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Reiten
Oberle gewinnt den Großen Preis von Homburg

Homburg. Die Zweibrückerin lässt sich bei ihrem Erfolgsritt weder von den Hindernissen – noch von einem Unfall aus der Bahn werfen. Von Cordula von Waldow

Anne Oberle, als Langsamste der vier Besten im Großen Preis von Homburg in die Siegerrunde eingezogen, reitet über den Springplatz. Während sie ihren 19-jährigen Hannoveraner Erfolgswallach Crunchip wendet, um den Turnierrichtern den üblichen Gruß zu entbieten, klappert es auf dem nebenliegenden Abreiteplatz lautstark. Axel Schmidt, ihr Reiterkollege vom RFV Weisenheim am Sand, ist bei der Vorbereitung seines neunjährigen Hannoveraner Wallachs Pepe mit dem Hindernis gestürzt. Der Reiter bleibt liegen. Die Zweibrückerin ist irritiert, besorgt. Warum steht er nicht auf? Was ist passiert? Die Amazone will den Springplatz verlassen, das Ausmaß des Unfalls in der Erfahrung bringen, abwarten. „Reit weiter!“ heißt es vom Richterturm. Die wenigen Zuschauer, die am Sonntagnachmittag bei Sommerhitze von fast 40 Grad den Turnierplatz säumen, sind fast ausschließlich Reiter. Bis auf die Offiziellen und Sponsoren.

Die Show muss weitergehen: Routiniert galoppiert die Trägerin des Goldenen Reitabzeichens an. Souverän meistert das Paar die Herausforderungen, die Parcourschef Reiner Neuhard dem Leistungsspektrum der Reiter angepasst, gebaut hat, ohne Abstriche an das Wetter. Währenddessen fährt der Krankenwagen auf den angrenzenden Abreitplatz ein. Woher nimmt diese Frau die Nerven? Nur einmal, beim zweiten und letzten Sprung der ursprünglich dreifachen Kombination, einem Oxer, fällt eine Stange. 43,12 Sekunden, tolle Zeit. „Ich habe einfach funktioniert. Was hätte ich machen sollen?“, sagt Anne Oberle später.

Sie und Crunchip sind ein eingespieltes Team, der Springfehler hätte jederzeit unterlaufen können. „Mit einem anderen Pferd wäre es wohl anders gewesen“, räumt die Zweibrückerin mit Blick auf ihre Betroffenheit ein. Ebenso routiniert, absolvieren die Profis Hans-Günter Klein vom RFV Namborn, Chefbereiter im Zuchtstall Schenk in Pirmasens, und die Führende, Vereinskameradin Ann-Katrin Betz ihre Runde um den Sieg in einer mit 2000 Euro dotierten Springprüfung. Quiosa, die zehnjährige Zweibrücker Stute, reißt das letzte Hindernis. Ein enttäuschter Aufschrei geht durch die kleine Zuschauermenge.



Spannender Sport. Ann-Kathrin Betz, Siegerin im schweren S*-Springen am Vorabend, braucht Armani eigentlich nur noch gemütlich nach Hause zu reiten. Wie es nicht geht, hat sie gesehen. Auf Sicherheit bedacht, pilotiert sie ihren 14-jährigen, in Holland gezogenen Wallach über die Hindernisse bis 1,40 Metern Höhe. Doch auch hier fällt die Stange am letzten Hindernis. Gold für Anne Oberle. Mit keinem Wort mehr erwähnt der Kommentator den Unfall. Anne Oberle jedoch ist der Schreck über den Unfall des Kollegen noch anzumerken, das Strahlen über den Sieg verhalten.

Auch die Hitze war hart: Das spiegelten auch die besonders am Sonntag zum Teil erheblich reduzierten Startfelder. So sattelten im abschließenden S-Springen allein die Profis der weiten Region, 15 Reiter-Pferde-Paare insgesamt. Dennoch erlebten die Zuschauer drei Tage lang spannenden Sport mit an den beiden ersten Tagen gut gefüllten Starterfeldern.