| 21:57 Uhr

Turn-EM
Die Weltmeisterin patzt bei ihrem Salto

Kim Bui wurde im Finale am Stufenbarren mit 14,20 Punkten Vierte und verpasste ihre zweite EM-Medaille nach 2011 knapp.
Kim Bui wurde im Finale am Stufenbarren mit 14,20 Punkten Vierte und verpasste ihre zweite EM-Medaille nach 2011 knapp. FOTO: dpa / Joel Marklund
Glasgow. Turnerin Pauline Schäfer aus Bierbach kommt bei den Europameisterschaften in Glasgow nach einem Absturz nur auf Platz sechs.

Pauline Schäfer lächelte gequält und schüttelte nur den Kopf. Ein von Nina Derwael aufgesprühter Wasserfleck auf dem Schwebebalken (die Belgierin turnte direkt vor Schäfer) hat die Weltmeisterin um die Chance gebracht, die erste EM-Medaille für deutsche Turnerinnen an diesem Gerät seit 31 Jahren zu erkämpfen. Nur zehn Monate nach ihrem WM-Erfolg in Montreal stürzte die 21 Jahre alte Bierbacherin gestern Nachmittag bei den European Championships in Glasgow ausgerechnet bei dem von ihr kreierten Schäfer-Salto.

Nur rund zehn Minuten später hatte sich Schäfer schon wieder gefangen und konnte sogar ein wenig lächeln. „Auch Weltmeister dürfen Fehler machen. Ich war einfach zu hektisch und habe mein Element nicht ruhig genug geturnt“, meinte sie und wollte die Schuld nicht allein bei dem Wasserfleck auf dem nur zehn Zentimeter breiten Gerät suchen, obwohl ihr Schweißband dadurch ziemlich glitschig geworden war.

Ihre Trainerin Gabi Frehse sah das schon ein wenig anders. „Ab kommendem Jahr ist es verboten, das Gerät einzusprühen. Und man darf auch nicht vergessen, sie ist im Moment die einzige Turnerin, die dieses schwierige Element anbietet“, räumte die Chemnitzerin ein.



Mit 12,40 Punkten reichte es für Schäfer somit nur zum sechsten Platz. Der Sieg ging an Olympiasiegerin Sanne Wewers aus den Niederlanden mit 13,900 Zählern. Die Belgierin Derwael (13,600) wurde Zweite, die Französin Marine Boyer (13,166) Dritte. „Natürlich hatte ich auf ein anderes Ergebnis gehofft. Und natürlich ist das sehr, sehr ärgerlich. Aber hätte, hätte – das bringt mich nicht weiter“, meinte Schäfer auf die Frage, ob sie mit einem perfekten Salto die Spitze hätte angreifen können. Eine Medaille wäre dann aber auf jeden Fall realisierbar gewesen – die erste für deutsche Turnerinnen seit EM-Bronze von Anja Wilhelm aus Wolfsburg 1987.

Dass sie im Gegensatz zur WM im vergangenen Jahr in Montreal nicht als Erste, sondern als Letzte an das Gerät musste, spielte für Pauline Schäfer keine gravierende Rolle. „Ich nehme es, wie es kommt. Und wenn ich das nächste Mal als Letzte auf den Balken muss, werde ich es eben besser machen“, gab sie sich kämpferisch: „Ab sofort zählt die Vorbereitung für die WM. Etwas anderes bleibt mir ja nicht übrig.“

Nicht ganz so nonchalant ging Wolfgang Willam über das Missgeschick seiner Vorzeigeturnerin hinweg. „Zielstellung für Pauline war ganz klar eine Medaille. Wir müssen in der Trainingsarbeit einiges optimieren“, sagte der Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes (DTB) auch mit Blick auf Rang zehn im Teamwettbewerb.

Zuvor hatte die Stuttgarterin Kim Bui bei ihren achten Europameisterschaften im Finale am Stufenbarren als Vierte mit 14,20 Punkten ihre zweite EM-Medaille nach 2011 knapp verpasst. „Ich werde das jetzt verarbeiten, morgen geht die Sonne wieder auf“, tröstete sie sich, räumte aber ein: „Ein vierter Platz tut immer weh.“ Sarah Voss aus Köln, die mit drei Abstürzen in der Qualifikation mitverantwortlich für das Verpassen des Team-Finals der Riege war, konnte über Platz vier im Sprung-Wettbewerb (14,083) lächeln. „Ich bin superzufrieden, ich habe richtig einen rausgehauen“, meinte sie strahlend.

Cheftrainerin Ulla Koch lobte trotz des medaillenlosen Auftritts den Kampfgeist ihrer Turnerinnen. „Nach so einem grauen Team-Vorkampf wieder so aufzutauchen, das nötigt Respekt ab“, meinte sie und lobte vor allen Sarah Voss für ihre sehr gelungenen Sprünge. Ansonsten blieb auch Koch nur der Blick nach vorne. „Vielleicht sieht die Welt bei der WM Ende Oktober in Doha wieder ganz anders aus“, sagte sie.