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Neue Veranstaltungsreihe ISL
„Das ist die Zukunft des Schwimmens“

 Der erste Wettkampf der International Swimming League in Indianapolis kam optisch völlig anders daher als übliche Veranstaltungen.
Der erste Wettkampf der International Swimming League in Indianapolis kam optisch völlig anders daher als übliche Veranstaltungen. FOTO: AP / Alfredo Falcone
Indianapolis. Die neue International Swimming League (ISL) ist mit einer großen Show am Wochenende in Indianapolis gestartet. Die Sportler waren überwiegend begeistert von der Präsentation. sid

Die Halle war in quietschbuntes Licht getaucht, der Diskjockey ließ am Beckenrand die Plattenteller glühen, und mittendrin feierte ein Haufen Weltklasse-Schwimmer seine brandneue „Champions League“. Die Premiere der International Swimming League (ISL) am Wochenende in Indianapolis war – fragt man die Athleten – ein einziger Erfolg. Ein Party-Marathon im kühlen Nass, der den Schwimmsport endlich ins Konzert der Großen katapultieren soll.

„Ich fand, es war eine richtig gute Veranstaltung. Das Format hat auf jeden Fall Zukunft. Als Team zu schwimmen, macht es noch mal besonders“, sagte die deutsche Top-Schwimmerin Franziska Hentke, die mit ihren Landsleuten Philip Heintz, Poul Zellmann und Freiwasser-Staffel-Weltmeisterin Sarah Köhler für das italienische Team „Aqua Centurions“ startet. Doch am Premieren-Wochenende in der Motorsport-Stadt Indianapolis standen andere Teams, mit nicht weniger reißerischen Namen, im Vordergrund.

Energy Standard aus Frankreich, angeführt von London-Olympiasieger Chad le Clos (Südafrika) und Schwedens Schwimm-Star Sarah Sjöström, sicherte sich am Samstag und Sonntag den Sieg beim ersten von sieben Stopps des Wettkampfkalenders, an dessen Ende das große Finale im Dezember in Las Vegas steht. In Indianapolis krönte sich Sjöström, Goldmedaillengewinnerin von Rio 2016, mit drei Rennsiegen zum „Most Valuable Player“, dem wertvollsten Athleten des Events. Die Anleihen aus dem US-Sport sind also unverkennbar. Den Sportlern gefällt es. „Es hat so viel Spaß gemacht“, sagte Sjöström.



Die Idee der ISL, die Athleten in den Mittelpunkt zu stellen, war allgegenwärtig. Spezielle, bunt ausgeleuchtete Team-Boxen (Zitat Hentke: „Ziemlich geil“) sorgten beispielsweise für ein Gemeinschaftsgefühl, das im Schwimmen sonst rar ist. „Es ist einfach eine tolle Chance. Du hast Teamkollegen aus aller Welt, lernst so viele neue Leute kennen mit verschiedenen Wurzeln. Es gibt dir eine tiefere Verbindung zum Sport“, sagte die fünfmalige Olympiasiegerin Katie Ledecky aus den USA, die für DC Trident antritt und in ihrem Rennen über 400 Meter Freistil den Kurzbahnweltrekord nur um 0,08 Sekunden verfehlte.

Neben all der Party geht es bei der neuen Wettkampfreihe aber auch um bare Münze, vor allem für die Athleten in den insgesamt acht Mannschaften. Ein Preisgeld von fünf Millionen Dollar ist für die Premierensaison ausgegeben, dazu darf sich jeder Sportler über 10 000 Dollar Antrittsgeld freuen. Das war ein Grund dafür, warum die Schwimmer massiven Druck auf den Weltverband Fina ausübten, der sich zunächst gegen die Pläne der ISL gesperrt hatte. Denn eine kontinuierliche Wettkampfreihe bedeutet für die Athleten mehr Medienpräsenz – Eurosport überträgt übrigens alle Wettkämpfe – und eine höhere Sichtbarkeit für Sponsoren.

„Ich denke, dass dies die Zukunft des Schwimmens ist. Es macht die Sache spannender, ist für den Zuschauer einfacher zugänglich und bringt den Sportlern viel mehr Geld“, sagte die US-Amerikanerin Lilly King, die in Rio zweimal Gold gewonnen hatte. Für einen nachhaltigen Erfolg müssen aber auch beständig viele Menschen zuschauen. Die ISL will über fünf Jahre 100 Millionen Menschen für ihr Produkt begeistern. Der nächste Schritt dorthin soll schon am kommenden Wochenende beim zweiten Stopp in Neapel folgen.