| 22:10 Uhr

Spagat zwischen Sport und Familie gelungen

 Anne Oberle mit ihrem jüngsten Nachwuchs Sohn Tamme (2) und dem vierjährigen Fabriano, Sohn ihres Hengstes Ferruccio. Foto: cvw
Anne Oberle mit ihrem jüngsten Nachwuchs Sohn Tamme (2) und dem vierjährigen Fabriano, Sohn ihres Hengstes Ferruccio. Foto: cvw
Zweibrücken. Das Leben von Anne Oberle hat sich verändert. "Ich will nicht mehr brav und vorsichtig reiten, ich will gewinnen", sagt die 31-jährige Reiterin vom Rechentalerhof entschieden. Dass ihr das gelingt, hat sie bei den Pfalzmeisterschaften in Rheinzabern mit dem Titel bewiesen (wir berichteten) Von Merkur-Mitarbeiterin Cordula von Waldow

Zweibrücken. Das Leben von Anne Oberle hat sich verändert. "Ich will nicht mehr brav und vorsichtig reiten, ich will gewinnen", sagt die 31-jährige Reiterin vom Rechentalerhof entschieden. Dass ihr das gelingt, hat sie bei den Pfalzmeisterschaften in Rheinzabern mit dem Titel bewiesen (wir berichteten). Drei Siege in drei Qualifikationsprüfungen der schweren Klasse, einmal Silber und eine weitere Platzierung lassen keinen Zweifel aufkommen: Die Mittelbacherin will ganz nach vorne.

Ein Familienunternehmen

Was Anne Oberle von vielen Konkurrenten unterscheidet: Sie reitet ausschließlich eigene Pferde, die sie selbst ausgebildet hat. Dabei ist der Rechentalerhof, auf dem Oberle aufgewachsen ist, ein Familienunternehmen. Die Stallarbeit obliegt vornehmlich Mutter Isolde, während Vater Klaus und Ehemann Christian sie zu den Wettkämpfen begleiten.



Nach zwei Jahren Bauzeit beschert eine eigene Reithalle Unabhängigkeit vom Wetter und erspart Fahrten ins Zweibrücker Landgestüt. Doch ihre Pferde reitet Anne Oberle immer alle allein. "Ich bin da sehr eigen", gibt sie zu. Ihre Nichte darf sie schon einmal im Schritt ins Gelände begleiten, gearbeitet werden ihre sechs Hannoveraner jedoch nur von Oberle selbst. Täglicher Auslauf auf den Koppeln und tägliches Training auf dem Laufband sorgen für Ausgeglichenheit und Kondition. Jeden zweiten Tag gymnastiziert die Reiterin ihre Pferde in der Dressur, jeden anderen reitet sie spazieren. "Springen müssen sie in der Turniersaison zu Hause nicht", erklärt sie.

Mit dem elfjährigen Zuchthengst Ferruccio, den Wallachen Landstuermer (12), Crunchip (10), Eurofighter (9) und Grafchristo (8) hat Oberle bis in die schwerste Klasse die Auswahl. Fabriano, vierjähriger Sohn von Ferruccio, soll bei ihr in die Fußstapfen seines erfolgreichen Vaters treten. Auf die Frage, ob sie einen Liebling habe, zögert die Reiterin. "Doch, ja. Nicht einmal wegen seiner Leistung, sondern, weil er so lieb im Umgang ist", nennt sie ihr Meisterschaftspferd Crunchip. Der braune Wallach, mit dem sie fünfjährig nach dem Bundeschampionat im Reitermekka Warendorf auch die deutschen Farben bei der Weltmeisterschaft der jungen Springpferde vertreten hat, werde im Parcours vom Schmusekater zum Tiger. "Da gibt er alles", verrät sie.

Aber Anne Oberle hat noch eine weitere Leidenschaft: ihre Kinder. Tochter Marika (4) voltigiert bereits, so wie ihre Mutter im selben Alter mit dem Reiten begonnen hat. Der zweijährige Tamme genießt den Fuhrpark auf dem Reiterhof. Die Kinder kommen immer an erster Stelle.

Schon oft hat die Reiterin Wettkämpfe und Ehrgeiz hintenangestellt, ein näher gelegenes Turnier der größeren sportlichen Herausforderung vorgezogen, um schnell daheim zu sein. Oder sie hat den Sattel gegen einen Platz am Kinderbett getauscht. Sie will sich nicht zu oft von den Großeltern vertreten lassen.

Dennoch hat sie sportliche Ziele. Neben der Schärpe in den Landesmeisterschaften und dem Goldenen Reitabzeichen, zu dem ihr noch sechs der zehn Siege in schweren Springprüfungen fehlen, hat die junge Frau einen großen Traum: "Ich möchte gerne einmal an den Deutschen Meisterschaften teilnehmen." Am Wochenende sattelt sie ihre Pferde zunächst beim Freilandturnier in Winzeln.

rechentalerhof.de