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Fußball-Bundesliga
Die Begnadigung hat sich ausgezahlt

59 Pflichtspiele hat Thilo Kehrer für den FC Schalke 04 bestritten. Nun wechselt der 21-Jährige voraussichtlich für 37 Millionen Euro zum französischen Topclub Paris St. Germain.
59 Pflichtspiele hat Thilo Kehrer für den FC Schalke 04 bestritten. Nun wechselt der 21-Jährige voraussichtlich für 37 Millionen Euro zum französischen Topclub Paris St. Germain. FOTO: dpa / Tim Rehbein
Paris. Der Schalker Thilo Kehrer steht offenbar kurz vor einem Wechsel zu Paris St. Germain. sid

Es gab eine Phase, in der wäre Thilo Kehrers Karriere beinahe beendet gewesen, bevor sie so richtig angefangen hatte. 2015 war das, als der damals 18-Jährige während der Saisonvorbereitung der Königsblauen unentschuldigt fehlte und stattdessen lieber in Italien zu Wechsel-Verhandlungen mit Inter Mailand und dem AS Rom weilte. Diese scheiterten. Glück für Kehrer: Schalke nahm die darauffolgende reumütige Entschuldigung des Teenagers an.

Heute, drei Jahre später, dürfte Kehrer sehr froh sein, dass der Verein die Tür nicht endgültig zugeschlagen und ihm eine zweite Chance gegeben hat. Über das U23-Team kämpfte sich der Defensiv-Allrounder erst zurück in den Profi-Kader und anschließend ins Rampenlicht. Seine Leistungen, vor allem in der vergangenen Saison, überzeugten auch Thomas Tuchel, der Kehrer nun für angeblich 37 Millionen Euro zum französischen Meister Paris St. Germain lotsen will.

Für den damit teuersten Verteidiger der Bundesliga ist der Wechsel in die französische Hauptstadt die Chance, den nächsten großen Schritt zu machen und seine ersten Titel auf Vereinsebene zu feiern. Bei den Schalkern hatte Kehrer unmittelbar vor seinen geplatzten Italien-Fantasien die A-Junioren als Kapitän zur Meisterschaft geführt. Nach seiner Rehabilitation überzeugte er in insgesamt 59 Pflichtspielen für die Gelsenkirchener.



Sein neuer Vertrag in der französischen Hauptstadt ist noch nicht unterschrieben, doch nach dem obligatorischen Medizincheck stößt Kehrer zu seinen neuen Teamkollegen, die Neymar, Edinson Cavani oder Gianluigi Buffon heißen. Und er trifft in Julian Draxler einen weiteren Spieler, der in der Schalker Knappenschmiede ausgebildet wurde. Was Kehrers Transfer für den angedachten Wechsel von Jérôme Boateng vom FC Bayern zu PSG bedeutet, ist noch unklar. Zumal PSG die Personalie Kehrer noch nicht bestätigt hat.

Dafür aber Schalkes Sportvorstand Christian Heidel, der den Stammspieler ziehen lässt. „Thilo Kehrer hat sich absolut korrekt und überaus loyal gegenüber dem Verein verhalten“, sagte Heidel: „Die wirtschaftliche Dimension, sprich die Ablösesumme für einen Spieler, dessen Vertrag bei uns im nächsten Jahr ausgelaufen wäre, haben uns dazu bewegt, diesen Wechsel zu befürworten.“ Die Begnadigung vor drei Jahren hat sich also auch für den Verein bezahlt gemacht.