| 20:41 Uhr

Mainzer Stürmer mit Dreierpack
Robin Quaison verschärft Krise bei Hertha

 Robin Quaison (oben) von Mainz 05 jubelt nach seinem 2:0 mit Teamkollege Karim Onisiwo.
Robin Quaison (oben) von Mainz 05 jubelt nach seinem 2:0 mit Teamkollege Karim Onisiwo. FOTO: dpa / Andreas Gora
Berlin. Mainzer erzielt drei Treffer beim 3:1-Sieg des FSV in Berlin. Trainer Klinsmann zeigt Verständnis. sid

Das Andenken an Robin Quaisons nächsten Dreierpack zeichnete sich deutlich unter dem dunklen Anorak ab, den sich der Schwede gegen die schneidende Berliner Abendkälte übergeworfen hatte. Den Spielball, dieses wertvolle Kleinod, hatte sich der Stürmer des FSV Mainz 05 wieder einmal stibitzt, um ihn zu Hause seiner kleinen Privatsammlung hinzuzufügen.

Schon nach seiner ersten Drei-Tore-Gala in dieser Saison – beim 5:0-Sieg in Bremen – hatte der 26-Jährige den Ball geklaut, nun folgte nach dem 3:1 (1:0) bei Hertha BSC der zweite Streich. Ob Quaison daheim überhaupt noch Platz hat? „Das kriegen wir hin“, sagte er mit einem Lächeln. Dabei hätte der Angreifer vielleicht noch einen zweiten Ball mitnehmen können, Chancen für sechs Quaison-Treffer gab es. „Ich war nach der ersten Halbzeit sehr sauer auf mich“, sagte Quaison, der Mainz in der 17. Minute in Führung gebracht hatte: „Da hätte ich zwei oder drei Stück machen können, wenn ich konzentrierter gewesen wäre.“ Erst kurz vor Ende (82./90.+4, Foulelfmeter) legte er nach. Schön für ihn: Nach 21 Spieltagen kann er auf seine persönlich beste Bundesliga-Saison zurückblicken. Mehr als elf Tore hat er noch nicht geschafft.

Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann zeigte Verständnis für die verdiente Heimpleite. Die Englische Woche, die rassistischen Anfeindungen gegen Jordan Torunarigha: Das sei alles „zu viel“ gewesen, sodass er ganz bewusst den Reset-Knopf drückte. „Als Erstes habe ich mir in der Kabine Kapitän Vedad Ibisevic geholt und gesagt: ‚Ich glaube, wir brauchen erstmal zwei Tage frei‘“, berichtete der Trainer, der mit den Berlinern nach der zehnten Saisonniederlage nur noch sechs Punkte Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz hat. Statt beim 14. laut Alarm zu schlagen, wählte Klinsmann aber leise Töne. „Ich kann der Mannschaft keine Vorwürfe machen – sie war schwer im Kopf und auch physisch“, sagte er. Schon „nach zehn Minuten“ habe er realisiert, wie schwer sich seine Spieler tun. „Sie haben kaum antizipiert, kaum die Räume und Wege gesehen, die Stürmer zu finden“, analysierte er. Das Urteil des früheren Bundestrainers klang ernüchternd, und es war bezeichnend, dass der einzige Hertha-Treffer durch ein Eigentor des Mainzers Jeffrey Bruma (84.) fiel.