| 20:42 Uhr

Motorrad
Abschied vom Sachsenring – oder doch nicht?

Hohenstein-Ernstthal. Deutsches Rennen der Motorrad-WM auf der Kippe.

Abschied vom Sachsenring – soll es das wirklich gewesen sein? Was immer mal wieder drohte, wird wohl traurige Gewissheit. Zumindest nach derzeitigem Stand macht die Motorrad-WM genau 20 Jahre nach ihrer Rückkehr an diesem Wochenende zum letzten Mal in Hohenstein-Ernstthal Halt. Natürlich hoffen nicht nur die Fans, dass es vielleicht doch irgendwie weitergeht, Signale von den Entscheidungsträgern gibt es in dieser Richtung aber nicht.

Die Verhältnisse rund um den Großen Preis von Deutschland sind verzwickt. Die Sachsenring Rennstrecken Management GmbH (SRM) ist seit 2012 Veranstalter, den Vertrag mit dem WM-Vermarkter Dorna, der noch bis 2021 läuft und an keine Strecke gebunden ist, hat aber der ADAC geschlossen. Und der ADAC gab vor gut einer Woche bekannt, dass im kommenden Jahr nicht auf dem Sachsenring gefahren wird. Schon im Mai hatte der ADAC den Vertrag mit der SRM gekündigt. Begründet wurde dies mit nicht erfüllten Bedingungen. Seither habe man sich „intensiv um den Verbleib des deutschen Motorrad-Grand-Prix auf dem Sachsenring bemüht“, teilte ein ADAC-Sprecher mit: „Die SRM hat den Vorschlag leider nicht angenommen.“

Kernpunkt der Ungereimtheiten ist wohl eine Bankbürgschaft in Höhe von 3,8 Millionen Euro, die die SRM beim ADAC vorweisen soll, doch es gab keine Einigung. Das bestätigte Jan Hippold, Aufsichtsratsvorsitzender der SRM. Gleichbedeutend mit dem Aus sei dies aber nicht. „Ich gehe nicht davon aus, dass das letzte Wort schon gesprochen ist“, sagte Hippold und erklärte, dass der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer zum Rennen komme. „Das wird ein Zeichen setzen.“



Die SRM steckt in Schwierigkeiten. Die enttäuschende Zuschauerbilanz aus dem Vorjahr, als statt der üblichen 200 000 Besucher „nur“ 164 801 kamen, sorgte für ein Minus im hohen sechsstelligen Bereich. Die Roten Zahlen in Verbindung mit der üppigen Gebühr für die Dorna von vier Millionen Euro hat die Sorgenfalten noch einmal tiefer werden lassen. Grundsätzlich müssten alle Seiten ein Interesse daran haben, das Kultevent zu halten. Am Sachsenring geht seit 1998 weit mehr als nur ein WM-Lauf über die Bühne, über mehrere Tage gibt es eine PS-Party in der Zeltstadt am Ankerberg, DJ‘s legen in der Kart­halle auf, das Bier fließt in Strömen.

Damit soll jetzt Schluss sein? Wegen schlechter Zuschauerzahlen – 22 000 Fans verirrten sich 1997 an den Nürburgring – erfolgte einst der Wechsel nach Sachsen. 2011 wurden beim Rekord 230 133 Karten verkauft. „Es ist immer eine besondere Atmosphäre“, sagt Moto3-Pilot Philipp Öttl. „Der Sachsenring würde schon fehlen“, meint Moto2-Fahrer Marcel Schrötter. Doch die Ungewissheit bleibt vorerst.