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Fußball-Bundesliga
Die Eintracht und der Fluch des Erfolgs

Der Österreicher Adi Hütter hat keine leichte Aufgabe übernommen beim DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt, denn die vergangene Saison war außergewöhnlich erfolgreich.
Der Österreicher Adi Hütter hat keine leichte Aufgabe übernommen beim DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt, denn die vergangene Saison war außergewöhnlich erfolgreich. FOTO: dpa / Arne Dedert
Frankfurt. Dem DFB-Pokalsieger sind wichtige Säulen weggebrochen. Am Sonntag geht es im Supercup gegen Meister FC Bayern. sid

Der Trainer weggekauft, der Torhüter weitergezogen, der Taktgeber ausgewandert: Mit aller Brutalität hat Eintracht Frankfurt in diesem Sommer den Fluch des Erfolgs zu spüren bekommen. Vor dem Supercup gegen Bayern München befindet sich der DFB-Pokalsieger in einem komplizierten Umbruch – und hofft, dass wenigstens eine Säule der Vorsaison bleibt.

„Über die Qualität von Ante Rebic brauchen wir nicht diskutieren, die hat er schon oft genug bewiesen“, sagt der neue Trainer Adi Hütter. Unter anderem im Pokalendspiel gegen die Bayern, als der 24-Jährige sein Team mit zwei Treffern zum ersten Titel seit 30 Jahren, in die Europa League und eben den Supercup an diesem Sonntag (20.30 Uhr/ZDF) schoss.

Gerade für Hütter, der an diesem Tag seinen Vorgänger und Erfolgstrainer Niko Kovac aufseiten der Bayern in der Frankfurter WM-Arena begrüßen wird, wäre ein Verbleib des kroatischen WM-Stars immens wichtig. Denn Hütter will offensiv und aggressiv spielen, „und Ante“, so die Einschätzung des Österreichers, „ist jemand, der in diese Systematik super passen würde“.



Trotz lukrativer Angebote aus dem Ausland bereitete sich Rebic deshalb seit Mittwoch intensiv auf den Hit gegen den Rekordmeister vor. Der Angreifer strotzte förmlich vor Selbstvertrauen, als er bei seinem ersten Auftritt nach der erfolgreichen WM die Bälle im Tor versenkte. „Wir wissen, wie wichtig er für die Mannschaft ist“, sagt Mittelfeldspieler Marco Fabian, der trotz der beiden Testspiel-Niederlagen im jüngsten Trainingslager meint: „Es ist möglich, dass wir uns noch einmal durchsetzen werden. Die Mannschaft wächst zusammen.“ Ob das aber reicht?

Den Verlust der „absoluten Schlüsselspieler“, wie Hütter Torwart Lukas Hradecky (Bayer Leverkusen) oder Kevin-Prince Boateng (Sassuolo Calcio) bezeichnet, haben die Verantwortlichen noch nicht kompensieren können. Die Neuzugänge überzeugten in der Vorbereitung wenig – und Nicolai Müller, der prominenteste Neue, ist verletzt.

Die Zweifel an der Qualität des Kaders könnten mit einer klaren Niederlage gegen die Bayern und Ex-Trainer Kovac neue Nahrung erhalten. In gewisser Weise wird die Partie, die in mehr als 200 Ländern gezeigt wird, ein Gradmesser. Auch wenn Hütter auf Zeit spielt. „Der Umbruch ist ein laufender Prozess, der Zeit benötigt“, sagt der 48-Jährige, der mit den Hessen in der Woche nach dem Supercup im DFB-Pokal beim SSV Ulm und wiederum eine Woche später zum Ligastart beim SC Freiburg antreten wird.

Spätestens bis dahin müssen die Rädchen besser ineinandergreifen, denn abgesehen vom Personal könnte der Erfolg aus dem Vorjahr auch durch den Tanz auf drei Hochzeiten böse Auswirkungen haben. „Man muss im Kopf haben, dass die Europa League manchen Mannschaften zum Verhängnis geworden ist“, sagt Kapitän David Abraham: „Wir müssen vorsichtig sein und die warnenden Beispiele ernst nehmen.“

Der Verbleib von Stürmer Ante Rebic ist nach wie vor offen.
Der Verbleib von Stürmer Ante Rebic ist nach wie vor offen. FOTO: dpa / Chen Yichen