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„Niersbach lügt“

Köln. Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger erhebt schwere Vorwürfe gegen die Macher des Sommermärchens. Dennoch gibt es auch Rückendeckung für seinen angeschlagenen Nachfolger Wolfgang Niersbach. Sid-Mitarbeiterthomas Nowag

Theo Zwanziger hat in der WM-Affäre zum womöglich entscheidenden Schlag gegen seinen Intimfeind Wolfgang Niersbach ausgeholt - doch noch steht das Präsidium des DFB treu zu seinem Chef. Zwanziger erklärte im Nachrichtenmagazin Spiegel, es habe "eindeutig eine schwarze Kasse in der deutschen WM-Bewerbung" gegeben, und bezichtigte seinen Amtsnachfolger an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) der Lüge. Wenige Minuten zuvor war die Präsidiumssitzung des DFB für Niersbach ohne Konsequenzen zu Ende gegangen.

Geld an Bin Hammam?

Zwanziger, ab 2003 selbst als Vize für Finanzen Mitglied des Organisationskomitees für die WM 2006, fuhr schweres Geschütz auf. "Es ist klar, dass der heutige DFB-Präsident davon nicht erst seit ein paar Wochen weiß, wie er behauptet, sondern schon seit mindestens 2005. So wie ich das sehe, lügt Niersbach", behauptete Zwanziger. Er nannte zudem den zwielichtigen katarischen Ex-Fifa-Funktionär Mohamed Bin Hammam als Empfänger der ominösen Millionenzahlung des früheren adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus (6,7 Millionen Euro) im Jahr 2002 - was eine Verbindung zu den asiatischen WM-Stimmen für 2006 herstellen könnte.

Niersbach hatte am Donnerstag während einer Pressekonferenz erneut beteuert, es habe im Zuge der WM-Vergabe "weder Stimmenkauf noch eine schwarze Kasse" gegeben. Am gleichen Tag hatte der frühere DFB-Generalsekretär und OK-Vize Horst R. Schmidt aber mitgeteilt, dass das gesamte OK bereits 2004 Kenntnis von der angeblichen Dreyfus-Zahlung an die Fifa im Namen des Gremiums gehabt habe. Niersbachs Glaubwürdigkeit war dadurch schon heftig erschüttert.

Das DFB-Präsidium teilte allerdings mit, es werde "mit seinem Präsidenten Wolfgang Niersbach an der Spitze den eingeschlagenen Weg der umfassenden, lückenlosen Aufklärung aller Vorwürfe im Zusammenhang mit der WM 2006 konsequent weiterverfolgen". Der DFB gab außerdem bekannt, dass eine inzwischen extern eingeschaltete Wirtschaftskanzlei beauftragt wurde, "ihre Prüfung auf die Einbeziehung der Fifa auszuweiten".

"Lückenlose Aufklärung"

DFB-Präsidiumsmitglied und Liga-Präsident Reinhard Rauball betonte zwar ausdrücklich sein absolutes Vertrauen in Niersbach, stellte in der DFB-Mitteilung allerdings die Prioritäten des Verbandes eindeutig klar: "Es ist für den gesamten deutschen Fußball unerlässlich, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt, auch wenn sie zu schmerzhaften Erkenntnissen führen sollte." "Nichts", betonte er zudem in Interviews, sei "schlimmer, als dass ein Eindruck bleibt, dass etwas unter den Teppich gekehrt werden soll." Lückenlose Aufklärung sei das Wichtigste: "Auch für den Fall, dass es unangenehm wird für die einen oder anderen Personen oder Beteiligten."

Zwanziger hat laut Spiegel am vergangenen Dienstag mit Horst R. Schmidt ein Telefonat geführt, von dem ein Gedächtnisprotokoll vorliegt. Auf die Frage Zwanzigers, wohin die Dreyfus-Millionen 2002 geflossen seien, soll Schmidt den Namen Bin Hammam genannt haben. Der Katarer war von August 2002 bis zu seiner lebenslangen Sperre 2011 wegen Korruption Chef der asiatischen Fußball-Konföderation AFC. Die asiatischen Stimmen waren bei der WM-Vergabe ausschlaggebend für den Zuschlag an Deutschland.