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Olympia 2016: Rio feiert schon

 Brasilianer feiern in Kopenhagen den Erfolg ihres Landes. Foto: dpa
Brasilianer feiern in Kopenhagen den Erfolg ihres Landes. Foto: dpa
Kopenhagen. Rios historischer Olympiasieg beim Vierkampf um die Spiele 2016 hat die olympische Welt um Südamerika erweitert und diente gleichzeitig als symbolischer Autonomiegewinn für das IOC. Mit 66:32 Stimmen hatte Rio im finalen Votum Madrid düpiert. Tokio war in Runde zwei ausgeschieden, Chicago gleich in der ersten Runde mit blamablen 18 Stimmen abgestürzt Von Sven Busch und Günter Deister, dpa

Kopenhagen. Rios historischer Olympiasieg beim Vierkampf um die Spiele 2016 hat die olympische Welt um Südamerika erweitert und diente gleichzeitig als symbolischer Autonomiegewinn für das IOC. Mit 66:32 Stimmen hatte Rio im finalen Votum Madrid düpiert. Tokio war in Runde zwei ausgeschieden, Chicago gleich in der ersten Runde mit blamablen 18 Stimmen abgestürzt. Selbst der mächtigste Mann der Welt, US-Präsident Barack Obama, konnte Chicagos Debakel nicht verhindern und musste mit einer sportpolitischen Ohrfeige das Kongresszentrum verlassen. "Das IOC muss die Dritte Welt mehr miteinbeziehen. Das Votum für Rio war ein Schritt in die richtige Richtung", erklärte Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Für die Münchner Bewerbung um die Winterspiele 2018 war die Erkenntnis von Kopenhagen, bis zur Entscheidung 2011 in Durban muss dringend eine Kernbotschaft gefunden werden. Bis zum 15. Oktober läuft die Bewerbungsfrist beim IOC. Es zeichnet sich ein Duell mit dem südkoreanischen Vertreter Pyeongchang und dem französischen Außenseiter Annecy ab. IOC-Vizepräsident Thomas Bach setzte den Schwerpunkt des olympischen Kongresses. Er stellte dem IOC die Strukturfrage und regte eine Neuaufstellung des Weltparlaments an. "Ich habe erkennbar gemacht, dass ein IOC aus unabhängigen Mitgliedern ohne bindendes Mandat stärker wäre, weil es besser in der Lage wäre, die verschiedenen legitimen Interessen auszugleichen", sagte Bach. Die Athletenvertreter sorgten für Aufsehen mit ihrer Forderung, künftig schwere Doping-Vergehen mit lebenslangen Sperre zu bestrafen. An der Copacabana wurde unterdessen der Olympia-Karneval mit einer Strandparty fortgesetzt. Die Samba-Schule Salgueiro leitete mit heißen Rhythmen Rios neue Ära ein. Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat der Traumstadt nach jahrelangem Niedergang durch das olympische Versprechen und Investitionen von 14 Milliarden Dollar eine Renaissance prophezeit. Die Doppel-Verantwortung Fußball-WM 2014 und Olympia 2016 als viertes Land der Geschichte nach Mexiko 68/70, Deutschland 72/74 und USA 94/96 soll auch Brasiliens Transformation beschleunigen und das fünftgrößte Land der Welt zu einer politischen und wirtschaftlichen Großmacht aufsteigen lassen. "Die Entscheidung hat die Welt des Sports enger zusammenrücken lassen. Der exklusive Ausrichter-Club ist größer geworden, das gibt den Schwellenländern mehr Hoffnung", analysierte Bach, "die Entscheidung geht einher mit der internationalen Entwicklung in Wirtschaft und Politik." Afrika bleibt der einzige weiße Fleck auf der olympischen Landkarte. Fünf Tage vor seiner Wiederwahl hat Rogge mit Rio sein zweites Vermächtnis neben den Jugendspielen geschaffen. Obama musste als Prügelknabe der verärgerten Olympier herhalten, die dem Nationalen Olympischen Komitee der USA (USOC) eine klare Botschaft mit auf den Heimweg gaben. Im IOC geht die Sorge um, das Verhältnis zum stärksten Markt der Welt könnte durch Chicagos Demontage dauerhaft belastet sein und sogar Sponsorengelder gefährden. Zumindest Dick Ebersol, Sportchef des amerikanischen Olympia-Senders NBC Universal, gab dagegen Entwarnung. Auch aus dem exotischen Rio können Bilder zur besten Sendezeit in den USA angeboten werden.