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Sechs Tage Laufen im Dschungel

Böckweiler. In sechs Tagen 235 Kilometer durch ganz Costa Rica laufen – durch den Dschungel, durch Flüsse und gefährliche Aufstiege empor. Der Extremsportler Stefan Jung aus Böckweiler startet kommende Woche zum Abenteuer seines Lebens, der 10. Coastal Challenge. Darauf hat er sich akribisch vorbereitet. Von Merkur-MitarbeiterWolfgang Degott

Wenn am 28. Januar auf dem Frankfurter Flughafen die Maschine in Richtung Dallas startet, beginnt die Verwirklichung eines Lebenstraumes von Stefan Jung. Nach dem Zwischenstopp in den USA ist sein Ziel San José in Costa Rica. Dort bekommt der 33-Jährige aus Böckweiler am 1. Februar seine Startnummer und die Unterlagen, um am 2. Februar die sechstägige Coastal Challenge in Angriff zu nehmen.

Bei der zehnten Auflage dieses Lauf-Abenteuers wird er neben der 37-jährigen Julia Böttger und dem 22-jährigen Philipp Reiter wohl einer von nur drei deutschen Läufern sein, die bis zum 7. Februar die insgesamt 235 Kilometer quer durch den mittelamerikanischen Staat allein im Kampf gegen die Uhr bewältigen werden. Erwartet werden Starter aus 13 Nationen. Nach dem Studium des Streckenprofils sieht Jung den dritten und fünften Tag mit 48 Kilometern als größte Herausforderungen an. Aber auch die Gefahren, die im Dschungel, bei den Aufstiegen oder an der Küste während der übrigen Tage lauern, dürften nicht unterschätzt werden.

Radfahren in der Sauna

"Lächelnd mit einer deutschen Flagge in der Hand an der Grenze zu Panama ankommen", lautet sein Ziel. Das zu erreichen, darauf hat er sich intensiv und zielgerichtet vorbereitet. Dazu gehörte die wöchentliche Laufleistung von bis zu 150 Kilometern ebenso wie das regelmäßige Radfahren in einer Hotelsauna im Bliesgau. "Einfach die zu erwartenden klimatischen Verhältnisse simulieren", war die Devise. Dass beim Mehr-Etappen-Lauf auch Flüsse zu durchqueren sind, sieht man auf den Videos der Internetseite des Wettbewerbs.

Stefan Jung ließ auch keine Gelegenheit aus, in der Heimat dasselbe zu trainieren. Dazu durchwatete er mehrmals die Blies unterhalb der Brücke von Herbitzheim. Die vielen Hügel im Bliesgau, aber auch die schneebedeckten Berge in der Schweiz, darunter das 2950 Meter hohe Schilthorn, wo er gemeinsam mit Freunden bis auf 2400 Meter hinauflief, war nur ein kleiner Vorgeschmack auf die rund 10 000 Höhenmeter, die es jetzt zu bewältigen gilt. Bis Mitte Januar spulte er wöchentlich bis zu 150 Kilometer ab, trainierte täglich fünf Stunden. Dazu gehörte neben Laufen auch Schwimmen und Radfahren. Auch achtete Jung penibel auf die richtige Ernährung.

2006 fing alles an

Jetzt sehnt er den Start herbei. "Sechs Monate Vorbereitung sind eine lange Zeit, da musste ich auch das eine oder andere Motivationstief überwinden", gibt der zweifache Vater ehrlich zu. In den letzten Tagen vor dem Start will sich der gebürtige Homburger nur noch bewegen, ohne den Körper hochleistungsmäßig zu belasten. Neben einem bis zwei längeren 30- bis 40-Kilometer-Läufen werden täglich zehn bis 15 Kilometer absolviert.

Jung arbeitet in Kaiserslautern im Polizeidienst bei der US-Air Force. Zum Laufen kam er per Zufall. Ohne Vorbereitung lief er den Saarbrücker Marathon. Das machte dem gelernten Informatiker Lust auf mehr. Vor fünf Jahren machte er seine neue Leidenschaft Extremlauf zum Lebensinhalt. Ihn ihm wuchs die Freude, seinem Körper alles abzuverlangen. Und jetzt steht der Höhepunkt seines Sportlerlebens an.

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