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Deutschland nach Hause schicken
Schweden träumt von der Midsommar-Sensation

Der pfeilschnelle schwedische Offensivspieler Emil Forsberg ist vor dem Duell mit Deutschland optimistisch.
Der pfeilschnelle schwedische Offensivspieler Emil Forsberg ist vor dem Duell mit Deutschland optimistisch. FOTO: dpa / Joel Marklund
Sotschi. Das schwedische Team strotzt vor Selbstbewusstsein. Und die skandinavischen Fans wollen am Midsommar-Fest bei Bier und Köttbullar den Achtelfinaleinzug feiern.

Tomas Brolin wird es sich am Samstag bei seinen Eltern gemütlich machen. Es gibt Bier und Schnaps, Köttbullar und Heringssalat. „Wie es an Midsommar Tradition ist“, sagt die schwedische Fußball-Ikone. Wie Brolin, WM-Held von 1994, werden die meisten der fast zehn Millionen seiner Landsleute am Feiertag zur Sommersonnenwende gebannt vor dem Fernseher sitzen: Ganz Schweden glaubt an die große Midsommar-Sensation gegen die deutschen Weltmeister.

„Manchmal sorgen kleine Nationen für große Überraschungen, so wie Schweden in der Relegation gegen Italien“, sagt Brolin im 11Freunde-Interview und tippt für die Partie am Samstagabend in Sotschi (20 Uhr/ARD und Sky) auf ein 1:1. „Ob das dann wieder im Halbfinale endet, werden wir sehen.“

Auch das schwedische Team ist von der eigenen Stärke überzeugt. Zwar fällt für Emil Forsberg und Co. die traditionelle Party am längsten Tag des Jahres diesmal aus, doch der sportliche Anreiz wiegt alles auf: Nach dem Auftaktsieg gegen Südkorea (1:0) könnte Schweden mit einem weiteren Erfolg gegen die DFB-Elf vorzeitig das Achtelfinal-Ticket lösen – und dabei ganz nebenbei den Titelverteidiger nach Hause schicken.



„Es wird ein extrem schwieriges Spiel“, sagt Bundesliga-Legionär Forsberg. Deutschland werde wie verwandelt auftreten. „Sie werden aggressiv sein, richtig heiß“, meint der pfeilschnelle Mittelfeldspieler, fordert seine Teamkollegen aber gleichzeitig auf, das Spiel zu genießen und Spaß zu haben: „Sämtlicher Druck liegt auf Deutschland.“

Der letzte Sieg der Skandinavier in einem Pflichtspiel gegen das DFB-Team liegt exakt 60 Jahre zurück. Im Halbfinale ihrer Heim-WM 1958 gewannen die Schweden 3:1 und wurden Vizeweltmeister – ihr bis heute größter WM-Erfolg. Nach dem großen Auftrumpfen von 1994, als Brolin und Co. in den USA sensationell auf Platz drei stürmten, stehen noch zwei Achtelfinal-Teilnahmen (2002 und 2006) zu Buche. Seitdem ging nichts mehr, selbst mit Zlatan Ibrahimovic scheiterten die Gelb-Blauen zuletzt zwei Mal in der Quali.

Ohne den zurückgetretenen, in den Medien aber weiter allgegenwärtigen Ibrakadabra laufen die Schweden allerdings richtig heiß. In der Qualifikation wurde erst Frankreich besiegt, dann die Niederlande ausgeschaltet und in den Play-offs Italien bezwungen. „Wir haben ein geiles Gefühl“, sagt HSV-Abräumer Albin Ekdal der Hamburger Morgenpost.

Zwar fehlt den Schweden ohne Ibrahimovic das große Spektakel, doch das Team scheint enger zusammengerückt. Mittlerweile liegt das Hauptaugenmerk auf der Defensive, seit drei Spielen steht hinten die Null.

Die Defensive sei „eine Stärke, die wir im Team haben, und auf die wir bauen können“, sagt Kapitän und Vorkämpfer Andreas Granqvist. Man wolle nicht mit der gleichen Taktik auftreten wie Mexiko gegen Deutschland, sich eher an den eigenen Auftritten gegen Italien orientieren. „Wir müssen hinten sehr kompakt stehen“, fordert Granqvist.

Forsberg macht sich auch im Hinblick auf die Offensive keine Gedanken: „Wenn wir ein wichtiges Spiel haben, treffen wir, da mache ich mir keine Sorgen“, sagt der Offensivmann von RB Leipzig. Deutschland habe durch die Mexiko-Pleite „wahrscheinlich einen kleinen Blutzahn bekommen, also könnte es eine sehr gute Partie werden“.