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Ski alpin
Rebensburg zwischen Himmel und Hölle

 Viktoria Rebensburg bejubelt ihren Sieg bei der Weltcup-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen. Am Tag danach stürzte sie schwer.
Viktoria Rebensburg bejubelt ihren Sieg bei der Weltcup-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen. Am Tag danach stürzte sie schwer. FOTO: dpa / Stephan Jansen
Garmisch. Skifahrerin gewinnt erst die Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen, stürzt tags darauf im Super-G und muss die Saison beenden. sid

Viktoria Rebensburg raste beflügelt von ihrem Abfahrtstriumph ihrem nächsten Heimsieg entgegen, als sie auf der brutalen Kandahar plötzlich vom siebten Ski-Himmel in die „Hölle“ stürzte. Der 30-Jährigen riss es auf dem vereisten Steilhang mit dem infernalischen Namen den Außenski weg, mit dem linken Knie räumte sie ein blaues Richtungstor ab, dann krachte sie ins Netz. Im Zielraum, wo Rebensburg 24 Stunden zuvor von 5000 Fans, ihrer Familie und Freunden gefeiert worden war, herrschte für bange Minuten atemlose Stille.

Zwar richtete sich die Kandahar-Königin schnell die Krone und gab bald Entwarnung – allerdings verfrüht, wie sich im Krankenhaus herausstellte. Dort diagnostizierte Teamarzt Manuel Köhne eine Tibiakopf-Impressionsfraktur im linken Knie sowie eine Innenbandüberdehnung; das Saison-Aus für Rebensburg. Eine Operation sei nicht nötig, teilte der Deutsche Skiverband mit, aber eine Skipause von sechs bis acht Wochen. "Es ist natürlich bitter, dass die Saison vorbei ist", sagte Rebensburg, "aber ich habe noch einmal Glück im Unglück gehabt. Alle Bänder haben gehalten, und deshalb bin ich zuversichtlich, dass ich nach der Rehabilitation wieder richtig schnell Skifahren kann." Rebensburg hatte unmittelbar nach ihrem Unfall von einem "heftigen Aufprall" berichtet. Sie humpelte, "aber es ist alles okay", versicherte sie. Ein Irrtum.

Dabei hatte das Heim-Wochenede so grandios begonnen. Bei der Siegerehrung auf dem Balkon der Spielbank von „GAP“ nach ihrem Sieg in der Abfahrt am Samstag musste sie sich vorkommen, als hätte sie gerade den Jackpot geknackt. Mit einem Scheck über 45 000 Euro wurde ihr der Triumph versüßt, damit ließ sich die fällige Party problemlos finanzieren. Dass sie dazu wie in der Vorwoche Abfahrtsheld Thomas Dreßen all ihre Lieben würde einladen müssen, „das ist mir egal“, sagte sie und lächelte: „Wenn die extra den Weg auf sich nehmen, um mich anzufeuern, dann ist das eine schöne Sache, die man gerne macht.“



Schon die lange Gratulationstour am Fuße der Kandahar, wo sie als erste Deutsche seit Maria-Höfl-Riesch 2010 gewann, hatte Rebensburg in vollen Zügen genossen. Den warmen Applaus, die Umarmung ihrer Vorgängerin Höfl-Riesch, und wohl besonders die verbale Verbeugung von Chefkritiker Maier. „Das kann ich nicht beschreiben“, sagte sie, „ich hätte es mir nicht besser erträumen können.“ Ihr zweiter Saisonsieg kam einer Erlösung gleich. „Es sind so viele Gefühle und Emotionen da, das wird Wochen oder Monate brauchen, das zu verarbeiten“, sagte Rebensburg bewegt. Von Genugtuung wollte die Olympiasiegerin nicht sprechen. Maier meinte: „Alles nicht so wild, da wurde aus einer Mücke ein Elefant gemacht.“