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Fußball-Bundesliga
Der Bayern-Boss bläst zum Angriff

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge macht sich Sorgen um die Zukunftsfähigkeit der Fußball-Bundesliga.
Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge macht sich Sorgen um die Zukunftsfähigkeit der Fußball-Bundesliga. FOTO: dpa / Andreas Gebert
München. Karl-Heinz Rummenigge will mit dem FC Bayern München in der Champions League um den Titel spielen. Der Vorstandschef der Bayern zeichnet ein düsteres Zukunftsbild der Bundesliga.

Karl-Heinz Rummenigge hat die USA-Reise des FC Bayern im Angriffsmodus beendet. Ein Champions-League-Sieg „in naher Zukunft“ steht ganz oben auf dem Wunschzettel des Vorstandsbosses, um den deutschen Fußball-Rekordmeister im globalen Wettbewerb mit finanzstarken Topclubs wie Real Madrid, Paris Saint-Germain oder Manchester City in der Spitze halten zu können. „Auf dieser Reise hat man einmal mehr festgestellt, welchen Stellenwert die Champions League international hat. Wir werden versuchen anzugreifen“, sagte der 62-Jährige. In den vergangenen fünf Jahren scheiterte der FC Bayern in dem Wettbewerb gleich vier Mal im Halbfinale.

Mit der Formulierung „großer Ziele“ in allen drei Wettbewerben und „insbesondere der Champions League“ erhöhte Karl-Heinz Rummenigge zwangsläufig den Druck auf Niko Kovac. Dem neuen Trainer, „ein frischer Bursche, der den Job innovativ interpretiert“, versicherte er die „totale Unterstützung“ des ganzen Clubs.

Total in die Pflicht nimmt Rummenigge die Nationalspieler, die in dieser Woche zur Mannschaft stoßen. Von Thomas Müller, Mats Hummels und Kollegen erwartet er „in diesem Jahr Vollgas“. Denn sie würden doch bestimmt „die Scharte von Russland vergessen machen wollen“. Auch Kovac verspricht sich nach den Niederlagen in Amerika gegen Juventus Turin (0:2) und Manchester City (2:3) einen Leistungsschub mit den WM-Teilnehmern um Manuel Neuer, den er als Teamkapitän des FC Bayern bestätigte. Thomas Müller bleibt Neuers Stellvertreter.



Am kommenden Donnerstag geht es für die Münchener eine Woche ins Trainingslager an den Tegernsee. „Jetzt kommen wir in die finale Präparation der Liga“, sagte Rummenigge. Beim Personal soll sich noch etwas tun. Jérôme Boateng bleibt ein Wechselkandidat. Zudem sollen noch ein oder zwei Mittelfeldspieler abgegeben werden, „damit der Trainer dort nicht in irgendeinen Stress kommt“, wie es Karl-Heinz Rummenigge formulierte.

Noch vor der Rückkehr nach München gestern Vormittag zeichnete der Bayern-Chef in Miami ein düsteres Zukunftsbild der Bundesliga. „Wir müssen ein bisschen aufpassen. Die Bundesliga ist ein gutes Produkt, aber es ist entscheidend, wie wir uns international präsentieren.“ Das „Rumgeeiere“ um die 50+1-Regel, die in Deutschland der Öffnung für Investoren im Wege stehe, prangerte Rummenigge scharf an. Er sprach von „Populismus“, kritisierte DFL und DFB: „Keiner will den Schwarzen Peter in der Hand haben.“ Alle in Deutschland hätten Angst, „dass man an Konkurrenzfähigkeit verliert, wenn man sich dem Markt öffnet“, betont er. Doch das Gegenteil wäre der Fall, glaubt Rummenigge: „In Spanien, England, Italien und Frankreich werden diese Dinge anders gehandhabt. Entweder wir gehen diesen Weg mit, oder wir werden irgendwann alle eine Zeche zahlen.“

Der 62-Jährige plädiert dafür, dass jeder Verein frei entscheiden kann. „Es gibt Clubs wie Hannover, die frisches Kapital in den Club bringen und damit auch in die Qualität der Mannschaft investieren möchten. Warum sollte man das verhindern?“ Bei Bayer Leverkusen, dem VfL Wolfsburg, 1899 Hoffenheim und RB Leipzig gebe es ohnehin schon Sonderfälle. „Diese vier Clubs spielen schon nicht mehr unter gleichen Bedingungen wie die anderen 14“, sagte Rummenigge.

Nach der „schwarzen Stunde“ der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland müsse die Bundesliga gerade jetzt in Champions League und Europa League „Flagge zeigen“. Zur Stärkung der Bundesliga würde sich Karl-Heinz Rummenigge sogar wünschen, dass der FC Bayern nicht jedes Jahr mit klarem Vorsprung deutscher Meister wird. „Fußball ist Emotion. Und ich bin über jeden Club glücklich, der uns unter Druck setzt“, sagt der Vorstandsboss. Allen voran Borussia Dortmund traut er eine bessere Rolle zu. „Vielleicht kommen Clubs wie Leverkusen und Leipzig dazu und machen uns das Leben schwer. Wir sind interessiert an einer emotionalen Bundesligaspitze“, erklärt Rummenigge.