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Übernahme scheitert
50+1-Veto wird ein Fall für die Gerichte

Martin Kind zeigte sich erwartungsgemäß nicht einverstanden mit der Entscheidung der DFL, Kinds geplante Übernahme des Bundesligaklibs Hannover 96 abzulehnen. Der 74-Jährige nannte die Entscheidung ein „Armutszeugnis“.
Martin Kind zeigte sich erwartungsgemäß nicht einverstanden mit der Entscheidung der DFL, Kinds geplante Übernahme des Bundesligaklibs Hannover 96 abzulehnen. Der 74-Jährige nannte die Entscheidung ein „Armutszeugnis“. FOTO: dpa / Peter Steffen
Frankfurt/Main. Die DFL hat die Übernahme von Hannover 96 durch Präsident Kind abgelehnt. Der Streit um die 50+1-Regel ist damit nicht beigelegt.

Jetzt haben die Juristen das Wort: Der erbitterte Streit zwischen Martin Kind und der Deutschen Fußball Liga (DFL) über die 50+1-Regel im deutschen Profi-Fußball wird in den Gerichtssaal verlagert – und könnte dort weiter eskalieren.

Hannover 96 bezeichnete die Entscheidung der DFL, den Ausnahmeantrag seines Präsidenten bezüglich einer Übernahme der Mehrheitsanteile abzulehnen, als „unverständlich, offensichtlich rechtsirrig und satzungswidrig“. Daher werde man nun „alle notwendigen und rechtlichen Schritte einleiten“.

Zuvor hatte das DFL-Präsidium mit Reinhard Rauball an der Spitze Kinds ersten Griff nach der Stimmenmehrheit verhindert. Es verweigerte gestern seine Zustimmung zu einer Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel für den 74 Jahre alten Unternehmer. Kind dürfte sehr wahrscheinlich direkt vor ein ordentliches Gericht ziehen, ein Gang vor das Ständige Schiedsgericht der Lizenzligen erscheint derzeit unwahrscheinlich.



„In der abschließenden Bewertung kam das DFL-Präsidium zu dem einstimmigen Ergebnis, dass das Kriterium der ‚erheblichen Förderung‘ nicht erfüllt ist“, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme. Die „erhebliche Förderung“ sei so definiert, dass die Summe über 20 Jahre mindestens die durchschnittliche Höhe der Zuwendungen des jeweiligen Hauptsponsors erreichen müsse.

Branchenkenner spekulieren indes schon lange darüber, dass die 20 Jahre alte 50+1-Regel auf Dauer juristisch nicht haltbar sein wird. Sie wurde einst beschlossen, um zu garantieren, dass die Lizenzvereine stets selbst die Mehrheitsanteile halten und nicht von externen Geldgebern gesteuert werden können.

Allerdings gibt es mittlerweile drei Ausnahmen von dieser Regel. Die Werksklubs Bayer 04 Leverkusen und VfL Wolfsburg sind von ihr nicht betroffen, ebenso die TSG 1899 Hoffenheim und deren maßgeblicher Förderer Dietmar Hopp.

Unabhängig vom aktuellen Beschluss bezüglich Hannover 96 hat die DFL beim Bundeskartellamt einen Prüfantrag gestellt, der Klarheit bezüglich kartellrechtlicher Bedenken gegen die 50+1-Regel bringen soll. „In den vergangenen Monaten hat es eine intensive und öffentlich geführte Debatte gegeben“, sagte DFL-Präsident Reinhard Rauball zur Begründung zu diesem Schritt.

Eine Maßnahme, die bei Hannover 96 Unverständnis auslöste und die sie zu einer scharfen Replik veranlasste: „Leider ist die DFL offensichtlich nicht in der Lage, selbst eine rechtmäßige Situation herzustellen und die eigenen Belange der Liga zu gestalten.“

Allerdings stand und steht man an der Leine keineswegs geschlossen hinter den Plänen von Kind, der seinen Ausnahmeantrag im August vergangenen Jahres gestellt hatte. Die Interessengemeinschaft Pro Verein 1896 rief über Monate hinweg zu Protesten gegen ihn auf und organisierte einen Stimmungsboykott in der WM-Arena am Maschsee, der die Mannschaft, Trainer Andre Breitenreiter und Manager Horst Heldt zunehmend nervte.

„Nicht immer fühlt es sich in unserem Stadion wie bei einem echten Heimspiel an“, klagte seinerzeit Torjäger Martin Harnik, der mittlerweile zum norddeutschen Ligarivalen Werder Bremen gewechselt ist. Vom Klub organisierte Diskussionsrunden zu diesem höchst umstrittenen Thema brachten keine nennenswerte Annäherung der Standpunkte.

Und auch ein Ende des Boykotts ist nicht in Sicht, nachdem Kind die Auseinandersetzung mit der DFL fortsetzen wird. Die IG jedenfalls kündigte an, sie werde „geeignet darauf reagieren“ und warf dem Millionär in diesem Zusammenhang ein „ichbezogenes Verhalten“ vor.