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Leichtathletik
Die IAAF will Geld und Labor-Daten sehen

Für die russischen Leichtathleten bleibt der Startblock weiterhin leer. Der Weltverband IAAF hält an der Suspendierung Russlands fest.
Für die russischen Leichtathleten bleibt der Startblock weiterhin leer. Der Weltverband IAAF hält an der Suspendierung Russlands fest. FOTO: dpa / Diego Azubel
Monaco. Der Leichtathletik-Weltverband hält die Suspendierung Russlands aufrecht. Der deutsche Verband begrüßt die Entscheidung. sid

Die IAAF zeigt Härte, Russland bleibt die große Leichtathletik-Bühne versperrt. Wie der Weltverband am Dienstag nach seiner Council-Sitzung mitteilte, wird der russische Verband Rusaf wegen seines Dopingskandals vorerst nicht begnadigt. Auch drei Jahre nach dem Beginn der Sperre hat Russland immer noch nicht alle Bedingungen für die Rückkehr erfüllt.

„Das Council hat dem Antrag der Task Force entsprochen, die Suspendierung Russlands aufrechtzuerhalten“, sagte Rune Andersen, Leiter der IAAF-Task-Force zum Fall Russland. Da die nächste Council-Sitzung erst im kommenden März stattfindet, wird Russland als Nation aller Voraussicht nach auch nicht an der Hallen-EM in Glasgow (1. bis 3. März) teilnehmen.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) begrüßte den Beschluss. „Die Entscheidung der IAAF ist konsequent, denn gravierende Veränderungen hat es in Bezug auf die Haltung Russlands zur Anti-Doping-Politik seit dem letzten Beschluss nicht gegeben“, sagte DLV-Präsident Jürgen Kessing: „Die IAAF hat eine klare Haltung bei ihrer Entscheidung im Sinne der Athleten und der Glaubwürdigkeit gezeigt.“



Damit zeigt sich die IAAF in der Aufarbeitung des russischen Dopingskandals in ihrer Haltung deutlich konsequenter als die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und das Internationale Olympische Komitee (IOC). Das IOC hatte das russische Olympische Komitee ROC wenige Tage nach den Winterspielen in Pyeongchang ohne Bedingungen wieder aufgenommen. Die Wada beendete Mitte September die Suspendierung der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada, obwohl die Kriterien nicht vollumfänglich erfüllt worden waren.

Die IAAF hatte damals schon skeptisch auf die Wada-Entscheidung reagiert und darauf verwiesen, dass die Rusada-Aufnahme nur eine Bedingung gewesen sei. Task-Force-Leiter Andersen wies nun nachdrücklich darauf hin, dass Russland der unabhängigen Integritätskommission AIU Zugriff auf die Dopingtests russischer Leichtathleten aus den Jahren 2011 bis 2015 ermöglichen muss. Dies ist bisher noch nicht geschehen. „Ich hoffe, dass sie die Daten bis zum Ende des Jahres liefern“, sagte Andersen, allerdings sei die Frage „schwierig zu beantworten“, ob dies auch geschehe.

Außerdem muss der russische Verband die Kosten der Untersuchung tragen, die die IAAF wegen des Skandals zu stemmen hat, wie etwa für die Installierung der Task Force um Andersen. Dies sind bisher knapp drei Millionen Dollar. Außerdem könnten weitere Rechnungen auf Russland zukommen, weil der nationale Verband vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen die Sperre klagt. Die möglichen Gerichtskosten will die IAAF ebenso zurückbezahlt bekommen.

Die IAAF hatte die Rusaf am 13. November 2015 gesperrt und damit auf den Skandal um staatlich unterstütztes Doping reagiert, das auch und besonders in der Leichtathletik praktiziert wurde. Das bisher letzte russische Team startete bei der WM 2015 in Peking. Danach nahm Weitspringerin Darja Klischina als einzige Russin unter neutraler Flagge 2016 an den Olympischen Spielen in Rio teil, ein Jahr später starteten bei der WM in London 19 Russen als neutrale Athleten, bei der EM zuletzt in Berlin waren es sogar 72.