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Fußball-Bundesliga
Der Mann für gewisse Situationen ist zurück

Claudio Pizarro lief am Montag gegen Venlo erstmals für seinen alten, neuen Club Werder Bremen auf.
Claudio Pizarro lief am Montag gegen Venlo erstmals für seinen alten, neuen Club Werder Bremen auf. FOTO: dpa / Carmen Jaspersen
Bremen. Werder Bremen präsentiert zum fünften Mal in seiner Karriere Stürmer Claudio Pizarro als Neuzugang.

Ein paar Falten zeichnen sich auf der Stirn und um die Augen ab, aber schließlich ist Claudio Pizarro ja auch schon fast 40 Jahre alt. Wenn der Altmeister allerdings lächelt, sieht der Peruaner immer noch so aus wie der Lausbub mit dem Torriecher, den die Fans von Werder Bremen in ihr Herz geschlossen haben. Und jetzt haben sie ihn wieder, ihren Liebling: Pizarro kehrt für diese Saison zum vierten Mal zu Werder zurück.

„Bremen ist eine total charmante Stadt, und ich fühle mich hier wohl. Die Fans lieben mich sehr – das freut mich“, sagte Pizarro gestern bei seiner Vorstellung. Doch der Peruaner ist nicht nur wegen der Romantik wieder da. „Ich hoffe, dass wir wieder europäische Spiele erreichen“, sagte Werders Rekordtorschütze: „Wir haben eine sehr gute Mannschaft. Einige kenne ich ja bereits von früher. Ich bin mir sicher, dass wir in dieser Saison viel erreichen können.“ Zuletzt spielten die Grün-Weißen aber vor allem gegen den Abstieg.

Den Abstieg musste Pizarro beim 1. FC Köln erleben. Mit Werder, seiner alten Liebe, soll wieder alles besser werden. Und dafür will Pizarro mit vollem Einsatz sorgen. Er hat nicht mehr die Spritzigkeit von einst, aber der Angreifer ist ein Schlitzohr mit Torriecher, der weiß, wie es geht. Und mit seiner Erfahrung soll Pizarro junge Angreifer wie Johannes Eggestein oder Josh Sargent dahin führen, wo er selber schon einmal war. So lautet zumindest der Plan der Clubführung.



„Ich mag es, den jungen Spielern zu helfen. Ich fand es selbst auch immer sehr gut, von erfahreneren Spielern Unterstützung und Tipps zu bekommen“, sagte Pizarro, der erstmals 1999 das Werder-Trikot trug und 2008, 2009 sowie 2015 zurückkehrte: „Das möchte ich zurückgeben.“ Nach seinem Kurzeinsatz am Montag im Test gegen VVV Venlo (1:1) schrieb die Kreiszeitung Syke bereits: „Pizarro schon im Papa-Modus“. Doch allein mit seiner Vaterrolle will sich Pizarro nicht zufriedengeben – er hat einfach Lust auf Fußball. „Es ist leicht, mich selbst zu motivieren. Ich brauche nur einen Ball und das Spiel“, sagte er. Fit gehalten in der Sommerpause hatte sich Pizarro auf Mallorca und in Garmisch-Partenkirchen beim ehemaligen Bremer Athletik-Trainer Yann-Benjamin Kugel.

Nach der Saison dürfte „Pizza“ die Fußballschuhe endgültig an den Nagel hängen. „Ich glaube, es ist mein letztes Jahr“, sagte der 39 Jahre alte Peruaner: „Irgendwann ist auch mal genug. Ich lebe jetzt erstmal ein Jahr ohne Familie hier. So etwas ist auch nicht so einfach.“ Pizarro ist mit 192 Toren der derzeit beste ausländische Torjäger der Bundesliga-Geschichte.

Trainer Florian Kohfeldt, vier Jahre jünger als Pizarro, wird den Altmeister vor allem als Backup-Stürmer einsetzen. Der Trainer entscheide, sagte Pizarro. Auch mit 39 Jahren fühle er sich „gut“, vielleicht gehe es mit „der Erholung ein bisschen langsam, aber sonst ist alles wie früher“. Kohfeldt freut sich über den Coup. „Die anderen Spieler profitieren von ihm“, sagte er. Seine neue Nummer 4 sei ein Mann für „gewisse Spielsituationen, für die letzten zehn, 15 Minuten, wenn wir viel im Strafraum sind.“ Und da fühlt sich Pizarro auch mit fast 40 immer noch am wohlsten. Auch Geschäftsführer Frank Baumann hält die Rückkehr von Pizarro, mit dem er drei Jahre gemeinsam auf dem Spielfeld stand, für eine gute Idee: „Wir sind der Meinung, dass wir den Spagat schaffen, Claudios Fähigkeiten zu nutzen, ohne dass wir unsere jungen Spieler in ihrer Entwicklung blockieren.“

Claudio Pizarro ist – schon wieder – zurück bei Werder Bremen. 2019 will der 39-jährige Peruaner seine Karriere aber endgültig beenden.
Claudio Pizarro ist – schon wieder – zurück bei Werder Bremen. 2019 will der 39-jährige Peruaner seine Karriere aber endgültig beenden. FOTO: dpa / Carmen Jaspersen