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Neue Trainerin soll neue Erfolge bringen
Mit viel Erfahrung zurück in die Weltspitze

Mit Ex-Nationalspielerin Martina Voss-Tecklenburg sollen die deutschen Fußballerinnen möglichst bald wieder Titel gewinnen. Das hofft auch DFB-Präsident Reinhard Grindel.
Mit Ex-Nationalspielerin Martina Voss-Tecklenburg sollen die deutschen Fußballerinnen möglichst bald wieder Titel gewinnen. Das hofft auch DFB-Präsident Reinhard Grindel. FOTO: dpa / Arne Dedert
Frankfurt. Die neue Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg soll die deutschen Fußballerinnen wieder nach oben führen. sid

Im Blitzlichtgewitter nahmen Reinhard Grindel und Oliver Bierhoff die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg am Freitag lächelnd in ihre Mitte. Nach dem demonstrativen Schulterschluss mit den Bossen des Deutschen Fußball-Bundes startete die Hoffnungsträgerin ihre Mission voller Stolz und Vorfreude.

„Diese Aufgabe ist das i-Tüpfelchen. Eine große Herausforderung, die extrem spannend ist“, sagte die strahlende 50-Jährige bei ihrem souveränen Auftritt in der DFB-Zentrale in Frankfurt. Nur 189 Tage vor Beginn der WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli 2019) bekam die 125-malige Nationalspielerin einen klaren Auftrag auferlegt.

„Wir wollen wie bei den Männern auch mit den Frauen zurück an die Weltspitze. Ich bin überzeugt, dass wir das mit Martina als starker Persönlichkeit schaffen“, erklärte DFB-Direktor Bierhoff. Kurzfristiges Ziel sei es, „bei der WM eine gute Rolle zu spielen und uns dort wieder für Olympia zu qualifizieren“.



Auch Verbandspräsident Grindel betonte seine hohen Erwartungen an die meinungsstarke, aber auch einfühlsame Nachfolgerin von Interimstrainer Horst Hrubesch, der das Team nach der Entlassung der erfolglosen Novizin Steffi Jones im März übernommen und zur WM-Teilnahme geführt hatte. „Martina steht für attraktiven, auf Tempo ausgerichteten Fußball und ist offen für Innovationen.“

Die soll auch die stärkere Verzahnung mit dem Männerbereich bringen. Ein erstes Treffen mit Joachim Löw habe es „zufällig“ schon in Düsseldorf gegeben, verriet Voss-Tecklenburg. „Ich bin sehr dankbar für die Synergien, die aufgetan werden durch die Änderungen im DFB. Das birgt Chancen, und wenn wir die Chancen nicht nutzen, dann sind wir selbst schuld.“

Der einstige „Flankengott aus dem Kohlenpott“ (Zitat Grindel) kommt mit ausgezeichneten Referenzen. Als Spielerin gewann die gebürtige Duisburgerin viermal den EM-Titel, zweimal wurde sie als Fußballerin des Jahres ausgezeichnet (1996 und 2000). Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere drei Jahre später schlug sie die Trainerlaufbahn ein. Erst arbeitete sie als Verbandssportlehrerin, dann in der Frauen-Bundesliga beim FCR Duisburg (heute MSV) sowie beim USV Jena. Mit dem Engagement in der Schweiz seit 2012 empfahl sie sich endgültig für den Posten als Bundestrainerin in ihrer Heimat, auch wenn sie in den Play-offs die erneute WM-Qualifikation mit der Alpenrepublik verpasste. Sie leistete im Nachbarland Entwicklungshilfe von der Nachwuchsarbeit an und führte das A-Team erstmals zu WM und EM.

Der Vertrag der viermaligen Europameisterin läuft langfristig bis zum Sommer 2021, doch die erste Bewährungsprobe steht im Sommer an. Erste Maßnahme auf dem Weg zur WM ist ein Winter-Trainingslager im Januar in Spanien, im März folgt ein Lehrgang in Frankreich mit Länderspielen, um die WM-Form der Olympiasiegerinnen zu testen. Für die WM will Voss-Tecklenburg erst im April oder Mai konkrete Ziele formulieren: „Ich möchte erst die Spielerinnen kennenlernen. Ich möchte Titel gewinnen. Und ich war noch nie Weltmeisterin.“

Unterstützt wird Voss-Tecklenburg von einem namhaften Stab: Die ehemalige Nationalspielerin Britta Carlson, Thomas Nörenberg und Michael Fuchs hatten allesamt schon in der Hrubesch-Ära mitgewirkt. „Wir haben als Team viel vor uns und können viel optimieren“, sagte Voss-Tecklenburg, „und darauf haben wir viel Lust.“