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Leichtathletik-EM in Berlin
Die Speerwerfer sind noch lange nicht satt

Die Herren der fliegenden Zigarren: Vize-Europameister Andreas Hofmann und Europameister Thomas Röhler lassen ihrer Freude freien Lauf. Die beiden Speerwerfer waren eine Klasse für sich.
Die Herren der fliegenden Zigarren: Vize-Europameister Andreas Hofmann und Europameister Thomas Röhler lassen ihrer Freude freien Lauf. Die beiden Speerwerfer waren eine Klasse für sich. FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Berlin. Thomas Röhler und Andreas Hofmann dominieren die EM in Berlin, der Weltmeister und EM-Fünfte Johannes Vetter will Revanche.

Die Party nach dem Goldrausch fiel zünftig aus. „Ich habe heute morgen in den Spiegel geschaut und mich kurz erschreckt“, meinte der neue Speerwurf-Europameister Thomas Röhler. Pünktlich zum offiziellen Medien-Termin am Freitagmorgen war der smarte Jenaer aber wieder hergerichtet und sprach über die Zukunft seiner Sportart – und die sieht nach dem Doppelsieg von Berlin rosarot aus.

„Die anderen Nationen wissen ja schon seit drei Jahren, dass mit uns immer zu rechnen ist“, sagte Röhler. Nach drei großen Titeln in Folge für die deutschen Asse deutet derzeit nichts darauf hin, dass sich an der Dominanz bei der WM 2019 und Olympia 2020 etwas ändert. „Satt sind die Jungs noch lange nicht“, sagte Bundestrainer Boris Obergföll, „dazu ist die Konkurrenzsituation einfach zu groß.“

Olympiasieger Röhler ist nun auch Europameister, der deutsche Meister Andreas Hofmann europäischer Vize, und der in Berlin mit Platz fünf enttäuschte Weltmeister Johannes Vetter brennt auf Revanche. Zudem drängt die zweite Reihe nach vorne. Röhler und Co. wollen dabei helfen, dass der Nachwuchs bei der Stange bleibt - zumal es bei der kommenden WM dank Titelverteidiger Vetter vier deutsche Startplätze gibt. „Wir sind eine Generation, die an morgen denkt. Wir wollen etwas für die Sportart tun“, sagte Röhler: „Wir haben eine extrem motivierte U20 und U18, und wir wollen die Jungs ein bisschen stärken.“



Der bemerkenswerte Teamgeist unter den drei Top-Athleten war auch im Berliner Finale zu beobachten. So waren Röhler und Hofmann im steten Dialog, vor dem letzten Durchgang holte sich der Zweitplatzierte noch Tipps vom Führenden ab. „Wir machen das im Wettkampf, wir machen das im Training, warum sollen wir jetzt damit aufhören?“, meinte Röhler: „Im Endeffekt waren wir ja hier, um einen deutschen Speerwurfsieg zu erzielen.“

Auch Obergföll tänzelt auf der dünnen Linie zwischen Teamspirit und Konkurrenzsituation. Der 44-jährige Saarländer ist nicht nur Bundestrainer, sondern auch Heimtrainer Vetters. „Natürlich ist das ein Spagat“, sagte Obergföll: „Aber ich will doch vor allem die Disziplin entwickeln, sonst mache ich meinen Job nicht richtig.“ Und so litt der Mann aus Ludweiler zwar mit „seinem“ Athleten Vetter, der überhaupt nicht in den Wettkampf fand, mehr als elf Meter hinter seinem deutschen Rekord von 94,44 Meter zurückblieb, konstatierte aber als Bundestrainer: „Wir haben das Ziel ganz klar erreicht. Wenn Johannes jetzt auch noch Bronze geholt hätte, dann wäre das eine geile Nummer gewesen, 1, 2, 3 – davon hatte ich ein paar Mal geträumt.“

Auf das Verhältnis seiner Topathleten ist Obergföll stolz, mahnt aber einen gesunden Konkurrenzkampf an. „Die sollen aber keinen Kuschelrock machen, sondern im Stadion die Schwerter auspacken, und dann wird gekämpft“, sagte Obergföll. Dass Röhler, Vetter und Hofmann im Wettbewerb eher auf Heavy Metal setzen, dessen kann sich Obergföll sicher sein. „Die stacheln sich gegenseitig an. Thomas will den deutschen Rekord sicher wieder nach Jena holen, ich will ihn mit Johannes in Offenburg halten. Und Andi holt den Rekord vielleicht nach Mannheim“, sagte Obergföll: „Und so streben wir immer weiter nach größeren Weiten. Vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem einer von ihnen Richtung Weltrekord wirft.“