| 21:13 Uhr

Seehofer billigt mehr Mittel
Überraschend warmer Geldregen aus Berlin

Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, muss gar nicht mehr so skeptisch dreinblicken.
Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, muss gar nicht mehr so skeptisch dreinblicken. FOTO: dpa / Tobias Hase
Berlin. Der deutsche Spitzensport wird 2019 vom Bund mit bis zu 80 Millionen Euro zusätzlich alimentiert. sid

Horst Seehofer bleibt in Sachen Sport ein Phantom. Selten äußert sich der Bundesinnenminister öffentlich zu sportpolitischen Fragen. Hinter den Kulissen laufen die Drähte aber heiß. Auch seinem guten Verhältnis zu DOSB-Präsident Alfons Hörmann ist es wohl zu verdanken, dass die Förderung des Spitzensports im Jahr 2019 enorm anzieht.

Knapp 200 Millionen Euro gibt der Bund derzeit pro Jahr für den Spitzensport aus. Erst im Juni war dieser Etat um 23,3 Millionen Euro erhöht worden. Jetzt soll es zu einem weiteren Aufschlag um bis zu 80 Millionen Euro kommen – „ein gewaltiger Aufwuchs“, wie Sportpolitiker Detlev Pilger (SPD) meinte. Die endgültige Entscheidung fällt am 8. November im Deutschen Bundestag.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte laut Medienberichten sogar eine Steigerung von 114 Millionen Euro gefordert. Doch da wollte selbst der spendable Minister nicht mitgehen, obwohl CSU-Politiker Seehofer schon vor Wochen gesagt hatte, dass sich die Höhe des Mittelaufwuchses „schon in der Nähe von dem bewegen“ sollte, was der DOSB fordert“.



Die neue Harmonie zwischen Sport (DOSB) und Politik (BMI) war noch vor Monaten bei anderer personeller Besetzung im Ministerium undenkbar. Doch unter Seehofer ist das BMI offenbar der Meinung, dass der DOSB im Rahmen der Reform das viele Geld zu Recht beantragt habe. Zunächst hatte die Reform zur Förderung des Spitzensports samt ihres umstrittenen Potenzialanalysesystems (PotAS) viele Verbände und Athleten abgeschreckt.

DOSB-Präsident Hörmann ist mit der jüngsten Entwicklung einverstanden, lobt die gute Kooperation mit dem Ministerium. „Wir arbeiten seit vier Jahren sehr partnerschaftlich und konsequent an der gemeinsamen Leistungssportreform“, sagte Hörmann. Zum gewaltigen Mittelaufwuchs wolle er sich aber erst äußern, wenn das laufende parlamentarische Verfahren beendet ist.

Während Seehofer in den letzten Tagen wieder wenig Zeit für den Sport hatte und stattdessen das desaströse Ergebnis seiner CSU bei der Bayern-Wahl moderieren musste, ergriff sein Staatssekretär Markus Kerber das Wort und betonte erneut die Wichtigkeit der Reform, die dem deutschen Sport bei Groß-Events wieder mehr Medaillen einbringen soll. Es gehe bei der Reform darum, „den deutschen Sport für die Athleten und die Trainer an die veränderten Umfeldbedingungen im internationalen, globalen Sport anzupassen“, sagte Kerber dem Deutschlandfunk, um gleichzeitig „mit demselben Aufwand und mit einer höheren medizinischen und wissenschaftlichen Unterstützung mehr Medaillen“ zu holen.

Eine klar erfolgsorientierte Ausrichtung, die das BMI da vorgibt. Das Ministerium ist der Meinung, dass Leistung und Auftreten deutscher Spitzensportler zum Ansehen Deutschlands in aller Welt beitragen. Zudem seien die Athleten „eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Sport seine soziale und integrative Kraft entfalten“ könne.

Erfreulich ist, dass der Bund mit Blick auf das Jahr 2019 auch politisch umstrittene Projekte wie die Sportlervertretung Athleten Deutschland unterstützen wird. 450 000 Euro soll der vom DOSB losgelöst arbeitende Verein erhalten, wie Eberhard Gienger, sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ankündigte. Dabei hatte sich die CDU lange dagegen gesträubt, die Unabhängigkeit des oft kritisch auftretenden Vereins zu unterstützen. Doch nun ist auch dafür Geld da.