| 20:04 Uhr

Ringer-Weltmeister Frank Stäbler
In Rocky-Manier vom Hühnerstall zu Olympia-Gold

 Ringer Frank Stäbler steht vor seiner neuen Trainingshalle – ein ehemaliger Hühnerstall, den er mit seiner Familie umgebaut hat.
Ringer Frank Stäbler steht vor seiner neuen Trainingshalle – ein ehemaliger Hühnerstall, den er mit seiner Familie umgebaut hat. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Leinfelden-Echterdingen. Der dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler hat ein halbes Jahr vor Olympia sein neues Trainingsdomizil bezogen. dpa

Bescheidenheit war noch nie die Sache von Frank Stäbler. „Worldcamp“ steht in großen Buchstaben über dem Eingang des früheren Hühnerstalls, in dem sich der dreimalige Ringer-Weltmeister ab sofort fit für den Olympiasieg machen will. „Im Rocky-Style“, antwortete der 30-Jährige bei der Eröffnung seiner neuen Trainingshalle auf die Frage, wie er es vom elterlichen Bauernhof im Schwabenland zum Gold in Tokio schaffen möchte.

Dass Stäbler seit langer Zeit auf dem Hof seiner Familie in Musberg trainiert, ist bekannt. Neu ist allerdings der Umzug vom Provisorium im unbeheizten Ex-Kuhstall in das modern eingerichtete Gebäude nebenan, in dem früher die Hühner zu Hause waren. Grund für die Errichtung des „Worldcamps“ ist der seit Jahren andauernde Streit um die Nutzung der städtischen Halle mit dem Vorsitzenden des ortsansässigen TSV. Auch während des rund einstündigen Medientermins ging es die meiste Zeit um die Provinzposse. Der Leistungs-Check bei der EM in der kommenden Woche in Rom, die Form Stäblers sowie die Olympia-Vorbereitung gerieten angesichts der Vorwürfe der deutschen Medaillenhoffnung in Richtung des Klubchefs und den Lokalpolitikern in den Hintergrund. „Aber deshalb habe ich den Termin gemacht. Ich ziehe einen Schlussstrich“, erklärte Stäbler: „Danach geht es nur noch um Olympia.“

Und Stäbler redete noch einmal – über anonyme Anzeigen, juristische Auseinandersetzungen und vergebliche Bemühungen um eine Lösung. „Aber ich ziehe Motivation aus dem Streit, ‚Jetzt erst Recht‘ – so lautet schon seit Jahren meine Devise“, äußerte Stäbler: „Dieses Thema belastet alle in meinem Umfeld seit so vielen Jahren. Jetzt bin ich extrem stolz auf das, was wir geschaffen haben.“ In den vergangenen sieben Monaten haben Stäblers Vater, sein Opa und ein Freund der Familie über 4000 Arbeitsstunden in den Umbau gesteckt. Auch Stäbler selbst packte mit an. „Es gab keine andere Lösung. Ich habe im Winter teilweise bei Minusgraden trainiert. Und so entstand aus einem Bretterverschlag mein neues Paradies. Es ist alles da, was mein Ringerherz begehrt: „Ich hatte Angebote von 30 Vereinen. Aber ich habe alle abgelehnt. Wenn ich hier weggehe, hat das Ringen in meiner Heimat kein zu Hause mehr.“



Zukünftig soll Stäblers Camp auch die Heimat für den Ringer-Nachwuchs werden. Aber bis dahin wird es ein weiter bürokratischer Weg – den dann ein Olympiasieger auf sich nehmen will. „Bis zu den Spielen ist alles geplant. Ich stehe voll im Saft, die Vorbereitung lief bisher ohne Verletzungen“, sagte der Griechisch-Römisch-Spezialist, der seine internationale Karriere nach dem Wettkampf in der Gewichtsklasse bis 67 Kilo beenden wird: „Wenn ich meine optimale Leistungsfähigkeit erreiche, ist alles möglich.“

Nach den Spielen will Stäbler noch zwei Jahre in der Bundesliga „abtrainieren“. Dass es Zeit für den Abschied wird, hat der Familienvater bei der EM-Vorbereitung gemerkt. „In der ersten Woche hat mir jeder Zentimeter meines Körpers wehgetan“, berichtete Stäbler, der bei Olympia bisher ohne Medaille geblieben ist: „Da wurde mir klar, dass ich langsam zu alt für den Scheiß werde.“