des KSV wollten weiter in den Sportstätten des TSV trainieren. Das lehnte der Hauptverein ab. „Der TSV Musberg ist Herr der Sportstätten. Wenn neue Vereine kommen, gilt die Regelung alt vor neu“, sagt Beckmann. Mit dem Ergebnis, dass viele KSV-Sportler nun nicht mehr in der TSV-Halle trainieren können – und Stäbler nur noch eingeschränkt.

Stäblers Weg bis in den früheren Kuhstall der Eltern ist geprägt von Streitereien mit Beckmann. Als Stäbler 2015 nach seinem ersten WM-Erfolg in Las Vegas in Leinfelden empfangen wird, lehnt er den Handschlag von Beckmann ab. Der wirft Stäbler nun vor, „seine ganzen Erfolge im TSV geschafft zu haben“, um sie dann zum KSV mitzunehmen. Eine Lösung des Streits deutet sich nicht an.

Stäbler schaut sich derweil schon nach anderen Trainingshallen in der Region um, seine Heimat verlassen will er trotz etlicher Angebote nicht. Die Situation sei suboptimal, sagt Verbands-Vizepräsident Daniel Wozniak: „Frank hat das Angebot, dass wir an einem Bundesstützpunkt für ihn was machen. Aber das wären Entfernungen, die nicht mal eben zu bewältigen sind.“