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DHB-Pokal
Der ewige Alfred auf Abschieds-Tour

Am Ende der jetzt beginnenden Handball-Saison wird sich Trainer Alfred Gislason vom THW Kiel verabschieden – nach elf Jahren.
Am Ende der jetzt beginnenden Handball-Saison wird sich Trainer Alfred Gislason vom THW Kiel verabschieden – nach elf Jahren. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Kiel. Trainer Alfred Gislason verlässt den Handball-Rekordmeister THW Kiel – muss aber zuerst einen Titel holen. sid

Alfred Gislason lässt sich nichts anmerken. Seine Mimik? Gewohnt grimmig. Die Gestik? Wild entschlossen. Der Tonfall? Unaufgeregt. Wie eh und je. Und doch ist vor dem Pflichtspiel-Auftakt der neuen Handball-Saison alles anders. Der ewige Gislason ist beim THW Kiel bald Geschichte – an diesem Samstag beginnt seine Abschiedstournee.

„Ich glaube schon, dass es schwierig sein wird gegen Ende der Runde, wenn man dann realisiert: Es waren elf Jahre, die zu Ende gehen“, sagt Gislason: „Aber bis jetzt gibt es nur Vorfreude auf die Saison und was kommen kann.“ Und kommen soll viel in diesem, seinem letzten Jahr als Trainer des deutschen Rekordmeisters – und die Chancen dafür stehen gut. Dank hochkarätiger Neuzugänge gilt der THW nach Jahren des schmerzhaften Umbruchs als Meisterschafts-Favorit Nummer eins, und auch im Europacup und DHB-Pokal startet der Branchenprimus mit großen Ambitionen.

„Mein Gefühl ist sehr gut. Es gibt eine neue Aufbruchstimmung. Das merkt man schon“, sagt Gislason. Nicht nur in Angriff und Abwehr habe man „sehr große Qualität“ dazugewonnen, „auch charakterlich“. Eine erste Kostprobe ihrer (neuen) Stärke geben Gislason und sein Starensemble in der ersten Pokalrunde am Wochenende in Göttingen. Am Samstag geht es dort im Rahmen eines Viererturniers zunächst gegen den inzwischen zweitklassigen Altmeister TuSEM Essen, am Sonntag im Falle eines Sieges vermutlich gegen Bayer Dormagen.



Doch bei aller Vorfreude und guten Gefühlen ist der Druck auf den isländischen Erfolgstrainer nach drei Jahren ohne Meistertitel nicht von der Hand zu weisen. „Wir hoffen alle, dass wir ihn mit einer sehr erfolgreichen Saison verabschieden können“, sagt Kiels sportlicher Leiter Viktor Szilagyi.

Top-Neuzugang Hendrik Pekeler, der ebenso wie Harald Reinkind von den Rhein-Neckar Löwen gekommen ist, wird da konkreter. „Klar würde man Alfred gerne einen Titel zum Abschied schenken“, sagt der Nationalspieler, „aber das ist immer leichter gesagt als getan. Wir werden unser Bestes geben.“ THW-Geschäftsführer Thorsten Storm meint trocken: „Der THW Kiel steht auf Angriff.“

Gislason, inzwischen 58 Jahre alt und dienstältester Bundesliga-Trainer, ist in den kommenden Wochen und Monaten in doppelter Mission gefordert. Zum einen soll er die Mannschaft zurück an die nationale Spitze führen, zum anderen soll er Filip Jicha in dessen zukünftige Aufgabe einarbeiten. Der ehemalige Welthandballer und THW-Kapitän soll 2019 schließlich Gislasons Erbe antreten. „Mein Wunsch ist, dass er nach der Saison bereit ist. Und das wird er auch sein“, sagt Gislason über seinen neuen Co-Trainer. Damit Jicha das ist, hat er dem Tschechen besondere Befugnisse erteilt. „Er hat größere Aufgaben als jemals ein Co-Trainer von Alfred vorher“, sagt Szilagyi. So kümmert sich Jicha schon jetzt federführend um die Kieler Defensive. Der Abschied Gislasons hat begonnen. 

Lange Zeit gab Alfred Gislason (Mitte) bei den Zebras den Takt vor. Nun soll er in seiner finalen Saison Nachfolger Filip Jicha einarbeiten.
Lange Zeit gab Alfred Gislason (Mitte) bei den Zebras den Takt vor. Nun soll er in seiner finalen Saison Nachfolger Filip Jicha einarbeiten. FOTO: dpa / Jens Wolf