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Neustart auf der Insel

Mainz. Philipp Wollscheid versucht sein Glück in der Premiere League. Er setzt große Hoffnungen in den Wechsel zu Stoke City FC: „Ich will regelmäßig spielen.“ Bei seinem neuen Club ist der Trainer der Star: Marc Hughes. Marcus Kalmes

Mit der englischen Stadt Stoke-on-Trent verbindet der Deutsche im Allgemeinen recht wenig. Das bei uns eher unbekannte Fleckchen Erde liegt in fast gleicher Entfernung zu den bekannten Städten Manchester, Birmingham, Nottingham und Liverpool. Es ist eine Verschmelzung mehrerer Orte und wird kurz Stoke genannt. Bekannter sind manch Söhne der Stadt: Musiker Robbie Williams , Lemmy Kilmister , Gründer der Heavy-Metal-Band Motörhead , oder Titanic-Kapitän Edward John Smith. Den illustren Kreis der Leute, auf die Stokes Einwohner Stolz sind, könnte nun ein zweimaliger Fußball-Nationalspieler aufpeppen: Philipp Wollscheid.

Wohnung nahe Manchester

Der Verteidiger ging nach Stoke, um sich einen Traum zu erfüllen. "Die englische Liga habe ich immer schon im Kopf gehabt. Sie wird in der Welt am meisten geschaut", erzählt Wollscheid, während er im ungewohnten Linksverkehr durch die Stadt fährt. Er schaut sich seine neue Heimat an. Schließlich muss er nach dem Wechsel von Bundesligist Mainz 05 zum Premier-League-Club Stoke City FC eine Wohnung finden. "Ich bin froh, dass es mit dem Wechsel geklappt hat", sagt der 25-Jährige, der seine Gefühlswelt noch nicht beschreiben kann: "Ich bin am Sonntag um 23 Uhr im Hotel angekommen. Am Montagvormittag war ich im Training, danach nach einem Auto schauen." Zeit zum Realisieren blieb noch nicht wirklich. Doch er weiß schon: "Ich denke, dass ich wie die meisten Spieler Richtung Manchester ziehen werde. Das ist mit dem Auto 45 Minuten entfernt."

Mainz hat er verlassen, weil er in der Vorrunde nur fünf Mal spielte. Leverkusen hatte ihn bis Saisonende an die 05er ausgeliehen - Wollscheid sollte Spielpraxis bekommen, weil er bei Bayer kaum mehr gespielt hatte. Stattdessen bekam seine Karriere eine Delle. Sie ging ab 2009 mit dem Wechsel vom 1. FC Saarbrücken , wo ihm ein Vertrag für die Reserve-Elf angeboten wurde, zum 1. FC Nürnberg steil nach oben. Es folgten 52 Erstliga-Spiele. 2012 holte ihn Bayer für 7,5 Millionen Euro Ablöse, gab ihm einen bis 2017 geltenden Vertrag. 51 Bundesliga- und vier Champions-League-Spiele kamen hinzu. Im Debüt in der Nationalelf 2013 erreichte die Karriere des Saarländers einen Höhepunkt.

"Ich will regelmäßig spielen", sagt Wollscheid. Deshalb zog er auf die Insel weiter. Die "Potters" (die Töpfer), wie Stoke City FC mit Blick auf die von der Töpferei-Industrie geprägte Stadt genannt wird, leihen ihn bis Saisonende aus und haben eine Kaufoption. Stoke hat in Europas Fußball keinen großen Namen, gilt nach Notts County aber als zweitältester noch existierender professioneller Fußball-Club der Welt. Er wurde 1863 gegründet. Andere Quellen sagen 1868. Berühmtester Spieler war Englands Torwart-Ikone Peter Shilton.

Dreiviertel seiner neuen Mitspieler hat Wollscheid noch nicht kennen gelernt. Der Innenverteidiger trainierte mit fünf Verletzten, die Aufbaueinheiten absolvierten. Die Premier League macht anders als die Bundesliga keine Winterpause. Stoke spielte am Neujahrstag daheim im Britannia-Stadion gegen Manchester United 1:1. Der Großteil der mit 15 A-Nationalspielern aus aller Welt gespickten Mannschaft hatte von Sonntag bis heute frei.

Crouch, Arnautovic und Huth

"Die Mannschaft ist qualitativ sehr gut aufgestellt", sagt Wollscheid. Er war am 22. Dezember bei der Heimniederlage gegen den FC Chelsea (0:2) im Stadion: "Sie wird nichts mit dem Abstieg zu tun haben."

Für den Tabellenelften spielen der 42-malige englische Nationalspieler Peter Crouch, Österreichs 36-maliger Nationalspieler Marco Arnautovic und Robert Huth , 19-maliger deutscher Nationalkicker. Der Star ist aber der Trainer. Vor Weihnachten traf sich Wollscheid mit Mark Hughes. Ein zweites Treffen mit dem früheren Stürmer von Manchester United , des FC Barcelona , FC Bayern München und FC Chelsea war vor dem Jahreswechsel. Wollscheid sagt über den Ex-Nationaltrainer von Wales: "Mein Eindruck von ihm ist sehr gut. Er ist überzeugt von mir, weil er einen physisch starken, robusten Verteidiger mit gutem Aufbauspiel sucht." Hughes sagt über den 1,94 Meter Hünen, dem die Spielweise in England liegen kommen könnte: "Er hat eine hervorragende Qualität, ist ein sehr guter Fußballer. Er hat gutes Geld in der Vergangenheit bewegt und für den amtierenden Weltmeister gespielt. Er hat wirklich einen guten Stammbaum."

Doch der Gelobte kommt aus der Winterpause in eine Mannschaft und Liga, in der alle fit sind. Sind Anlaufprobleme programmiert? "Nein, das glaube ich nicht. Ich hatte nur zwei Wochen Pause. Und in der Zeit habe ich viel für mich getan. Ich denke, dass ich fit bin", sagt Wollscheid. Stoke spielt am Sonntag beim ruhmreichen FC Arsenal mit den Weltmeistern Mesut Özil und Per Mertesacker . Wollscheid kündigt an: "Ich will dort auflaufen und spielen!" Dann würde sich ein Traum erfüllen.