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Siebtes Rennen, siebter Sieger?

 Auch Sebastian Vettel freut sich mit Trikot auf die Fußball-EM. Aber auch für das Rennen in Kanada ist er bereit. Foto: Büttner/dpa
Auch Sebastian Vettel freut sich mit Trikot auf die Fußball-EM. Aber auch für das Rennen in Kanada ist er bereit. Foto: Büttner/dpa
Montreal. Jedes Rennen ein anderer Sieger: Die Fans sind begeistert, Promoter Bernie Ecclestone reibt sich die Hände, doch einige Fahrer haben langsam genug von der "Formel verrückt". Für den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso ist dieses Spektakel eine Lotterie

Montreal. Jedes Rennen ein anderer Sieger: Die Fans sind begeistert, Promoter Bernie Ecclestone reibt sich die Hände, doch einige Fahrer haben langsam genug von der "Formel verrückt". Für den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso ist dieses Spektakel eine Lotterie. Deshalb befürchtet der Spanier einen Imageschaden für die Formel 1, auch wenn die Abwechslung toll für die Fans sei. "Auf der anderen Seite verlieren wir an Glaubwürdigkeit", sagt Alonso vor dem Großen Preis von Kanada am Sonntag (20 Uhr MESZ/live bei RTL und Sky) in Montreal.Der frühere Formel-1-Rennfahrer Christian Danner widerspricht Alonso ganz entschieden. "Diese Vorwürfe sind lächerlich, die besten Fahrer gewinnen auch jetzt", sagt der heutige Experte des Fernsehsenders RTL. Es sei verständlich, dass die Superstars der Branche etwas gereizt reagieren, wenn sie von den Maldonados dieser Welt besiegt werden. Damit meint Danner den Großen Preis von Spanien, als der krasse Außenseiter Pastor Maldonado vor Alonso gewann. Das war für den zweimaligen Weltmeister bei seinem Heimrennen sicher eine Demütigung.

Alonso wünscht sich, dass nur das fahrerische Können über Sieg und Niederlage entscheidet. In dieser Saison kommt es seiner Ansicht nach zu sehr auf das Glück an. Schuld an der Unberechenbarkeit der Formel 1 seien die ständigen Regeländerungen, sagt Alonso: "Wenn wir etwas herausfinden und umsetzten, wird es verboten. Die Kreativität wird eingeschränkt." Es sei ein Rennen auf und neben der Strecke, sagt der Spanier: "In dieser Saison können zwei oder drei Zehntelsekunden sechs Plätze bedeuten."

Danner nimmt Alonso aber auch in Schutz. "Das ist der Egoismus des Rennfahrers. Der mag es nicht, wenn er Zweiter wird", sagt der Münchner. Und die Formel 1 verliere auch nicht an Glaubwürdigkeit, wenn ständig ein anderer Fahrer gewinne, sagt Danner: "Ganz im Gegenteil. Eine bessere Formel 1 hat es noch nie gegeben."



Ein Ende dieser verrückten Serie ist für Danner noch nicht in Sicht: "Meine Favoriten für den Kanada-Grand-Prix sind Lewis Hamilton im McLaren und die Lotus-Piloten Kimi Räikkönen und Romain Grosjean." Alle drei haben in diesem Jahr noch kein Rennen gewonnen. "Gut möglich, dass wir jetzt den siebten Sieger sehen", sagt Danner.

Aber auch schon die sechs verschiedenen Sieger in den ersten sechs Rennen sind ein Novum seit WM-Einführung 1950. "Es wäre schön, wenn das noch eine Weile so weitergeht. Die Zuschauer haben Spaß an dieser Formel 1", sagt Danner, der allerdings auch weiß: "Am Ende werden sich die Top-Leute wieder durchsetzen." dapd