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Eisschnelllauf-EM
Solist Ihle fordert mehr Respekt

Nico Ihle freut sich nach dem Rennen über 1000 Meter über seine Bronzemedaille.
Nico Ihle freut sich nach dem Rennen über 1000 Meter über seine Bronzemedaille. FOTO: Pavel Golovkin / dpa
Kolomna. Eissprinter holt genauso EM-Bronze wie die deutschen Frauen in der Verfolgung.

Michelle Uhrig trudelte wie ein Kreisel auf dem Hintern über die Ziellinie, doch die Bronzemedaille war den deutschen Eisschnellläuferinnen bei der EM in Kolomna nicht mehr zu nehmen. „Ich weiß nicht, wie es passiert ist – wichtig ist nur, dass wir es geschafft haben“, sprudelte es am Sonntag aus der Berliner EM-Debütantin heraus, als die zweite Medaille für das deutsche Team perfekt war. „Wir wissen jetzt, dass wir auf dem Weg nach Olympia noch einiges zu tun haben“, ergänzte Roxanne Dufter. Drei Hundertstel hatte das von Gabi Hirschbichler geführte Trio noch vor Polen ins Ziel gerettet.

Das Siegeszeichen nach dem Zieldurchlauf war tags zuvor Sinnbild für Nico Ihles riesige Erleichterung. 33 Tage vor Beginn der Olympischen Winterspiele schrieb der Sachse mit dem Gewinn von EM-Bronze über 1000 Meter zum dritten Mal innerhalb eines Jahres Geschichte für den deutschen Eisschnelllauf. Zuvor hatte er 2017 auch als jeweils erster Eissprinter WM-Silber bei einer Einzelstrecken-WM sowie EM-Bronze im Sprint-Vierkampf gewonnen.

„Ein geiles Gefühl“, schilderte der 32 Jahre alte Chemnitzer. „Der Rennverlauf zeigt mir, dass ich für Olympia auf dem richtigen Weg bin.“ Ihle, der im Gegensatz zu den Damen abseits der Gruppe von Cheftrainer Jan van Veen mit seinem Bruder Denny auf der Freiluftbahn im Chemnitzer Küchwald trainiert, bemängelte die aus seiner Sicht mangelnde Wertschätzung durch die Verantwortlichen. „Ich verdiene mehr Respekt“, sagte Ihle, der immer noch sauer ist, dass der Verband die Erfolgsprämien vom Ausrüster für die WM-Medaillen einfach einbehalten habe, „ohne das vorher zu kommunizieren. Wer weiß, was uns da sonst noch alles entgangen ist?“