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Leichtathletik
Schnellste Deutsche seit Krabbe

Sprinterin Tatjana Pinto könnte bei der Hallen-WM in Birmingham positiv überraschen.
Sprinterin Tatjana Pinto könnte bei der Hallen-WM in Birmingham positiv überraschen. FOTO: Bernd Thissen / dpa
Birmingham. Sprinterin Tatjana Pinto gehört zu den Mitfavoritinnen bei der Hallen-WM in Birmingham – trotz namhafter Konkurrenz will sie eine Medaille holen.

Schnell, selbstbewusst, ehrgeizig: Tatjana Pinto ist der Prototyp der neuen deutschen Sprint-Generation. Denn schon seit einiger Zeit machen die schnellen Frauen auf sich aufmerksam: Im vergangenen Jahr lief in Gina Lückenkemper erstmals wieder eine deutsche Athletin die 100 Meter unter elf Sekunden, vor eineinhalb Wochen sprintete Pinto in der Halle über 60 Meter in 7,06 ins Ziel. Beides hatte zuletzt Katrin Krabbe geschafft. Beides im Jahr 1991.

„Das war ein gutes Ding in Richtung Birmingham“, sagte Pinto nach ihrem deutschen Meistertitel. In der mittelenglischen Stadt geht es für sie heute bei der Hallen-WM um Gold, Silber und Bronze. Edelmetall wäre der bisherige Höhepunkt in der Karriere der 25-Jährigen, die noch auf eine Einzel-Medaille bei einem internationalen Großereignis wartet. „Ich freue mich auf die Konkurrenz, da habe ich Bock drauf“, sagte Pinto.

Und die Konkurrenz ist stark. Die Paderbornerin reist mit der drittbesten Zeit an, nur Javianne Oliver aus den USA (7,02) und die Schweizerin Mujinga Kambundji (7,03) liefen 2018 schneller. Hinzu kommen aber auch noch Top-Athletinnen wie Doppel-Olympiasiegerin Elaine Thompson aus Jamaika, Europameisterin Dafne Schippers aus den Niederlanden oder die WM-Zweite Marie-Josee Ta Lou von der Elfenbeinküste. „Allein die Reaktionszeit am Start kann über Platz eins oder fünf entscheiden“, sagte Pintos Trainer Thomas Prange.



Es ist die Kunst, genau diese Wettkampfsituationen zu meistern. Den Druck, die Anspannung auszublenden. Auch deshalb legte Pinto im Dezember ein Trainingslager in Jamaika ein. In der Heimat von Sprintstar Usain Bolt trainierte die Studentin der Sozialen Arbeit bei Sprint-Guru Stephen Francis, der unter anderem Thompson zu Olympia-Gold geführt hat. Die Mitbringsel: Lockerheit, Spaß und Erfahrung im Duell mit harter Konkurrenz. Das soll sich weiter auszahlen. So wie in Dortmund, als sie zur drittschnellsten deutschen Hallen-Sprinterin der Geschichte wurde. Doch wie viele deutsche Leichtathleten der neuen Generation ist auch Pinto nun schwierigen Vergleichen ausgesetzt. Nicht mehr weit entfernt sind die Zeiten der DDR-Athletinnen Marita Koch und Silke Möller (je 7,04), aufgestellt in der Hochzeit des Anabolika-Dopings. Auch Krabbe wurde später überführt. „Wenn man Top-Leistungen bringt, ist immer Zweifel dabei“, sagte Trainer Prange: „Ich weiß, dass es auch anders geht.“⇥> siehe auch Seite 13