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Fußball-WM in Russland
Das uruguayische Dilemma vor dem Viertelfinale

ZDF-Sportreporterin Claudia Neumann steht wegen ihren Live-Kommentaren im Fokus der Kritik.
ZDF-Sportreporterin Claudia Neumann steht wegen ihren Live-Kommentaren im Fokus der Kritik. FOTO: dpa / Rainer Jensen
Nischni Nowgorod. Gemeinsam sind sie eine Sieggarantie: Doch Uruguay bangt vor dem WM-Spiel gegen Frankreich um das Traumduo Cavani/Suárez.

Daumen drücken, hoffen, abwarten – mehr als die Rolle des Beobachters bleibt auch Luis Suárez nicht. „Ich gehöre zu den drei Millionen Uruguayern, die auf Edi hoffen“, sagte Uruguays Top-Stürmer vor dem Viertelfinal-Duell mit Frankreich über seinen kongenialen Sturmpartner Edinson Cavani. Der Fußball-Profi von Paris Saint-Germain kämpft mit einer Wadenverletzung, sein Einsatz in der Partie am Freitag (16 Uhr MESZ) in Nischni Nowgorod ist äußert fraglich. Auch am Mittwoch konnte der Stürmer nicht mit dem Team trainieren. Fällt Cavani aus, wäre auch das Traumduo Cavani/Suárez gesprengt, in den letzten Jahren so etwas wie eine Sieggarantie.

Wann immer bei den vergangenen Weltturnieren einer der beiden nicht spielte, war Uruguay erfolglos. Im WM-Auftaktspiel 2010 gegen Frankreich ließ Trainer Óscar Tabárez Cavani draußen, am Ende stand ein 0:0. Im Halbfinale fehlte Suárez gesperrt, Uruguay verlor 2:3 gegen die Niederlande. 2014 gegen Costa Rica und im Achtelfinale gegen Kolumbien war Suárez jeweils nicht dabei . Beide Spiele gingen verloren. „Das uruguayische Dilemma“, titelte die Zeitung „El Observador“. „Wenn der eine fehlt, ist der andere verloren.“

Tatsächlich harmonierten Suárez und sein Sturmpartner bei der WM in Russland zuletzt immer besser. Cavani ist mit drei Treffern Top-Torjäger seines Teams, Suárez hat bereits zweimal getroffen. Wie beim jüngsten 2:1-Achtelfinalsieg gegen Portugal legt der eine dem anderen auch schon mal einen Treffer auf. „Edi ist sehr wichtig für mein Spiel und für das der Mannschaft“, sagte Suárez. „Jeder weiß, welche Bedeutung er hat.“ Doch die Hoffnungen auf einen Einsatz Cavanis sanken am Mittwoch weiter: Medienberichten zufolge trainierte er nicht mit dem Team, ein Startelfeinsatz galt daher als nahezu ausgeschlossen.



Neben der extrem stabilen Defensive ist das Sturmduo aus zwei Weltklasseleuten einer der größten Trümpfe Uruguays. 98 Tore haben beide gemeinsam bislang für ihr Land erzielt. „Auf Luis Suárez und Edinson Cavani sind die besten Mannschaften der Welt neidisch“, urteilte „El Observador“. „Kein anderes Team vereint zwei Monster dieser Größenordnung.“ Suárez erzielte vergangene Saison 25 Ligatore für den FC Barcelona, Cavani war in Paris mit 28 Treffern einer der Garanten für den Gewinn des Meistertitels – auch wenn beide in ihren Clubs im Schatten der Stars Lionel Messi und Neymar stehen.

Und mit diesem Sturmduo könnte Uruguay auch bei der WM nach dem Achtelfinal-K.o. 2014 wieder ganz weit kommen. Suárez und Cavani sind beide 31 Jahre alt – das Turnier in Russland ist vielleicht die letzte Chance für sie auf der ganz großen Bühne. „Wir müssen weiterträumen“, forderte Cavani nach dem Viertelfinaleinzug. Auch Coach Tabárez machte deutlich: „Wir sind hier, um sieben Spiele zu bestreiten.“

Einen nachhaltigen Dämpfer könnten die WM-Hoffnungen der Himmelblauen nun durch einen Ausfall Cavanis im Viertelfinale erhalten. „Es ist kompliziert, weil es nicht einfach ist, eine Verletzung zu haben“, sagte Suárez über den Gesundheitszustand seines kongenialen Sturmpartners. „Dass er nur wenige Tage Zeit hat, könnte die Genesung noch schwieriger machen. Der Wunsch und die Anstrengungen sind da, aber es hängt nicht nur von ihm ab.“