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Niersbach soll Zwanziger folgen

 Wenn DFB-Präsident Theo Zwanziger (links) im Oktober kommenden Jahres sein Amt vorzeitig abgibt, soll der bisherige Generalsekretär des DFB, Wolfgang Niersbach (rechts), sein Nachfolger als Präsident werden. Dessen Kandidatur stößt überall auf breite Zustimmung. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
Wenn DFB-Präsident Theo Zwanziger (links) im Oktober kommenden Jahres sein Amt vorzeitig abgibt, soll der bisherige Generalsekretär des DFB, Wolfgang Niersbach (rechts), sein Nachfolger als Präsident werden. Dessen Kandidatur stößt überall auf breite Zustimmung. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa
Frankfurt/Main. Mit der Kandidatenkür von Wolfgang Niersbach hat der Deutsche Fußball-Bund das drohende Gezerre um die Macht schnell beendet. Der bisherige Generalsekretär soll neuer DFB-Präsident werden, Amtsinhaber Theo Zwanziger konnte seinen Wunschkandidaten Erwin Staudt nicht durchbringen Von dpa-Mitarbeiterin Ulrike John

Frankfurt/Main. Mit der Kandidatenkür von Wolfgang Niersbach hat der Deutsche Fußball-Bund das drohende Gezerre um die Macht schnell beendet. Der bisherige Generalsekretär soll neuer DFB-Präsident werden, Amtsinhaber Theo Zwanziger konnte seinen Wunschkandidaten Erwin Staudt nicht durchbringen. Im Oktober 2012 steht für Funktionärsprofi Niersbach bei einem außerordentlichen Bundestag die Wahl zum Chef des größten Sportfachverbandes der Welt an.Nach tagelangem Schweigen und viel Geschacher gab der 61-Jährige gestern dem DFB-Präsidium und fünf Vertretern der Regionalverbände sein Ja. "Ich habe gewaltigen Respekt vor dem Amt, aber auch das Selbstvertrauen. Ja, ich traue es mir zu, ich bin bereit", erklärte Niersbach.

Zwanziger hatte sich Niersbach bereits 2010 als seinen Nachfolger gewünscht, als er schon einmal von Amtsmüdigkeit geplagt war. "Damals war er noch nicht bereit. Umso mehr freue ich mich heute über seine Zusage. Er erhält meine volle Unterstützung", sagte der 66-Jährige. In einem Telefonat am Abend zuvor gegen 22.30 Uhr habe ihm Niersbach seine Entscheidung mitgeteilt, danach wurde Staudt von Zwanziger per SMS informiert.

Erst auf Nachfrage sprach der amtierende Präsident gestern von seinem Wunschkandidaten: Den früheren Präsidenten des VfB Stuttgart hatte Zwanziger ins Rennen gebracht, er war aber bei der Sitzung in der Bibliothek des Verbandes erst gar nicht mehr dabei. Warum der frühere IBM-Manager überhaupt ein Thema war? "Wenn Wolfgang nicht bereit gewesen wäre, dann hätten wir Alternativen haben müssen", erklärte der DFB-Boss, der auch Liga-Präsident Reinhard Rauball angesprochen hatte. "Das ist okay so", meinte Außenseiter Staudt nach seinem Aus.



Auf breite Zustimmung stieß die Entscheidung im Profilager. Niersbach sei als Mann des Ausgleichs bekannt, "der stets die Interessen des gesamten Fußballs im Blick hat und großes Ansehen in allen Bereichen des DFB genießt", sagte Rauball, der als DFB-Präsidiumsmitglied gestern bei der Sitzung fehlte, weil er erst das Votum der Amateurvertreter abwarten wollte. Bundestrainer Joachim Löw erklärte in einer DFB-Mitteilung über Niersbach: "Er ist ein Teamplayer mit großer Erfahrung und angenehmem Führungsstil. Ich bin sicher, dass er auch in der neuen Rolle einen engen Draht zur Nationalmannschaft halten und unsere Arbeit optimal unterstützen wird."

Der bis November 2013 gewählte Zwanziger hatte am vergangenen Freitag bei der DFB-Jahresabschlussfeier überraschend verkündet, dass er sein Amt vorzeitig abgeben werde. Mit sofortiger Wirkung zurückzutreten komme für ihn nicht infrage - "weil ich der Überzeugung bin, dass auch der amerikanische Präsident, sollte er wiedergewählt werden, nicht vier Jahre eine Lame Duck ist". Er werde sich nun zunehmend auf den internationalen Bereich mit seinen Ämtern beim Weltverband FIFA und der Europäischen Fußball-Union konzentrieren.