| 21:40 Uhr

Neuer Uefa-Wettbewerb
Mehr Lob als Kritik an Nations League

Jubel am Affenfelsen: Gibraltar feierte in der Nations League seinen ersten Heimsieg überhaupt – 2:1 gegen Liechtenstein. Selbst die EM-Qualifikation ist für den Fußballzwerg dank des neuen Wettbewerbs noch drin.
Jubel am Affenfelsen: Gibraltar feierte in der Nations League seinen ersten Heimsieg überhaupt – 2:1 gegen Liechtenstein. Selbst die EM-Qualifikation ist für den Fußballzwerg dank des neuen Wettbewerbs noch drin. FOTO: dpa / Marcus Moreno
München. Während die großen Nationen den neuen Wettbewerb nur bedingt ernst nehmen, ist er für die kleinen ein Gewinn. sid

Für Jürgen Klopp ist die Nations League „der sinnloseste Wettbewerb der Welt“. Doch mit dieser Meinung steht der Teammanager des FC Liverpool ziemlich alleine da. Zwar nimmt nicht jede große Fußball-Nation den neu geschaffenen Wettbewerb gleichermaßen ernst, gelobt wird er vor den Gruppenfinals ab diesem Donnerstag aber sogar von den Schwergewichten der Branche.

„Für mich als Nationaltrainer ist die Nations League eine gute Erfindung“, sagt Bundestrainer Joachim Löw, dem mit der DFB-Auswahl der Abstieg aus Liga A droht: „Ein Wettbewerb ist mir in dieser Phase lieber als gegen die Kleinen zu spielen.“ Die Nationenliga habe zwar „nicht die Bedeutung einer Welt- oder Europameisterschaft“, ergänzt Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff: „Aber für uns ist es schöner, Wettbewerbsspiele gegen große Gegner zu haben als ein Freundschaftsspiel gegen Georgien.“

Wobei: Georgien steht immerhin bereits als Aufsteiger in Liga C fest. Die Ukraine hat sich vorzeitig einen Platz in Liga A gesichert, aus der Island und Polen absteigen. Ansonsten herrscht überall noch Spannung – sehr zur Freude der Uefa. Deren Präsident Aleksander Ceferin sieht die Nations League schon jetzt als Erfolgsgeschichte.



Es gebe „sicherlich wichtigere Turniere“, sagt Nationalspieler Julian Draxler, er und seine Kollegen spürten „nicht den größten Druck“ – Abstieg hin oder her. Doch Duelle wie das der deutschen Elf gegen Weltmeister Frankreich oder Erzrivale Niederlande, Europameister Portugal gegen Italien oder Spanien gegen England, gibt Toni Kroos zu, „klingen schon gut im Ohr“.

Das Finalturnier mit den vier Gruppensiegern der Liga A Anfang Juni 2019 werde sich „auf Weltklasse-Niveau bewegen“, sagt Belgiens Trainer Roberto Martinez, „denn die besten vier Teams der WM kommen alle aus Europa“. Vor allem aber begrüßen viele Beteiligte, dass anstelle der Testspiele ein echter Wettbewerb getreten ist. „Wir spielen nicht um die Goldene Ananas“, sagt der Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka: „Es geht immer um etwas.“

Sogar, und das ist das Revolutionäre, für die kleinen Nationen. Gibraltar oder Kosovo feierten in Liga D die ersten Pflichtspielsiege überhaupt, als hätten sie die WM gewonnen. Beide „Zwerge“ könnten sich über die Playoffs sogar für die EM 2020 qualifizieren – eine Chance, die sich ihnen über die herkömmliche Quali (ab März 2019) kaum bietet. Gleiches gilt für Luxemburg, das die Gruppe D2 mit drei Siegen und einer Niederlage (9 Punkte) vor Weißrussland (8) anführt.

Die Nations League, urteilt die renommierte englische Tageszeitung Independent, „könnte den internationalen Fußball retten“. Doch Klopp ist nicht ihr einziger Kritiker. Die internationale Spielergewerkschaft FIFPro sieht sich in ihrer Befürchtung bestätigt, dass vor allem die viel belasteten Topspieler kaum mehr Pausen bekämen.

Früher, sagt Klopp, habe er häufiger Gehör gefunden, wenn er bei einem Nationaltrainer darum bat, dieser möge einen seiner Stars schonen. Weil es jetzt immer um etwas gehe, sei dies kaum mehr der Fall. „Die Nations League ist eine gute Idee – aber macht es doch in einer anderen Sportart“, sagt Klopp: „Im Fußball ist dafür kein Platz.“ Doch er ahnt, dass seine Kritik auf taube Ohren stößt: „Ich könnte das auch meiner Kaffeemaschine erzählen.“ In der Tat: 2020/2021 wird es die zweite Auflage der Nations League geben. Und: Die Fifa plant sogar schon eine weltweite Nationenliga.