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Ski alpin
Ein Unbekannter wird zur WM-Hoffnung

 Anton Tremmel fiebert seinem Einsatz bei der WM in Åre entgegen. Die deutsche Mannschaft will heute um die Medaillen mitfahren.
Anton Tremmel fiebert seinem Einsatz bei der WM in Åre entgegen. Die deutsche Mannschaft will heute um die Medaillen mitfahren. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Åre. Der 24-jährige Anton Tremmel ist ein wichtiges Mitglied für das Team-Event – davon erfahren hat er aus den Medien. dpa

Von seinem Ticket zu den Weltmeisterschaften nach Åre erfuhr Anton Tremmel aus den Medien. Der 24 Jahre alte Skirennfahrer vom SC Rottach-Egern war überrascht, schließlich hat er im Weltcup nur ein Ergebnis vorzuweisen, einen 27. Rang im Slalom. Im Europacup wurde er am 1. Februar – zwei Tage vor der WM-Nominierung – in einem Parallel-Slalom Zweiter. Und Herren-Cheftrainer Mathias Berthold entschied wegen der Schulterverletzung von Stefan Luitz und den vielen Baustellen bei Felix Neureuther: Den brauche ich.

Vielleicht ist also ein bislang unbekannter Bayer der entscheidende Faktor für die erste deutsche Medaille bei dieser WM in Schweden. „Mich freut es, dass Toni dabei ist. Weil ich glaube, dass er ein extrem starker Mann ist für das Team-Event. Mit der Mannschaft können wir relativ weit kommen“, sagte Linus Straßer über den Mann, den Berthold erst auf dem Handy nicht erreichte und der dann seinerseits vergaß, den Anruf zu erwidern.

Auch Straßer hat mit den Resultaten im Weltcup in diesem Winter eigentlich keine Argumente für eine WM-Nominierung geliefert – zählt im Parallel-Slalom und damit auch im Team-Event aber dennoch zu den stärksten Fahrern der Welt. Vor zwei Jahren holte Straßer seinen bislang einzigen Weltcup-Sieg im Parallel-Format. Ohne Neureuther in dessen schwerer Comeback-Saison und Luitz, der wegen einer zuletzt ausgekugelten Schulter geschont wird, sind Straßer und Tremmel am heutigen Dienstag (16 Uhr/ZDF und Eurosport) im Team gesetzt. Dominik Stehle ist der Ersatzmann. Bei den Frauen sind Christina Geiger und Lena Dürr als Stammbesetzung vorgesehen, Marlene Schmotz als Option. Dürr hat wie Straßer ihren einzigen Weltcup-Sieg in einem City Event errungen.



City Events werden wie das Team-Event als Parallel-Slalom gefahren, also mit Riesenslalom-Toren und kurzen Abständen dazwischen. 2018 war das Format erstmals olympisch, Deutschland schied in Pyeongchang im Viertelfinale gegen die späteren Sieger aus der Schweiz aus. Die Eidgenossen zählen wie Weltmeister Frankreich, Gastgeber Schweden und Österreich zu den stärksten Teams. Die deutsche Mannschaft rechnet sich aber etwas aus. „Ich denke wirklich, dass wir eine Chance haben, um die Medaillen mitzukämpfen“, sagte die formstarke Geiger: „Man darf uns nicht abschreiben, da ist wirklich alles möglich.“

Straßer und Tremmel profitieren auch von ihrer Körpergröße. Dadurch können sie direkter als kleinere Athleten auf die Tore zufahren und diese einfach mit beiden Händen wegboxen. „Wenn die Kurssetzung direkt ist, muss man so fahren, um schnell zu sein“, sagte Tremmel.

Ansonsten ist von dem zurückhaltenden jungen Mann bei der ersten Pressekonferenz seiner Karriere nicht viel zu hören, tonangebend sind Straßer und Dürr, die routiniertesten Parallel-Slalom-Fahrer. Doch für die erhoffte Medaille ist er womöglich der entscheidende Faktor – danach würden ihn dann auch ein paar Menschen mehr kennen.