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Leichtathletik-EM in Berlin
Die Leichtathletik-Nation verneigt sich

Robert Harting steht bei der EM heute im Mittelpunkt. Der 33-Jährige kämpft in der Qualifkation um einen Platz im Diskus-Finale morgen Abend. Es ist sein letzter Auftritt auf der großen Leichtathletik-Bühne.
Robert Harting steht bei der EM heute im Mittelpunkt. Der 33-Jährige kämpft in der Qualifkation um einen Platz im Diskus-Finale morgen Abend. Es ist sein letzter Auftritt auf der großen Leichtathletik-Bühne. FOTO: dpa / Bernd Thissen
Berlin. Diskus-Star Robert Harting tritt in Berlin zu seiner letzten großen Meisterschaft an. Heute steht die Qualifikation an. dpa

Robert Harting hat fast fertig. In seinem „Wohnzimmer“, dem Berliner Olympiastadion, nimmt der Diskuswurf-Olympiasieger heute (ab 9.40 Uhr/Qualifikation) seine letzte Leichtathletik-EM in Angriff. Mit 33 Jahren will er es noch einmal wissen. Das Finale im Diskuswurf steigt morgen Abend (20.20 Uhr). Die deutschen Athleten würdigen Robert Harting als Vorbild und mutigen Mahner, der einst nicht Welt-Leichtathlet des Jahres werden wollte, weil Ex-Doper Justin Gatlin auch nominiert war.

Jürgen Kessing (DLV-Präsident aus Bietigheim-Bissingen): „Der Kreis schließt sich für ihn. Er hat tolle Geschichten geschrieben. Er ist einfach ein Typ, der auffällt. Er hinterlässt sicherlich eine Lücke – doch das ist die Chance für andere. Wir haben genug Typen, die nachwachsen können. Wir müssen ihnen nur die Zeit und die Chance dazu geben.“



Christoph Harting (Diskuswurf-Olympiasieger von 2016 aus Berlin, Bruder von Robert): „Das ist eine Karriere, die alles hergegeben hat: Olympiasieg, Weltmeistertitel mehrmals, Europameistertitel. Der Mensch hat alles erreicht, was man erreichen kann im Sport. Gerade in unserer Disziplingruppe. Da wäre es einfach nur ein schöner, runder Abschluss der Geschichte, wenn die Geschichte da aufhört, wo sie angefangen hat. Er hat 2009 in Berlin angefangen und würde jetzt neun Jahre später, 2018, wieder in Berlin enden. Das klingt einfach nur rund, und das wäre einfach nur schön.“

Cindy Roleder (Hürdensprinterin aus Halle/Saale): „Robert ist für mich schon ein Vorbild. Gerade, wie er diese ganzen Jahre gemeistert hat. Oft ist er als Titelverteidiger oder als Favorit in einen Wettkampf gegangen. Und er hat diese mentale Stärke auch genutzt. Ich wünsche ihm extrem, dass er in Berlin eine hervorragende Leistung im Olympiastadion über die Bühne bringt. Robert hat gezeigt, dass er in nahezu jeder Lebenslage etwas bewegen kann. Gerade als er seine Nominierung als Welt-Leichtathlet zurückgezogen hat – das war schon eine Riesennummer von ihm.“

Julian Reus (Sprint-Rekordmann aus Erfurt): „Es tritt einer der erfolgreichsten Leichtathleten ab – auf dem Platz und neben dem Platz. Er hat ja auch die Initiative für andere Projekte ergriffen. Natürlich fehlt dann ein Athlet, der auch ganz klar seine Meinung geäußert hat. Der etwas gesagt hat, wenn ihm etwas nicht gepasst hat oder wenn die Dinge in der Leichtathletik nicht richtig gelaufen sind. Ich erinnere nur an den Fall Gatlin.“

Christopher Linke (Geher aus Potsdam): „Der Erfolg ist nebensächlich, aber Robert Harting ist eben ein Typ. Er ist für viele eine Autoritätsperson oder sogar ein Vorbild. Er ist in meinen Augen das Gesicht der Leichtathletik. Er hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, er ist eine Persönlichkeit, er setzt sich für die Athleten ein.“

Claudine Vita (Diskuswerferin aus Neubrandenburg): „Da geht auf jeden Fall eine große Persönlichkeit verloren. Robert Harting ist einfach ein Mensch, der den Mut hat, alles zu sagen. Auch wenn’s Sachen sind, die man vielleicht nicht hören möchte – aber die einfach ausgesprochen werden müssen. Und das ist einfach beeindruckend. Er hat viel für die deutsche Leichtathletik getan und war quasi auch so die Athletenstimme.“

Tatjana Pinto (Sprinterin aus Paderborn): „Es ist schon etwas Besonderes. Es wird sein letzter großer Wettkampf sein – und dann eben in seinem Wohnzimmer, wo er zum ersten Mal Weltmeister geworden ist. Der Robert ist auf jeden Fall ein spezieller Typ, ein interessanter Typ, eine Persönlichkeit. Berlin ist der beste Platz für Robert, sich zu verabschieden. Besser geht’s gar nicht.“

David Storl (Kugelstoßer aus Leipzig): „Es ist immer schade, wenn ein so großer und erfahrener Sportler geht. Die Art und Weise, wie er abtritt, ist seiner würdig. Mit der Teilnahme an der Heim-Europameisterschaft hat er gezeigt, was für ein verdienter Athlet er ist. Die Lücke, die Robert Harting hinterlässt, ist schwer zu schließen.“

Daniel Jasinski (Olympia-Dritter im Diskuswurf aus Wattenscheid): „Ich bin mir sicher, er ist eine Kampfsau: Er kann sicher noch einen auspacken! Ich drücke ihm die Daumen, es ist sein letzter Wettkampf in seiner Heimatstadt. Er hat sehr viel für die Leichtathletik gemacht. Da müssen wir erst mal einen finden, der sich wirklich in diese Rolle reinfindet. Er hatte viele Erfolge im Rücken und konnte sich deshalb auch viel erlauben. Das kann man nicht machen, wenn man nur eine oder keine Medaille gewonnen hat.“

Richard Ringer (10 000-Meter-Läufer aus Friedrichshafen): „Er ist so eine Art Galionsfigur, hat viel erreicht. Er wird der Leichtathletik unglaublich fehlen.“

Heike Drechsler (zweimalige Weitsprung-Olympiasiegerin, in Berlin als Kampfrichterin beim Weit- und Dreisprung im Einsatz): „Ich freue mich, dass er noch mal dabei ist und wünsche ihm, dass er einen guten Abschluss findet und eine Medaille holt. Er ist einfach ein guter Typ und war über viele Jahre eine große Figur in der Leichtathletik. Ich hoffe nur, dass er sich sein Knie nicht ganz kaputtmacht.“