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Plötzlich Spitzenmannschaft

Hannover. Hannover 96 mit Trainer Tayfun Korkut ist derzeit eine der Überraschungs-Mannschaften der Fußball-Bundesliga. Gegen Bayer Leverkusen wollen die Niedersachsen, aktuell Vierter, ihren Höhenflug fortsetzen. Sid-Mitarbeiterkristof Stühm

Kurz vor ihrem Duell haben die beiden Kumpel Tayfun Korkut und Roger Schmidt wieder miteinander telefoniert. "Die Taktik abgesprochen", scherzte Korkut, Trainer von Hannover 96 , und wollte den wahren Inhalt des Gesprächs vor der Partie gegen Bayer Leverkusen (Samstag, 15.30 Uhr) partout nicht verraten. Auch wenn Korkut seinen Kollegen und Freund Schmidt seit ihrem gemeinsamen Trainerlehrgang vor vier Jahren schätzt, die Marschroute der Niedersachsen vor dem Spitzenspiel hat der 40-Jährige sicher nicht verraten.

Zu viel steht auf dem Spiel. "Leverkusen ist eine Spitzenmannschaft, wir müssen an unsere Grenzen gehen", sagte Korkut. Doch die Zeiten, in denen sich 96 schon im Vorfeld der Werkself geschlagen gegeben hat, sind nach drei Bundesliga-Siegen und dem Vorpreschen auf Platz vier vorbei: "Die Mannschaft hat sich in der Pause nicht ausgeruht. Wir nehmen uns einiges vor."

Markige Sprüche sind aus Hannover zwar weiter nicht zu erwarten, aber dafür umso besserer Fußball. Korkut, der Mirko Slomka im Januar beerbt hatte, hat Hannover im Rekordtempo umgekrempelt - weg vom überfallartigen Konterfußball hin zu mehr Variabilität und einer reiferen Spielanlage. Der Fast-Absteiger mischt jetzt wieder die Liga auf und streift sein Image als "graue Maus" ab. Selbst ein Unentschieden gegen die Millionentruppe aus Leverkusen ist der Mannschaft der Stunde nicht genug. "Wir werden immer alles dafür tun, unsere Spiele zu gewinnen", sagte Korkut, der mit einem Punkteschnitt von 1,54 im Moment erfolgreichster 96-Trainer der Geschichte ist.

Mit dem neuen Selbstbewusstsein an der Leine sind auch die jüngsten Spekulationen um einen Wechsel von Torhüter Ron-Robert Zieler zu Borussia Dortmund viel leichter zu ertragen. "Es liegt uns keine konkrete Anfrage vor", sagte 96-Manager Dirk Dufner über aufkommende Gerüchte, nachdem Zieler mit einer starken Leistung im Länderspiel in Spanien (1:0) für Aufsehen sorgte. "Es ist ganz logisch, dass nach so einem Spiel immer wieder Interesse geäußert wird. Das hat für mich aber keine Bedeutung", sagte Dufner.

Zielers Vertrag bei den Niedersachsen läuft noch bis 2017. Für kolportierte zehn Millionen Euro dürfte er Hannover dank einer Ausstiegsklausel allerdings schon im Sommer verlassen. Doch Hannover wird sicher um seinen Leistungsträger, der am Donnerstag aufgrund einer Erkältung nicht trainierte, kämpfen. Um Zieler, der seit 2010 für Hannover spielt und einen großen Anteil am momentanen Höhenflug der Niedersachsen mit drei Zu-Null-Siegen in Folge hat, will der ehrgeizige Präsident Martin Kind eine neue und noch schlagkräftigere Mannschaft aufbauen.