| 22:40 Uhr

Ruder-WM in Bulgarien
Das Traumschiff bleibt auf Kurs

Erschöpft, aber glücklich: Die Besatzung des Deutschland-Achters feiert nach dem Zieleinlauf die Titelverteidigung bei der WM.
Erschöpft, aber glücklich: Die Besatzung des Deutschland-Achters feiert nach dem Zieleinlauf die Titelverteidigung bei der WM. FOTO: dpa / Darko Vojinovic
Plowdiw. Deutschland-Achter verteidigt seinen Titel bei der WM in Bulgarien. sid

Schlagmann Hannes Ocik rang kurz nach Luft, dann ließ er seiner Freude freien Lauf: Der Deutschland-Achter ist im heißen und windigen Plowdiw mit einer Glanzleistung erneut zu WM-Gold gestürmt. Neuling Oliver Zeidler verpasste dagegen im Einer die Krönung seiner Blitz-Karriere und musste sich nach einem Fehlstart mit Rang sechs begnügen.

Verlass war einmal mehr auf das deutsche Paradeboot: Bei Temperaturen von 28 Grad im Schatten bewies der Achter seine Vormachtstellung. Das deutsche „Traumschiff“ gewann vor Australien und Olympiasieger Großbritannien und schrieb Geschichte: Erstmals holte ein DRV-Achter in unveränderter Besetzung zwei WM-Titel in Folge. Gleich nach dem Start setzte sich die deutsche Crew an die Spitze und baute den Vorsprung kontinuierlich aus. Das DRV-Flaggschiff ist damit seit zwei Jahren in Finalrennen unbesiegt und liegt zwei Jahre vor Olympia in Tokio voll auf Kurs. „Das war sehr souverän, sehr stark. Wir sind schnell gestartet und nie in Bedrängnis geraten. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft“, sagte Bundestrainer Uwe Bender.

Ruder-Neuling Oliver Zeidler hatte zuvor dagegen eine Überraschung klar verpasst. Der 22-Jährige kam beim Sieg von Europameister Kjetil Borch (Norwegen) nach einem verpatzten Start auf Rang sechs, lieferte insgesamt aber ein starkes WM-Debüt ab. Der Ingolstädter war erst vor zwei Jahren vom Schwimmen zum Rudern gewechselt. „Ich bin schief losgefahren und habe eine Leine berührt. Das ist schade, denn ich bin mit einer Form angereist, mit der ich hätte Weltmeister werden können. Aber bei diesen windigen Bedingungen fehlt mir die Erfahrung, da kann ich mit den großen Jungs nicht mithalten“, sagte Zeidler.



Am Samstag hatte der Doppelvierer der Frauen Silber gewonnen. Mit insgesamt zwei Medaillen in den 14 olympischen Klassen durfte der DRV nicht zufrieden sein, auch wenn der Verband bei der WM 2017 und EM 2018 sogar nur eine Medaille geholt hatte. Zu den ersten Gratulanten des Frauen-Quartetts hatte IOC-Präsident Thomas Bach gehört. Der Vierer hätte „die Silbermedaille wirklich genossen wie Gold“, sagte Bach nach dem Ruder-Krimi von Marie-Catherine Arnold, Carlotta Nwajide, Franziska Kampmann und Frieda Hämmerling. „Wir haben bis zum Umfallen gekämpft – bis zum letzten Schlag“, sagte Arnold, die zugab: „Gegen die Polinnen war heute kein Kraut gewachsen.“