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Fußball-Bundesliga
Ribéry auf Werbetour in eigener Sache

München. Die Verletzung von Kingsley Coman war die große Chance des Flügelstürmers. Der fast 35-jährige Franzose hat nun alle Möglichkeiten, sich für ein weiteres Jahr beim FC Bayern zu empfehlen. Doch die Münchner Bosse lassen sich Zeit.

(sid) Franck Ribéry versteht es, eine gewisse Symbolik für sich zu nutzen. Vier Spieler des Hamburger SV auszudribbeln, ist doch keine Kunst, kann man vielleicht sagen. Aber nach seinem zweiten und mit alter Verve erzielten Tor gegen den armseligen Sparringspartner baute sich der Franzose genussvoll mit ausgebreiteten Armen vor der Fankurve auf. Seht her, was ich noch kann, sollte das gewiss auch bedeuten.

„Ribery, Ribery“, rief Bayern Münchens Anhang seinem Liebling aus Tausenden Kehlen entgegen und irgendwie galt das auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß. „Sie rufen in fast jedem Spiel meinen Namen, aber es ist immer ein schöner Moment“, sagte Ribery nachher mit seinem typischen Akzent. Erst recht, wenn sich die eigene Zukunft im Schwebezustand befindet.

Es hat für den bald 35-Jährigen gerade ein bisschen was von einer Werbetour quer durch die Stadien des Kontinents. Nächster Halt am morgigen Mittwoch (18 Uhr/Sky und ZDF) bei Riberys 100. Europacup-Auftritt: Der brodelnde Park von Besiktas Istanbul im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League. Auf dieser Ebene will Ribery, muss Ribéry vielleicht auch beweisen, dass noch mindestens eine Saison auf einem für den FC Bayern adäquaten Niveau in ihm steckt.



Der Fußball-Rekordmeister wartet ab, man könnte es Hinhaltetaktik nennen. Auch am Wochenende vermied Sportdirektor Hasan Salihamidzic eine klare Aussage zur Vertragssituation. Ribéry wird sich wohl bis in den April hinein gedulden müssen, bis feststeht, ob sein auslaufender Kontrakt erneuert wird. „Es ist keine einfache Situation. Ich habe keine Ahnung und muss abwarten“, sagte er.

Gerne hätte Ribéry Klarheit, und genauso geht es Arjen Robben – wenngleich Beobachter davon ausgehen, dass beim 34 Jahre alten Niederländer die Wahrscheinlichkeit zu bleiben, höher ist. „Wir haben beide gut gespielt, es macht Spaß“, sagte Robben über den auffälligen „Robbery“-Auftritt vom Samstag. Beide haben eine Ära bei den Münchnern geprägt, waren Protagonisten der Triple-Saison. Doch seither sind fünf Jahre vergangen.

Die Bayern-Kollegen attestieren Ribéry allerdings nach wie vor große Bedeutung. „Franck war wie immer, nicht wie früher. Er hat nie aufgehört, wichtig zu sein“, sagte etwa David Alaba über seinen Kumpel. „Er ist ein hervorragender Spieler, sieht die Mannschaft zuerst und dann erst sich, das ist mein Eindruck“, findet Mats Hummels.

Ribéry, der seit Sommer 2007 in München ist und eigentlich nicht mehr weg möchte, hat nun eine Chance, die ihm vor wenigen Wochen verbaut schien. Landsmann Kingsley Coman (21) hatte mit seinem Hochgeschwindigkeits-Fußball dem sichtlich langsamer werdenden Routinier etwas den Rang abgelaufen. Dass der designierte Ribéry-Nachfolger schon am 20. Februar im Hinspiel gegen Besiktas dem Lehrmeister vorgezogen wurde, war ein klares Signal und sorgte für Verstimmung bei Ribéry.

Dann aber verletzte sich Coman gegen Hertha BSC schwer am Knöchel, er wird wohl bis zum Saisonende fehlen. Die Tür für Ribéry im Endspurt um noch drei mögliche Titel öffnete sich wieder. Man werde an Ribéry und Robben „noch viel Freude haben. Das werden noch ganz, ganz wichtige Spieler in den nächsten Wochen“, sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes zuletzt. Aber auch darüber hinaus?