| 23:13 Uhr

Davis-Cup
Sascha der Große, Tim und Struffi

Brisbane. Deutsches Davis-Cup-Team steht nach 3:1-Sieg über Australien im Viertelfinale.

Plötzlich tauchte Boris Becker auf. Im Deutschland-Trainingsanzug und mit roter Baseballmütze auf dem Kopf schlich sich der Chefberater des furios aufspielenden deutschen Davis-Cup-Teams in die Pressekonferenz und filmte die Szenen auf dem Podium. Kurz zuvor hatte Alexander Zverev mit einem 6:2, 7:6 (7:3), 6:2 gegen Nick Kyrgios im einseitigen Duell der Spitzenspieler für die 3:1-Führung und die Entscheidung im Auswärtsspiel in Australien gesorgt. Erstmals seit vier Jahren steht die deutsche Auswahl im Viertelfinale des Teamwettbewerbs.

Statt im September wie in den vergangenen drei Jahren eine nervenaufreibende Abstiegs-Relegation bestreiten zu müssen, kämpft die Equipe von Teamchef Michael Kohlmannn vom 6. bis 8. April in Spanien (3:1 gegen Großbritannien) um den Einzug in das Halbfinale. „Das war Weltklasse unter sehr viel Druck“, lobte Becker in Brisbane den Auftritt des 20 Jahre alten Hamburgers. Noch eine halbe Stunde nach Spiel­ende schrieb Zverev in der Arena Autogramme und bedankte sich charmant bei den australischen Fans für die faire Unterstützung.

Als nach nur 1:47 Stunden eine Vorhand des angeschlagenen Kyrgios, gegen den er im vergangenen Jahr noch drei von vier Matches verloren hatte, im Aus landete, jubelte Zverev fast ein wenig verhalten, ehe er mit Kohlmann und seinen Teammitgliedern Jan-Lennard Struff, Tim Pütz und Peter Gojowczyk mit der Deutschland-Fahne um die Schultern im Kreis tanzte. „Es ist ein schöner Moment und ein wichtiger Moment für die Mannschaft“, sagte Zverev, der sich immer wieder mit der rechten Hand aufs Herz klopfte.



„Ich bin stolz“, sagte Kohlmann. „Wir haben gezeigt, dass wir in der Lage sind, auch große Teams auswärts zu schlagen.“ Zverev hatte schon am Freitag sein erstes Einzel gegen den 18 Jahre alten Davis-Cup-Debütanten Alex de Minaur gewonnen. Mit „Tim und Struffi“, wie die neue deutsche Erfolgs-Kombination nur noch genannt wird, gibt es zudem endlich wieder ein Doppel, das perfekt harmoniert, gemeinsam noch ungeschlagen ist und nun erst einmal gesetzt sein dürfte. Nicht zu vergessen die in Brisbane verletzt oder erkrankt fehlenden Philipp Kohlschreiber oder Mischa Zverev. So war es nicht überraschend, als Alexander Zverev sagte: „Das war die erste Runde, aber wir wollen nicht hier aufhören.“