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Druck auf deutsche Handballer
Der Kuschelkurs vor der WM ist beendet

Bob Hanning, der Vizepräsident Sport des Deutschen Handball-Bundes, fordert von den Nationalspielern die volle Fokussierung auf eine erfolgreiche Weltmeisterschaft im eigenen Land.
Bob Hanning, der Vizepräsident Sport des Deutschen Handball-Bundes, fordert von den Nationalspielern die volle Fokussierung auf eine erfolgreiche Weltmeisterschaft im eigenen Land. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Hamburg. Der Deutsche Handball-Bund erhöht elf Wochen vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land den Druck auf seine Nationalspieler. sid

Mehr Leistung, mehr Leidenschaft, mehr Erfolg: Mit deutlichen Worten schwört Bob Hanning die deutschen Handballer auf die heiße Phase der WM-Vorbereitung ein. Die Zeit der Nebenkriegsschauplätze sei vorbei, mahnt der Vizepräsident Sport des Deutschen Handball-Bundes vor dem anstehenden Start in die EM-Qualifikation mit den Länderspielen gegen Israel und den Kosovo.

„Ich fordere von der Mannschaft und von uns allen drumherum eine hundertprozentige Bereitschaft für den sportlichen Erfolg – und keine Romantik“, sagt Hanning: „Wir sollten durchziehen und uns voll auf die 40x20 Meter des Spielfeldes fokussieren. Das täte uns allen gut.“

Gut elf Wochen vor der WM im eigenen Land hat Hanning Redebedarf. Die harsche Kritik einiger Spieler am Terminkalender und der folgende Streit mit den Funktionären haben dem Leistungssport-Chef der Nationalmannschaft nicht sonderlich gefallen. Abwehrchef Hendrik Pekeler vom THW Kiel hatte es vor knapp zwei Wochen tatsächlich gewagt, die hohen Belastungen für Profis in der Bundesliga öffentlich anzuprangern und seine Sorgen um die Gesundheit der Spieler zum Ausdruck zu bringen. „Hier wird schon lange nicht mehr im Interesse der Sportler, sondern nur der Funktionäre entschieden“, hatte Pekeler gesagt und musste sich daraufhin – obwohl die Kritik nicht neu ist – heftige Reaktionen von Verbandsseite gefallen lassen. Auch jetzt noch einmal von Hanning. Statt um die für den deutschen Handball so wichtige WM gehe es viel zu sehr um Themen abseits des Feldes. „Solche Dinge sind so kurz vor einer WM im eigenen Land nicht zielführend“, sagt Hanning.



Nach zwei neunten Plätzen bei den letzten Großturnieren gibt Hanning den Handballern ordentlich Feuer. Die Unstimmigkeiten zwischen Mannschaft und Bundestrainer Christian Prokop seien „sehr ehrlich miteinander analysiert und besprochen“ worden, nun nimmt er die Profis in die Pflicht. Denn Fakt sei, „dass unsere Spitzenspieler in ihren Vereinen zurzeit nicht stabil ihre Leistung abrufen. Es sind längst nicht alle in Topform“, einige kämen momentan kaum bis gar nicht zum Einsatz.

„Ich möchte, dass die Spieler mehr in die Verantwortung gehen und die Situation so annehmen, wie sie ist“, sagt Hanning. Die aktuelle Lehrgangswoche müsse man nutzen, um sich gemeinsam auf das große Ziel einzuschwören: „Auf dem Spielfeld, aber auch daneben.“ Deutschland habe bei jedem Turnier die Chance, Erster zu werden: „Wir können aber auch Zehnter werden. Das Resultat bestimmen stets wir. Und zwar wir alle, nicht ein Einzelner.“

Auch ohne Hannings scharfe Rhetorik liefert der Auftakt der EM-Qualifikation genug sportlichen Anreiz. So sind die Partien am heutigen Mittwoch gegen Israel in Wetzlar (19 Uhr/im ZDF-Livestream) und am Sonntag gegen den Kosovo in Pristina (19.30 Uhr/bei sportdeutschland.tv) wichtige Bausteine in Prokops WM-Casting, sind sie doch die letzten Pflichtspiele vor dem Höhepunkt im Januar. Sorgen bereitet in erster Linie die Position des Spielmachers. So wurde für die Qualispiele mit Europameister Martin Strobel sogar ein Zweitligaspieler reaktiviert. Der 32-Jährige ist seit 2013 bei HBW Balingen und mit dem Club 2017 in die 2. Liga abgestiegen. Ebenfalls im Kader steht Tim Suton (TBV Lemgo), Yves Kunkel (MT Melsungen) bleibt dagegen weiterhin außen vor.

Nicht zuletzt geht es für Kapitän Uwe Gensheimer und Co. aber auch darum, mit beherzten Auftritten eine WM-Euphorie loszutreten. Bislang spielt das Turnier in der öffentlichen Wahrnehmung nämlich noch keine große Rolle. „Unsere Torhüter Silvio Heinevetter und Andi Wolff haben das Potenzial, zu den Gesichtern der WM zu werden“, sagt Hanning. Doch auch Typen wie Matthias Musche, ein wesentlicher Faktor des Magdeburger Höhenflugs in der Bundesliga (20:2 Punkte) und der Kieler Kreisläufer Patrick Wiencek könnten die Menschen begeistern: „Durch sportliche Leistung, aber eben auch durch ihre Emotionalität und ihr sympathisches, unverstelltes Auftreten.“

Was Hanning sportlich von den Länderspielen erwartet? „Mit Verlaub, zwei Siege sind absolute Pflicht“, sagt der 50-Jährige: „Über Resultate sollten wir uns angesichts dieser Gegner nicht unterhalten.“ Hanning erhöht den Druck. Denn die WM muss ein Erfolg werden.