| 21:06 Uhr

Deutsche Turn-Meisterschaften am Wochenende
In Leipzig entscheidet der Schmerz

Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio gelang Sophie Scheder am Stufenbarren ein sensationeller Auftritt. Der wurde damals mit Bronze belohnt. Seither kämpft Scheder mit ihrer Gesundheit.
Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio gelang Sophie Scheder am Stufenbarren ein sensationeller Auftritt. Der wurde damals mit Bronze belohnt. Seither kämpft Scheder mit ihrer Gesundheit. FOTO: dpa / Tatyana Zenkovich
Leipzig . Die Turn-Stars Pauline Schäfer und Sophie Scheder sind vor der letzten WM-Qualifikation angeschlagen. sid

Ein lädierter Fuß, ein gereiztes Knie: Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer und Sophie Scheder, die Olympiadritte von Rio am Stufenbarren, steht ein schmerzhaftes Wochenende bevor. Vielleicht aber auch nicht, denn die beiden Chemnitzerinnen halten sich einen kurzfristigen Startverzicht bei den deutschen Meisterschaften in Leipzig durchaus offen.

„Ich habe hart gearbeitet, aber optimal ist was anderes. Ich würde mich aber schon freuen, wenn ich mich endlich mal wieder zeigen könnte“, sagt Scheder. Zwei Operationen am linken Knie und ein operativer Eingriff am linken Ringfinger hatten die 21-Jährige seit ihrem Bronze-Triumph in Brasilien vor zwei Jahren außer Gefecht gesetzt. Aktuell zwickt das rechte Knie wegen einer Reizung der Patellasehne.

Hin- und hergerissen ist auch die Saarländerin Schäfer. Sie verletzte sich vor zwei Wochen bei der ersten WM-Qualifikation in Stuttgart am linken Fuß. Die Sportsoldatin ist schon heiß auf ihren ersten nationalen Titel im Mehrkampf, will aber auch ihren WM-Start Ende Oktober in Doha/Katar nicht aufs Spiel setzen und dort gern ihren Titel am Schwebebalken verteidigen – trotz der starken internationalen Konkurrenz um Simone Biles (USA).



Die Trennung von ihrer langjährigen Betreuerin Gabi Frehse hat Schäfer zusätzlich verunsichert: „Im Training sah das alles zuletzt nicht so prickelnd aus. Ich muss Vor- und Nachteile genau abwägen und kurzfristig entscheiden, ob und was ich turne“, sagt die Bierbacherin.

Seelische Unterstützung erhält die 21-Jährige von ihrem Freund Andreas Bretschneider. „Pauline ist ein Siegertyp. Sie kann auch mal trotz schlechter Trainingsleistungen einen guten Wettkampf machen“, glaubt der mehrmalige Weltcupsieger am Reck. In der Arena Leipzig will „Breti“ trotz hartnäckiger Rückenverspannungen endlich auch mal deutscher Meister an seinem Paradegerät werden.

Zur deutschen Rekordmeisterin könnte in der sächsischen Metropole Elisabeth Seitz aus Stuttgart aufsteigen. Die Titelverteidigerin im Mehrkampf, wegen einer Entzündung im Bauchraum bei den europäischen Titelkämpfen im August in Glasgow nur Zuschauerin, hat seit 2009 19 nationale Titel gesammelt. In der Statistik vor ihr liegt nur noch Stufenbarren-Olympiasiegerin Karin Büttner-Janz, die Berlinerin war 20 Mal DDR-Meisterin.

Bei den Männern ist im Mehrkampf mit einem Duell zwischen Titelverteidiger Lukas Dauser und Andreas Toba zu rechnen. Nach einjähriger Pause wegen eines Kreuzbandrisses hatte der Unterhachinger Dauser die erste WM-Ausscheidung für sich entschieden. Kurz vor der WM warnte Cheftrainer Andreas Hirsch seine Schützlinge allerdings vor zu viel Risiko: „Wir wollen in Leipzig Wettkämpfe sehen, die gefallen, und nicht Wettkämpfe, bei denen gefallen wird.“