| 22:16 Uhr

Bruderduell
Alexander Zverev gewinnt Bruderduell

 Alexander Zverev (rechts) umarmt seinen älteren Bruder Mischa. Der jüngere der Zverev-Brüder setzte sich beim ATP-Turnier in Washington mit 6:3, 7:5 durch – doch das Resultat wurde zur Nebensache.
Alexander Zverev (rechts) umarmt seinen älteren Bruder Mischa. Der jüngere der Zverev-Brüder setzte sich beim ATP-Turnier in Washington mit 6:3, 7:5 durch – doch das Resultat wurde zur Nebensache. FOTO: dpa / Andrew Harnik
Washington. Erstmals standen sich Alexander und Mischa im Hauptfeld eines ATP-Turniers gegenüber. Alexander

Tränen der Rührung schon vor dem Spiel, eine herzliche Umarmung danach und dann auch noch ein gemeinsames Doppel: Das Bruderduell zwischen Alexander und Mischa Zverev beim ATP-Turnier in Washington hatte alle Züge eines Hollywood-Klassikers. Dass der 21 Jahre alte Alexande in der Nacht auf Freitag gegen seinen neun Jahre älteren Bruder Mischa im Achtelfinale mit 6:3, 7:5 gewann, geriet nach dem ersten Duell der beiden auf ATP-Niveau in den Hintergrund.

„Es war ein ganz, ganz besonderer Moment“, sagte Mischa Zverev später im amerikanischen TV-Sender Tennis Channel. „Als wir vor dem Match beim Münzwurf gemeinsam am Netz standen, hatte ich schon ein bisschen mit den Tränen zu kämpfen“, gestand der ältere Bruder. „Weil ich an unsere Eltern gedacht habe und daran, was dieses Spiel für sie bedeuten muss.“

Vater Alexander senior und Mutter Irina verfolgten die Begegnung auf der Tribüne und konnten stolz darauf sein, was ihre beiden Söhne den Zuschauern bei der mit 2,1 Millionen Dollar dotierten Hartplatz-Veranstaltung boten. Nach 1:51 Stunden machte Alexander Zverev den Einzug ins Viertelfinale perfekt, wo am Freitag (Ortszeit) der Japaner Kei Nishikori als Gegner wartete.



„Es war schon sehr speziell“, gestand Alexander Zverev, der das Event im vergangenen Jahr gewinnen konnte. „Ich hoffe, es war nicht das letzte Mal. Ich hoffe, wir stehen uns eines Tages in einem Finale gegenüber“, sagte die Nummer drei der Welt. Auf ATP-Niveau war es das erste Kräftemessen und das erste Bruderduell seit zwei Jahren, als die Österreicher Jürgen und Gerald Melzer gegeneinander spielten.

Schon seit vielen Jahren reisen die Zverevs als Familienunternehmen um die Welt. Wegen des großen Altersunterschiedes lag der Fokus in den ersten Jahren auf Mischa Zverev, der kleine Alexander war aber immer dabei und stand schon in frühen Jahren mit seinem großen Bruder gemeinsam auf dem Trainingsplatz. „Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Wimbledon-Endspiele wir im Garten nachgespielt haben“, sagte Alexander.

„Mischa hat mir gerade zu Beginn meiner Karriere unglaublich viel geholfen“, sagte die deutsche Nummer eins. Ein Kompliment, das Mischa umgehend zurückgab. „Als ich 2014 nach einer Operation am Tiefpunkt war, hat er in Hamburg erstmals für Furore gesorgt und das Halbfinale erreicht. Das hat mir damals einen unheimlichen Push gegeben, weiter für mein Comeback zu kämpfen“, sagte Mischa in einem gemeinsamen Interview, an dem die Brüder sichtlich Spaß hatten.

Krönender Abschluss der Zverev-Festspiele war dann am späten Abend der gemeinsame Auftritt im Doppel. Gegen die an Nummer eins gesetzten Oliver Marach und Mate Pavic setzten sich die Brüder mit 6:1, 6:4 durch und lagen sich danach wieder in den Armen. Dieses Mal beide als Sieger.