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Neureuther auf Comeback-Kurs
Ein Unfall als Schlüsselerlebnis für den Angriff

Skirennfahrer Felix Neureuther will noch einmal angreifen.
Skirennfahrer Felix Neureuther will noch einmal angreifen. FOTO: dpa / Peter Kneffel
München. Skirennfahrer Felix Neureuther will nach seinem Kreuzbandriss noch einmal in die Weltspitze. Nebenbei stellt er sein zweites Kinderbuch vor. sid

Felix Neureuther fühlte sich gut. Beim Ski-Training vor ein paar Tagen in Saas-Fee in den Schweizer Alpen hatte er keine Probleme mehr mit seinem linken Knie, in dem im November das Kreuzband gerissen war. Und so entschloss er sich, „ans Limit“ zu gehen. Neureuther, der 34 Jahre alte Kindskopf, übertrieb es, kam zu Fall, oder wie er sagt: „Es hat mich zerlegt.“

Es waren bange Momente, bis Neureuther merkte: „Das hat mein Knie ausgehalten.“ Diese Erkenntnis sei auf dem langen, schweren Weg zurück für ihn ein Schlüsselerlebnis gewesen, sagte Neureuther in München, wo er gerade sein zweites Kinderbuch („Ixi und die coolen Huskys“) vorstellte.

Dass es wieder so gut gehen würde mit dem Knie, konnte Neureuther lange nur hoffen. Noch im Sommer, als die quälend lange Reha kein Ende zu nehmen schien, dachte er an ein Karriereende. Es habe „oft Tage gegeben, an denen ich dachte: Macht das noch Sinn?“ Zu Hause saßen Ehefrau Miriam und Töchterchen Matilda (elf Monate), er schuftete im Kraftraum und sah zu, wie andere Gewichte stemmten: „Und du kannst nicht, weil das Knie und dann der Rücken weh tun.“



Vorbei. „Es geht mir echt ganz gut, das Knie funktioniert bis jetzt sehr, sehr gut“, sagte Neureuther. Als er mit seinem Eishockey-Kumpel Marcus Kink und Bundestrainer Marco Sturm sein neues Werk präsentierte, blühte der Flachs. „Ich bin ein großes, kleines Kind“, sagte Neureuther. Das Büchlein, mit dem er den Eishockey-Nachwuchs und seine Stiftung fördern will, sei „eine Herzensangelegenheit“.

Zeit genug für Themen abseits der Piste hatte Neureuther 2018 reichlich. Die Olympia-Saison, in die er mit einem Slalom-Sieg in Levi so verheißungsvoll gestartet war, hatte er nach seinem Trainingsunfall vorzeitig abbrechen müssen. Die ersten Wochen waren die schwersten. Geholfen hat ihm Ski-Kollege Stefan Luitz, auch er Kreuzbandpatient. „Wir hatten zwei Monate eine WG, haben zusammen Skirennen angeschaut. Diese Momente verbinden ein Leben lang“, sagte Neureuther.

Skifahrerisch, betonte der Partenkirchner, fange er nun „bei null“an: Dennoch hat er ein ambitioniertes Ziel: „Da hinzukommen, wo ich war. Auch wenn es nicht einfach wird.“ Vor seiner Verletzung war er einer der Besten, WM-Zweiter im Slalom 2013, WM-Dritter 2015 und 2017. Der Glaube, diese Erfolge wiederholen zu können, sei da, betonte Neureuther, „wenn das nicht so wäre, würde ich es nicht machen“. Rennen zu gewinnen – das werde aber noch schwerer, meinte er. In Saas-Fee hat er dem Norweger Henrik Kristoffersen zugeschaut, „der bolzt eine Fahrt wie die andere runter“. Und dann ist da ja auch noch Doppel-Olympiasieger Marcel Hirscher aus Österreich.

Wann Neureuther erstmals wieder gegen seine Rivalen antritt, ist noch offen. Die WM-Saison beginnt am 28. Oktober in Sölden. Neureuther macht sich „nicht den mega Stress“ deswegen: „Das wäre der falsche Weg.“ Lust, das wurde aber bei der Buchpräsentation überdeutlich, hätte er schon. „Es macht wieder brutal viel Spaß“, sagte Neureuther.